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Beraten und helfen gerne: Traudl Kremsreiter (li.) und Tanja Hammerle mit einem Kunden im „Schenkräumchen“. 

Ein Jahr „Schenkräumchen“

Schenken macht glücklich

Bad Tölz - Es gibt Ideen, die so stimmig sind, dass sie sich gegen jeden Widerstand durchsetzen. Das „Tölzer Schenkräumchen“ ist so eine Idee. 

Vor einem Jahr hat Tanja Hammerle in einer Garage beim evangelischen Gemeindehaus damit begonnen, Dinge zu sammeln, die die einen nicht mehr brauchen, und sie denen zu geben, die wenig haben. Mittlerweile ist der „Laden“ in größere Räume in der Klammergasse umgezogen.

„Keiner sollte sich schämen, wenn er mal Hilfe annehmen muss,“, sagt Hammerle. Geboren wurde die Idee des „Schenkräumchens“ aus einer persönlichen Situation heraus. Sie selbst war aufgrund von Krankheit in einer finanziellen Misere und wandte sich an den Benediktbeurer Schenk-Laden, den es damals schon gab. „Das war eine große Erleichterung für mich. Ich konnte durch das gesparte Geld meinen Kindern ohne schlechtes Gewissen einfach mal ein Eis kaufen.“


Großes Gedränge:
Bis zu 100 Leute pro Tag


Dass es im Leben manchmal schwierige Zeiten geben kann, weiß auch Traudl Kremsreiter. Sie ist eine von etwa zehn Helfern, die Tanja Hammerle im „Schenkräumchen“ zur Seite stehen. Sie alle sind engagiert bei der Sache, die mittlerweile viel Arbeit bedeutet. An den Tagen, an denen der Laden geöffnet hat, versammeln sich schon lang bevor aufgesperrt wird, die Menschen vor der Tür. Das gibt mitunter auch kleine Tumulte, die aber nun mit Hilfe eines Türstehers in Schach gehalten werden. Etwa acht Leute gleichzeitig dürfen jeweils rein und sich ein oder zwei Tüten voll Kleidung, Schuhe oder Haushaltswaren mitnehmen. „Meistens sind es etwa hundert Leute pro Tag, die zu uns kommen“, sagt Hammerle. Dass es dann auch mal großes Gedränge gibt, ist tatsächlich ein kleines Problem geworden. Viele Asylbewerber sind dabei, denn sie haben oft keine andere Möglichkeit, ihren Bedarf an Alltagsdingen zu decken.

„Weil hier immer so viel los ist, haben sich manche nicht mehr zu uns getraut. Das soll natürlich auch nicht sein.“ Nun gibt es einen zusätzlichen Öffnungstag, der unter „geschlossene Gesellschaft“ läuft. „Jeden Freitag haben wir nur für Einheimische geöffnet. Wir wollen auf keinen Fall jemanden ausgrenzen. Dazu gehören aber auch Schwangere, alte Leute oder solche mit Handicap, die mit dem Gedränge nicht klar kommen.“ Und dass es keinerlei Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern gebe, sei sowieso klar. Gerade das „Multikulti“ sei es ja, das Hammerle und ihren Mithelfern so gut gefalle. „Ich hab’ schon viele arabische Speisen kennengelernt, die von den Leuten mitgebracht wurden. Und wir können über unseren Tresen hinweg auch ein bisschen Deutsch beibringen.“

Mitarbeit ist ehrenamtlich

Dass das „Schenkräumchen“ so gut läuft, macht Tanja Hammerle immer noch glücklich. Am Anfang galt es nämlich viele Hürden zu überwinden. Keiner wollte sich so recht darauf einlassen, man tat die Idee als überflüssig ab. Der evangelische Pfarrer Martin Steinbach hat ihr schließlich eine Garage am Gemeindehaus überlassen und ihr so den Weg geebnet. Heute sind die Vorbehalte ausgeräumt. Der Laden finanziert sich durch ein Spendenkonto der evangelischen Kirchengemeinde und seit Neuestem auch durch Geld von der Tölzer Bürgerstiftung. Und das Projekt käme allgemein auch gut an. „Es kommen auch viele Urlauber zu uns und finden es ganz toll, dass es so etwas in Tölz gibt.“ Darüber freut sich Hammerle, und will sich auf diesem Weg bei allen bedanken, die Sachen bringen oder anderweitig unterstützen. „Wir haben so viel Positives erlebt in diesem Jahr, das ist für uns alle eine Bereicherung“. Apropos: Einen Verdienst hat keiner der Helfer. Die Mitarbeit ist komplett ehrenamtlich.

Öffnungszeiten

Das „Tölzer Schenkräumchen“ hat am Montag von 16 bis 18 Uhr; am Mittwoch von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Am Freitag ist für eine „geschlossene Gesellschaft“ von 10 bis 13 Uhr offen. Waren können am Samstag von 9 bis 11 Uhr abgegeben werden. Dringend gebraucht werden übrigens Haushaltswaren wie Geschirr oder Besteck sowie Schuhe. Auch über Kleiderständer wäre man im Schenkräumchen sehr glücklich.

Ines Gokus

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