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Der Tölzer Kurier feiert heute seinen 150. Geburtstag.

Geschichte der Heimatzeitung

150 Jahre Tölzer Kurier: Ein Rückblick

Bad Tölz - Vor Kurzem hat der Tölzer Kurier eine Serie über alteingesessene Betriebe gestartet. Zu denen darf er sich mit Fug und Recht auch selbst zählen, feiert er doch heuer ein großes Jubiläum. Vor 150 Jahren, am 6. Januar 1863, ist die Heimatzeitung erstmals erschienen. Ein Rückblick.

Die Zeitungszeit in Tölz beginnt mit einer netten Anekdote, die der frühere Redaktionsleiter Gregor Dorfmeister vom Ortshistoriker Johann Nepomuk Sepp überliefert hat. Wenn dessen Vater um 1850 (mit Kutsche) nach München reiste, dann brachte er den Kindern „Feigen und Zibeben“ (Rosinen) „und für die Großen politische Nachrichten mit“. 1863 hatte das ein Ende. Da erschien an Dreikönig, einem Dienstag, erstmals das „Tölzer Amts- und Wochenblatt“.

1879 Umzug an die Marktstraße

Herausgeber war Franz Paul Schapperer. Redaktion und Verlag waren damals noch im Tölzer Gries beheimatet. Die Zeitung erschien zunächst einmal, später zweimal die Woche. Erst 1879 erfolgte der Umzug an die Marktstraße 1. Hausname war damals das Köglmeier-Anwesen. Heute kennen selbst Ortsfremde das markante Eckhaus der Fußgängerzone als Tölzer Kurier.

Diesen Namen trägt das Blatt übrigens seit 1875. Aus der Zeit ist auch eine Leserliste erhalten: Die Zeitung besaß demnach 437 Abonnenten. Der Standortwechsel ins Ortszentrum entsprach dem Selbstbewusstsein des neuen Besitzers, Verlegers und Chefredakteurs: Adolf Böck. Der Sohn eines Memminger Gerichtssekretärs brachte die Drucktechnik auf Vordermann und erweiterte die bislang eher dürftige redaktionelle Berichterstattung. Die Obrigkeit sah’s nicht gerne und drohte wegen der politischen Nachrichten 1885 gar mit dem Entzug der zur Finanzierung der Zeitung unentbehrlichen amtlichen Bekanntmachungen.

Abonnenten in New York, Paris und Rom

Böck kapierte und fuhr den Anteil der politischen Berichterstattung zurück. Dennoch scheint die Qualität der Zeitung die Leser überzeugt zu haben. Ende des 19. Jahrhunderts besaß der Tölzer Kurier sogar Abonnenten in New York, Paris und Rom.

Auch zur Nazizeit sollte die Zuteilung des Amtsblattes als Druckmittel eine große Rolle spielen. Seit 1923 hatte der Kurier Konkurrenz bekommen. Die „Tölzer Zeitung“ (TZ) wurde vom Münchner Verleger Adolf Müller herausgegeben, der später das NSDAP-Organ Völkischer Beobachter drucken sollte. Die guten Beziehungen zu den neuen Machthabern führten dazu, dass das gut dotierte Amtsblatt zur TZ wechselte. Die war technisch top ausgestattet und besaß eine ehrgeizige, schnell arbeitende Redaktion, die regelmäßig Bilderseiten – das Fernsehen der 1930er-Jahre – veröffentlichte.

Ab 1922 bürgerliches Bollwerk

Der Kurier war behäbiger, aber zumindest in den frühen NSDAP-Jahren ab 1922 ein bürgerliches Bollwerk. Beide Zeitungsredaktionen konnten nicht verhindern, dass sie 1937 zerschlagen und zwangsfusioniert wurden.

Das führte zu einer wenig bekannten Tragödie. Der TZ-Schriftleiter Michael Reisacher war überzeugt gewesen, dass er als stets nazifreundlicher Journalist Leiter des neu formierten Blattes werden würde. Dem war nicht so. Der Name der neuen Zeitung lautete dann auch noch: Tölzer Kurier. Das entsprach gängiger NS-Praxis. Man nutzte so die Reputation der althergebrachten Zeitung am Ort. Michael Reisacher erschoss sich daraufhin. Sein Frau Emma folgte ihm am Tag darauf in den Tod.

Fotos: Der Tölzer Kurier im Wandel der Zeit

Der Tölzer Kurier im Wandel der Zeit

Der Tölzer Kurier im Wandel der Zeit

Moderne regionale Tageszeitung

Mit dem Kriegsende verschwand auch der Tölzer Kurier vom Markt. Erst vier Jahre später feierte er seine Wiedergeburt. Die alte am Ort gedruckte Lokalzeitung hatte freilich ausgedient. Im Mantel des Münchner Merkur präsentierte sich der Tölzer Kurier als moderne regionale Tageszeitung.

Das Zukunftskonzept der Lokalzeitung erfuhr einen ganz neuen Schub, seit Anfang der 1980er-Jahre Verleger Dr. Dirk Ippen den Merkur mit seinen Heimatausgaben verantwortet. In einer zunehmend globalisierten Welt aufs Lokale zu setzen, sichert bis heute die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Zeitungen wie der Tölzer Kurier, so wagte Ippen zum 125. Jubiläum einen Blick in die Zukunft, „können nur gedeihen in einem Land des freien Worts, in dem Frieden herrscht und das frei ist von materieller Not. Solange diese Voraussetzungen erhalten bleiben, wird auch die Heimatzeitung auf sicherem Grund stehen“. Das hat auch im nunmehr 151. Jahr seines Bestehens für den Tölzer Kurier noch seine Gültigkeit.

Von Christoph Schnitzer

ZITAT DES TAGES

„Und so mögest Du, geneigter Leser, die Versicherung entgegennehmen, daß es niemals unterlassen werde, in diesen Blättern nach Möglichkeit Alles darzubieten, was zu Nutzen und Ergötzlichkeit willkommen sein dürfte.“

Aus dem Vorwort zur ersten Ausgabe des Tölzer Kurier am 6. Januar 1863

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