Jahresversammlung des Kreisjagdverbands

Jäger wollen sich nicht von „Vogelbuberln“ vorführen lassen

Gams- und Steinwild waren jüngst Thema in der Jahresversammlung des Kreisjagdverbands (KJV) in der Alten Schießstätte in Bad Tölz. Die Entwicklung der Steinwildbestände, die ihre Lebensräume in den höheren Gebirgslagen haben, werden anhand von Zählungen nachverfolgt. Dass sich bei diesen Zählungen inzwischen der Landesbund für Vogelschutz (LBV) stark engagiert, wollte dem KJV-Vorsitzenden Wolfgang Morlang nicht gefallen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der LBV animiere Privatleute, „durch die Reviere zu marschieren, Sichtungen aufzuschreiben und ihre Beobachtungen online zu melden“, sagte Morlang in der Jägerversammlung. Die Vorgehensweise des LBV, die Hege des Steinwilds für sich zu beanspruchen, sei nicht akzeptabel. „Die Hege ist Recht und Pflicht der Jäger und gehört nicht in die Hände von selbst ernannten Naturschützern. Unsere Hochwildhegegemeinschaft betreibt seit Jahrzehnten ein hervorragendes Steinwildmanagement und muss sich nicht von irgendwelchen ,Vogelbuberln‘ vorführen lassen.“ Wenn man für Wild, Wald und Natur etwas erreichen wolle, müsse man zwar Allianzen bilden. Aber die Deutungshoheit über die Hege des Wildes dürfe man dabei nicht aus der Hand geben. „Die ist in der Verantwortung von Jägern, Jagdgenossen und dem Bayerischen Jagdverband.“

In der Jahresversammlung des Kreisjagdverbands führte Vorsitzender Wolfgang Morlang (li.) auch durch. Besonderer Dank galt (ab 2. v. li.) Johann Oswald, der bereits seit 65 Jahren dem Verband angehört. Auf 60-jährige Mitgliedschaft können Josef Ertl, Stephan Heiß und Franz Pfund zurückblicken. Für 40-jährige Zugehörigkeit wurde Johann Fichtner ausgezeichnet, während Klaus Kirschenhofer und Stefan Rinner seit 25 Jahren im Mitgliederbuch stehen. Eine Ehrung für besondere Verdienste erhielten Hundeobmann Bene Huß und Ausbildungsleiter Manuel Ehrtmann.

Er habe diesbezüglich bereits auf Regierungsbezirksebene vorgesprochen und den BJV-Präsidenten Jürgen Vocke informiert, so Morlang. Sein Vorschlag sei, die Steinwildzählung durch die BJV-Akademie in Wunsiedel selbst vorzunehmen und die Zusammenarbeit mit dem LBV zu beenden.

Für Wald und Wild wenig förderlich sei jedenfalls die zunehmende Beunruhigung durch Mountainbiker. Ein Teil davon, so Morlangs Erfahrungen, seien junge Leute, die sich ein Geschäftsfeld erschließen und mit Sport Geld verdienen wollen. Der Großteil aber seien Freizeitsportler, die mit modernen Möglichkeiten die Natur erkunden wollten. „Das ist einerseits verständlich, andererseits nicht akzeptabel, wenn sich die Akteure dabei auf das allgemeine Betretungsrecht berufen und weder Eigentum noch Jagdrecht noch freilebendes Wild achten.“ Die Jägerschaft müsse diesbezüglich Position beziehen: als anerkannte Naturschützer, die ihre Befähigung durch Prüfungen unter Beweis stellen müssten. Hinter der Jagd und der Pflicht zur Hege stecke viel Arbeit, Zeit und Geld – nicht so bei den „selbst ernannten Naturschützern“.

Wer sich stur auf das Betretungsrecht berufe, dem müsse entgegengehalten werden, dass es ebenfalls gesetzlich angeordnet sei, auf die Belange der Grundstückseigentümer und Nutzungsberechtigten Rücksicht zu nehmen. Und schließlich habe auch das Wild ein Recht, in seinen Lebensräumen zu existieren. Morlangs Resümee: „Die Diskussion über den Freizeitdruck wird uns noch länger erhalten bleiben.“  (Rosi Bauer)

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