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Die neugewählte Führungsmannschaft (v. li.): Kreis-Handwerksmeister Martin Heimgreiter, Georg Melf, Anton Lugauer, Jakob Bscheider, Herbert Kozemko, Feo Schraml, Norbert Eigendorf und Kaspar Orterer. 

Jahresversammlung im „Kolberbräu“

Neues Gesetz ärgert Handwerker

Ein neues Gesetz sorgt für Unruhe unter den Handwerkern. Das wurde bei der Jahresversammlung der Kreis-Handwerkerschaft im Gasthof Kolberbräu in Bad Tölz deutlich.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach – Zahlreiche Obermeister aus den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach waren dazu erschienen.

Es geht um das neue Widerspruchsrecht für private Verbraucher. Unter dem Titel „Vorsicht Falle: Fallstricke beim Abschluss von Werksverträgen“ referierte Sven Rathgeber, Jurist bei der Handwerkskammer, über dieses Thema und sagte: „Wir sind auch nicht glücklich darüber, aber so ist nun einmal die augenblickliche Gesetzeslage.“

Worum geht es? Bei abgeschlossenen Aufträgen, die per sogenanntem „Fernabsatzgeschäft“, also etwa per E-Mail, zu Stande gekommen oder die außerhalb der Geschäftsräume des Handwerkers unterschrieben worden sind, hat der Kunde ein 14-tägiges Widerspruchsrecht ohne Angabe von Gründen. „Was soll ich da machen, wenn mein Kunde den schriftlichen Auftrag noch einmal in Ruhe zu Hause durchlesen will, ehe er unterzeichnet?“, fragte Schreiner-Obermeister Josef Ostler in die Runde.

Noch prekärer wird die Lage für den Handwerker, wenn er versäumt, den Kunden schriftlich auf sein Widerspruchsrecht hinzuweisen. Dann nämlich verlängert sich die Frist auf ein Jahr und zwei Wochen. „Dann kann also mein Kunde seine vor einem Jahr gefertigte Eckbank mir ohne Bezahlung wieder zurückgeben?“, fragte Kreis-Handwerksmeister Martin Heimgreiter.

„Im Prinzip ja“, antwortete der Referent. Wenn es sich allerdings um ein Einzelstück, also eine Spezialanfertigung handelt, wird der Paragraf nicht greifen. Das gleiche gilt für Waren, die leicht verderblich sind. Jurist Rathgeber beruhigte die Versammelten: „Bislang ist in ganz Bayern nur ein Fall bekannt, in dem es diesbezüglich zu einem Rechtsstreit gekommen ist.“

Unzufriedenheit gab es auch, als Monika Uhl den neuen Ausbildungs-Kompass für die Region vorstellte. Die erste Auflage wird demnächst von den jeweiligen Landratsämtern herausgegeben. Die Handwerksmeister monieren, dass große Unternehmen wie etwa Roche in Penzberg viel größer dargestellt werden als etwa die regionalen Handwerker. „Das ist genau dasselbe wie bei den Ausbildungsmessen, wo McDonald’s, Aldi und die Polizei mit wesentlich größeren Ständen vor Ort sind als wir Handwerker“, sagte Martin Heimgreiter. Er räumte aber ein: „Daran sind wir auch selbst schuld.“

Nach einer Satzungsänderung, in der die Möglichkeit geschaffen wurde, dass jeweils ein Vertreter aller Gewerke im Vorstand vertreten sein kann, wurde das Führungsteam neu gewählt. Heimgreiter stellte sich „zum letzten Mal“, wie er sagte, zur Verfügung, und wurde einstimmig wiedergewählt. Ohne Gegenstimme erhielten auch seine Stellvertreter Konrad Stelmaszek und Anton Lugauer (beide Bäcker) das Vertrauen. Als neue Beisitzer vertreten die Kreishandwerker nun Herbert Kozemko (Bau), Georg Melf, Jakob Bscheider (beide Zimmerer), Feo Schraml (Maler), Norbert Eigendorf (Metall) und Kaspar Orterer (Schreiner). (von Ewald Scheitterer)

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