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Letzte Vorbereitungen fürs Fest: Caritas-Mitarbeiterin Angelika Hertwig (63) bringt die Beleuchtung am Christbaum vor dem Tölzer Jakobus-Haus an. Barbara Stärz (33) hält sicherheitshalber die Leiter.

Caritas hilft

Obdachlos und doch daheim

Bad Tölz - Weihnachten im Tölzer Jakobus-Haus:  Menschen ohne festen Wohnsitz feiern in besonderer, aber doch nicht allzu weihnachtliche Atmosphäre.

Alle Jahre wieder findet in vielen Haushalten die Bescherung unterm Christbaum statt – meist begleitet von leckerem Bratengeruch und himmlischer Festtagsmusik. Weihnachten ist das Fest der Familie und der Liebe. Der Heiligabend soll Besinnlichkeit und Freude bringen. Doch das ist nicht für alle Menschen möglich. So stehen manche, trotz aller Bemühungen, auf der Straße und suchen Zuflucht im Obdachlosenheim.

Die Stimmung bei den Bewohnern im Tölzer Obdachlosenheim Haus St. Jakobus sei an Weihnachten „recht nachdenklich“, sagt Barbara Stärz, Sozialpädagogin und Verantwortliche der Einrichtung. „In der Weihnachtszeit wird man unweigerlich auf die eigene Einsamkeit und das Nichtvorhandensein der eigenen Familie aufmerksam gemacht“, so die Einrichtungsleiterin. „Ich denke, gerade in dieser fröhlichen, familiären Zeit nimmt die Traurigkeit bei einigen Bewohnern zu, weil sie keine Familie mehr haben oder nicht bei ihr sein können“, sagt die Sozialpädagogin. Viele der Obdachlosen seien auf der Durchreise. Das bedeutet, sie wandern von einer Herberge zur anderen. „Manche kommen auch nach geraumer Zeit wieder“, sagt Stärz. So sei es den Wohnungslosen erlaubt, sechs Wochen nach dem letzten Besuch wiederholt für maximal zwei Wochen einzukehren, bevor sie weiterziehen müssen. „Es gibt viele therapeutische und organisatorische Angebote, die den obdachlosen Menschen helfen und zu Stabilität führen sollen“, so Stärz.

Laut der Caritas-Mitarbeiterin gibt es an Weihnachten einen festlich geschmückten Christbaum und gutes Essen. „Dieses Jahr sind wir eine ganz nette Truppe, wir werden das Weihnachtsessen gemeinsam kaufen und auch zusammen zubereiten“, sagt Dominik N. (Name von der Redaktion geändert). Kartoffelsalat mit Würstchen soll es geben. „Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag kommt dann der Braten auf den Tisch“, freut sich Mitbewohner Karsten K. Die Kosten für das Weihnachtsessen übernimmt die Caritas. Doch es gebe auch immer wieder mal Obdachlose, die nicht einmal einen Christbaum im Raum haben wollen – ganz zu schweigen von – von Geschenken und Dekoration. „Aber natürlich kommt jedes Jahr ein Baum in den Gemeinschaftsraum, das war immer so und wird auch immer so bleiben“, sagt Stärz.

Ziel sei es, eine besondere, aber doch nicht allzu weihnachtliche Atmosphäre zu schaffen, damit die derzeit Wohnungslosen sich zwar mit Weihnachten auseinandersetzen, aber nicht „in eine Depression oder negative Stimmung“ fallen, sagt Stärz.

„Als ich klein war, war Weihnachten schöner. Der Konsum macht alles kaputt“, sagt Karsten K. „Der Weihnachtsbaum wurde vom Christkind geschmückt, und erst wenn die Glocken geklingelt haben, durften wir in den Raum kommen“, erinnert er sich mit leuchtenden Augen. „Wenn es an Weihnachten mal Streit in der Unterkunft gibt, packe ich meine sieben Sachen und verbringe die Nacht unter freiem Himmel. Ich schlafe ein, und dann ist dieser komische Tag auch wieder vorbei“, sagt Dominik N. trocken.

Insgesamt stehen im Obdachlosenheim „Haus Sankt Jakobus“ acht Plätze zur Verfügung. Anonyme Spenden, wie Plätzchen und Mandarinen, seien in der Weihnachtszeit die Regel. „Meist ist sogar mehr Süßes da, als gegessen wird“, sagt Stärz. Über finanzielle Spenden freue sich die Caritas immer. Auch der Tölzer Kurier unterstützt seit Jahren die Obdachlosenhilfe der Caritas mit Spenden aus der Aktion „Leser helfen helfen“. Es werde einiges getan für Menschen ohne eigenen Wohnsitz, so Stärz. Wer Weihnachten nicht unter der Brücke verbringen will, kann sich hier auf eine warme Mahlzeit freuen – und auf einen liebevoll geschmückten Baum.

Sophie von Grudzinski

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