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Das Ehepaar Anna Maria und Manfred Richard mit Bildbänden, die der Erinnerung an die Erdbebenkatastrophe in Friaul gewidmet sind. 

40 Jahre nach der Katastrophe im Friaul

Als die Erde bebte und der Isarwinkel half

Bad Tölz - Am Abend des 6. Mai 1976 um 21.06 Uhr erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,5 die norditalienische Region Friaul. Die Stoßwellen waren noch im 200 Kilometer Luftlinie entfernten Tölzer Land deutlich zu spüren.

Wer das erlebt hat, wird nie vergessen, wie hier das Geschirr in den Schränken klirrte und Mobiliar verrutschte. Im Epizentrum des Bebens waren die Auswirkungen katastrophal: 989 Menschen verloren ihr Leben, 500 wurden verletzt, rund 80 000 Bewohner in den entlegenen Bergdörfern wurden obdachlos. In den Wochen nach dem Beben rollte im Isarwinkel eine Welle der Hilfsbereitschaft los.

Wenige Tage nach der Katastrophe war die Tölzerin Anna Maria Richard (geborene Cengarle) vor Ort. Die gebürtige Friaulerin berichtete damals nach ihrer Rückkehr dem Tölzer Kurier über die schrecklichen Ausmaße der Tragödie und startete eine Spendenaktion. Die Tölzer waren von der Not sehr berührt. „Das oft gerühmte goldene Tölzer Herz“, wie der damalige Lokalchef der Heimatzeitung, Gregor Dorfmeister, schrieb, öffnete sich. Fast 30 000 D-Mark, Lebensmittel und Sachspenden sammelte Anna Maria Richard.

Heute lebt sie mit ihrem Mann, dem Tölzer Steuerberater Manfred Richard, in Greiling. 1958 sind sie sich bei einem Adria-Urlaub erstmals begegnet, 1965 haben sie geheiratet und sind 1967 in den Isarwinkel gekommen. Für die 71-Jährige sind die Ereignisse von damals noch sehr präsent. „Ich stamme aus der Bezirkshauptstadt Udine. Mit meinem Mann wollte ich den Menschen in Venzone helfen. Dort hatte meine Familie gute Freunde.“ In dem mittelalterlich geprägten Kleinstädtchen mit einem Dom waren die Schäden verheerend. Unter den 2000 Einwohnern hatte es 47 Tote gegeben.

„Die unvorstellbare Not der Menschen und die verzweifelte Suche nach Verschütteten, das waren für mich ganz schreckliche Eindrücke“, erinnert sie sich an ihren ersten Besuch. Und sie war tief berührt von der Hilfsbereitschaft vieler Tölzer: „Eine Mitarbeiterin aus dem Krone-Center hat mir damals 400 Mark zugesteckt, einfach unglaublich.“ Unterstützt worden sei sie in besonderer Weise von Franziskanerpater Winfried Prummer, von Kurt Breiter und seiner Katholischen Jungen Gemeinde und vom BRK-Geschäftsführer Gerd Huber, dessen Kreisverband ihre Aktion unbürokratisch mitgetragen und Spendenbescheinigungen ausgestellt habe.

Doch als die schlimmsten Schäden notdürftig behoben waren, brach die nächste Katastrophe herein: Am 11. und 15. September 1976 erschütterten zwei weitere Erdstöße die Region und zerstörten viele beschädigte Häuser vollends. Und nun drohten die Menschen angesichts des nahenden Winters zu erfrieren. Dorfmeister und Wolfgang Naager, Chef des Isar-Loisachboten, gewannen daraufhin den damaligen Merkur-Verleger Ludwig Vogl für eine große Sammelaktion im gesamten Verbreitungsgebiet der Zeitung zugunsten des zerstörten 510-Seelen-Dorfes Resiutta. „Ich war als Dolmetscherin mit dabei“, berichtet Richard. Natürlich sei sie anfangs „ziemlich enttäuscht“ darüber gewesen, dass nicht „ihr“ Venzone die Hilfe bekommen hat, bekennt sie heute freimütig. Dank großzügiger Leserspenden (rund 1,2 Millionen Mark) konnte damals ein neues, aus Holzhäusern bestehendes Dorf errichtet werden: das „Villaggio Muenchner Merkur“.

Nach Venzone fährt die Greilingerin mit ihrem Mann noch immer jedes Jahr und kommt natürlich auch mit Einheimischen ins Gespräch: „Das Leben geht weiter“, sagt sie. „Aber die Erinnerungen bleiben wach.“ Rainer Bannier

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