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Zu viel Verkehr: Die Isar-Verordnung will die Nutzung des Wildflusses einschränken.

Isar-Verordnung: Über 70 Einwände

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Um den Druck von der Isar zu nehmen, soll künftig eine genaue Regelung für das Befahren mit Booten gelten. Wassersportler kritisieren die geplante Verordnung scharf.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wann genau sie in Kraft tritt, steht noch nicht fest. Aber die Einspruchsfrist für die Isar-Verordnung ist abgelaufen. Wie mehrfach berichtet sollen härtere Auflagen für das Bootfahren auf der Isar gelten. Zu groß war der Druck, der in den vergangenen Jahren auf dem Wildfluss lastete.

Insgesamt seien laut Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid über 70 Einsprüche eingegangen. Scharfe Kritik an dem Entwurf für die Verordnung übt etwa der Deutsche Touring-Kajak-Club München. Für den ältesten bayerischen Kajakverein und seine etwa 280 Mitglieder sei die Isar das wichtigste Ausbildungs- und Sportgelände – und zwar das ganze Jahr über. Man habe eine Bootsverordnung erwartet und sei enttäuscht worden. „Der Partybetrieb auf der Isar, der ohnehin nur im Sommer stattfindet, kann nahezu unvermindert weiter gehen, aber wir Sportler, die an diesen Missständen nicht beteiligt sind, werden für zwei Drittel des Jahres ausgesperrt“, schreibt der Vorsitzende des DTKC, Jochen Langbein, in der Stellungnahme.

„Vor dem Erlass einer Verordnung hätte versucht werden sollen, die Situation durch Information und Aufklärung zu verbessern.“ Diese Lücke hätten Mitglieder des Vereins und anderer Kanuvereine sowie Mitglieder des LBV geschlossen. Information und Aufklärung sollten aber auch durch die Behörden erfolgen.

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Langbein kritisiert auch einzelne Punkte der Verordnung. So sei es richtig, eine angepasste Fahrweise zu fordern. Mit Partybooten sei dies aber nicht möglich. „Die Leute sind in nicht lenkbaren Booten unterwegs, haben keine Ahnung von der Dynamik des (leichten) Wildwassers und können ihre Boote nicht steuern.“ Die jahreszeitliche Sperrung (gefahren werden darf nur von 1. Juni bis 15. Oktober) sei nicht nachvollziehbar. Sie blockiere hauptsächlich die Sporttreibenden, sei auch aus Naturschutzgründen nicht zu erklären. Letzteres sehen Naturschutzverbände allerdings komplett anders, die zum Teil noch drastischere Beschränkungen fordern – mit Blick auf Vogelbrut- und Fischlaichzeiten.

Der Verordnungsentwurf werde den Partybetrieb auf der Isar nicht begrenzen, so das Fazit von Langbeins Schreiben. „Für eine Befahrungsbeschränkung fordern wir eine gesamtheitliche Erfassung und Bewertung aller Störfaktoren auf und neben dem Wasser.“ Diese Bewertung hat der Kreisausschuss im Prinzip bereits in Auftrag gegeben: Eine FFH-Verträglichkeitsstudie wird das untersuchen und auch aufzeigen, wie viel kommerzielle Nutzung die Isar über die private hinaus noch verträgt.

In die gleiche Kerbe wie Langbein schlägt aber auch Christof Waldecker, Sportpaddler und Ausbilder im Verein bayerischer Einzelpaddler. In seinem Brief ans Landratsamt und an die Gemeinde Lenggries schreibt er: Mit der Verordnung sperre man genau die Paddler aus, die für umweltbewusstes Verhalten bekannt und gut ausgebildet seien. In seinen Augen würde eine Begrenzung der Bootsbreite auf 1,15 Meter mehr bewirken, dann wäre „die Bootsmasse nicht mehr auf dem Wasser“.

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Wie Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid mitteilt, müssten all die Einsprüche nun geprüft und bewertet werden. „Dies wird sicher einige Wochen in Anspruch nehmen.“ Daher sei es auch noch nicht möglich zu sagen, bis wann die Verordnung, die für gewerbliche Anbieter, aber auch Freizeitkapitäne gilt, in Kraft treten werde.

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