Amtsgericht

Isarwinklerin schrammt an Gefängnis vorbei

Einmal war sie schon in Haft. Jetzt schrammte eine Frau aus dem Isarwinkel knapp an einer zweiten Gefängnisstrafe vorbei.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Angeklagte schluchzte in ein Papiertaschentuch, das ihr die Protokollführerin gereicht hatte, während der Vorsitzende ihr die Leviten las. „Manche Sachen versteht man überhaupt nicht, und manche noch weniger. Sie gehören zur letzten Kategorie. Ich weiß nicht, was Sie reitet“, hielt Richter Helmut Berger der 46-jährigen Isarwinklerin vor, die gerade noch mal am Gefängnis vorbeigeschrammt war. Die sechs Monate Haft, zu der er die Frau wegen „Verstoßes gegen Weisungen und Auflagen der Führungsaufsicht“ verurteilte, setzte Berger zur Bewährung aus.

„Wenn man schon mal Haft erfahren hat, versucht man das doch zu verhindern“, äußerte Berger sein Unverständnis über das Verhalten der Angeklagten. Die Frau hatte nach einer früheren Verurteilung wegen eines Sexualdelikts sowie Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige ein Jahr und elf Monate im Gefängnis gesessen. Seit Ende November 2013 steht sie für weitere fünf Jahre unter Führungsaufsicht. Sie muss sich einmal im Monat bei ihrem Bewährungshelfer melden, darf keine Drogen nehmen und muss dies durch regelmäßige Screenings nachweisen.

Anfangs klappte das gut, seit Herbst vorigen Jahres gab es mit der Einhaltung der Auflagen jedoch zunehmend Probleme, wie der Bewährungshelfer vor Gericht bestätigte. „Ich weiß, das ist meine Schuld“, zeigte sich die Angeklagte, die Probleme mit ihrer pubertierenden Tochter als Grund für ihre Nachlässigkeit vorgab, einsichtig. Die Staatsanwältin ließ das kalt. „Wir sind Ihnen so oft hinterher gelaufen. Sie lassen uns keine Wahl“, begründete die Anklagevertreterin, warum sie eine Vollzugsstrafe forderte.

„Vielleicht können wir es noch einmal probieren“, sagte Richter Helmut Berger und setzte die Strafe gegen Zahlung von 500 Euro an den Skiverband Oberland zur Bewährung aus. „Wie es weitergeht, liegt einzig und allein an Ihnen“, gab er der Angeklagten mit auf den Weg. Die Frau wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln und schnäuzte kräftig in ihr Taschentuch, bevor sie den Gerichtssaal einigermaßen erleichtert verließ. rst

Rubriklistenbild: © dpa

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