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Isarverordnung: Kanuten drohen mit Klage

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Von: Nora Linnerud

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Kanufahren auf der Isar: Die Sportler protestieren mit einer Online-Petition dagegen, dass dies nicht mehr das ganze Jahr über erlaubt ist. © Foto: Kurzendörfer/Archiv

Die Isarverordnung ist durch – damit sind aber nicht alle glücklich. Es gibt Einwände, vor allem vom bayerischen Kanu-Verband.

Bad Tölz/Schwandorf – Es hat sich ausgepaddelt auf der Isar. Zumindest von 16. Oktober bis 31. Mai darf das Gewässer zwischen Sylvensteinsee und Bad Tölz weder privat noch im Verein oder gewerblich befahren werden. Damit sind nicht alle glücklich.

Nur von Juni bis Mitte Oktober dürfen Schlauchboot- und Kanufahrer den Fluss künftig nutzen, so heißt es in der Isarverordnung, die das Tölzer Landratsamt im April erlassen hat. Der bayerische Kanu-Verband legt dagegen Beschwerde ein und drohte, nach dem Beschluss gegen die neue Verordnung zu klagen (wir berichteten).

Jetzt veröffentlichte der Verband auf seiner Website eine Online-Petition. Unter dem Titel „Naturverträglicher Kanusport auf der Isar muss ganzjährig möglich bleiben!“ sammelte der Verein in den vergangenen zwei Wochen über 3580 Unterschriften, die dem Tölzer Landratsamt das dringende Anliegen der Kanuten vor Augen führen sollen.

Rechtlich bindend ist so eine Online-Petition nicht. „Man muss alle Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Gerda Baumer, Vizepräsidentin für Freizeitsport beim bayerischen Kanu-Verband. Der Verband habe beim Landratsamt einen Antrag auf eine Ausnahmeregelung zur Isarbefahrung für seine rund 12 000 Vereinsmitglieder gestellt, die vorwiegend in München leben.

„Wir sind in Verhandlungen. Wir wollen das im Guten lösen, aber wenn wir nicht weiterkommen, werden wir Klage einreichen“, so die 60-Jährige aus Schwandorf in der Oberpfalz. Aktuell prüfe ein Anwalt, inwieweit die Verordnung rechtlich anfechtbar sei.

Der Kanu-Verband setzt sich nicht gegen die gesamte Verordnung ein. Hinter dem Alkoholverbot und der Schwimmwestenpflicht stehe der Verein voll und ganz. „Wir sind nur gegen die zeitliche Begrenzung der Verordnung“, sagt Baumer. Ihre Begründung: In den wenigen Sommermonaten, in denen eine Befahrung nurmehr möglich ist, würden sich die Stoßzeiten für Isarbefahrungen verschärfen. Sprich: Es werde in noch kürzerer Zeit noch voller auf dem Wasser.

Ungeschulte Wassersportler würden ohnehin nur in den warmen Monaten auf der Isar paddeln. „In der restlichen Zeit sind in der Regel gut ausgerüstete und gut geschulte Kanufahrer unterwegs“, argumentiert die pensionierte Beamtin für eine Ausnahmeregelung für ihre Vereinsmitglieder abseits der Saison. Die Isar sei vor allem für die Münchner Kanu-Vereine wichtig.

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Das deckt sich auch mit den Beschwerden, die beim Landratsamt bezüglich der Verordnung eingingen. Sprecherin Marlies Peischer berichtet, dass Klagen oft aus dem Münchner Raum kämen, zum Teil aber auch aus der Region. „Zur nun erlassenen Verordnung äußern sich dem Landratsamt gegenüber – wenn überhaupt – meistens Kanuten und bemängeln die zeitliche Begrenzung“, so Peischer.

Die möglichen Inhalte einer Bootfahrverordnung seien lange im Vorfeld über eine Online-Umfrage und mit zahlreichen Interessensvertretern der Isarbefahrung – vom Raftinganbieter bis zum Naturschützer – besprochen worden. Peischer: „Auf diese Art wurde die Öffentlichkeit intensiv an diesem Prozess beteiligt.“ Verstöße gegen die Verordnung habe es bisher wohl nicht gegeben, auch wenn die Isarranger seit Anfang Mai im Dienst sind. Das sei wohl aber auch dem schlechten Wetter geschuldet.

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