Der Flussregenpfeifer mit einem Jungen an der Isar in Tölz.
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Der Flussregenpfeifer mit einem Jungen an der Isar in Tölz.

Naturschutz

Endlich wieder Nachwuchs: Freude über kleine Flussregenpfeifer an der Isar

Der Flussregenpfeifer zählt zu den bedrohten Arten, für die die Isar einer der letzten Lebensräume ist. Seine Küken haben oft schlechte Chancen durchzukommen. Das sieht heuer anders aus.

Bad Tölz – Der Flussregenpfeifer hat Nachwuchs bekommen. Das ist etwas Besonderes. Denn häufig fällt das Gelege dieser Vogelart dem Hochwasser zum Opfer. Der Grund dafür ist, dass der Flussregenpfeifer seine Eier auf den Kiesbänken an der Isar ablegt.

„Grundsätzlich ist es so, dass Gelegeverluste insbesondere durch Hochwasser eher die Regel als die Ausnahme sind“, erklärt Joachim Kaschek von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Häufigste Ursache für den Verlust von Gelegen oder noch nicht flügge gewordenen Jungvögeln sind neben Hochwasser an der Isar, welches ganze Inseln überströmt, Erholungssuchende, die die Eier unbemerkt zertreten.

Pro Brutpaar werden im Schnitt nicht mehr als zwei Jungvögel selbstständig

Meist werden Anfang Mai etwa vier Eier gelegt, nach 22 bis 28 Tagen schlüpfen die Jungen, die somit jetzt erst wenige Tage alt sind. „Wir gehen davon aus, dass im Schnitt pro Jahr und Brutpaar nicht mehr als zwei Jungvögel selbstständig werden“, sagt Kaschek.

Ein seltener Anblick: Nachwuchs des Flussregenpfeifers.

Gerade Ende Mai kommt es oft zu länger anhaltenden Niederschlägen, welche die Kiesbänke schnell überfluten können. „Das heißt, dass auch die jetzt geschlüpften Jungen noch nicht auf der sicheren Seite sind, erst wenn sie flügge sind – und das dauert nach dem Schlüpfen etwa drei bis vier Wochen.“

Flussregenpfeifer findet heute an der Isar viel weniger Lebensraum als früher

Zum diesjährigen Brut-Erfolg sagt Kaschek: „Bis vor Kurzem war es zwar relativ kühl, aber es gab weder Überflutungen, noch anhaltenden Regen, der auch zu Verlusten führen kann. Für eine erfolgreiche Brut also erst mal gute Voraussetzungen.“

Jedoch sei der Verlust von Lebensraum das mit Abstand größte Problem des Flussregenpfeifers. „Die Anzahl der Brutplätze an der Isar ist im Vergleich zum Zustand vor 100 Jahren wohl ein Bruchteil gegenüber heute.“ Laut Kaschek wurden großflächige Inseln und Kiesbänke aufgrund von fehlendem Kies und des auf langer Strecke durch Verbauung sehr engen Flusses zur Mangelware.

Auch der Mensch ist eine Gefahr für den Flussregenpfeifer

Daneben spielen sogenannte „Geo-Gefahren“ mit hinein. „Also Hochwasser, das die Brutplätze zwar auch bildet, genau während der Brutzeit aber auch die Brut vernichten kann.“ Zudem kann Trockenheit ein Problem darstellen. „Wenn bei der Brutplatzsuche eine Insel ausgewählt wurde, die während der Brutzeit plötzlich mit dem Ufer verbunden ist, weil der Wasserstand deutlich abgesenkt ist, haben Räuber einen leichteren Zutritt zum Brutplatz und können die Brut fressen“, erklärt Kaschek.

Der Mensch ist dann eine Gefahr, wenn er die Brutflächen betritt. Kaschek erklärt: „Wenn die Altvögel deshalb das Nest verlassen, können die Eier so auskühlen, dass die Embryos darin absterben. Oder die Eier werden direkt zertreten, weil man sie nicht erkennt. Sie sind einfach sehr gut getarnt.“ Daneben sollen sich Bootsfahrer und Stand-Up-Paddler an die Vorschriften der Bootsverordnung halten, die unter anderem das Fahren in der Flussmitte, die Lärmvermeidung und kein Anlanden an gekennzeichneten Kiesinseln gebietet.

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Von Elena Royer

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