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Die Insolvenz von Thomas Cook sorgt auch bei Reiseveranstaltern im Landkreis für viel Arbeit.

Wirtschaft

Jede Menge Arbeit nach Thomas-Cook-Pleite

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Die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook wirkt sich auch im Landkreis aus. Reisebüros haben derzeit alle Hände voll zu tun.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Sommerferien sind vorbei, trotzdem herrscht in den Reisebüros derzeit höchste Betriebsamkeit. Der Grund: Die Thomas-Cook-Pleite. Der Reiseveranstalter hatte am 25. September Insolvenz angemeldet – betroffen sind davon viele deutsche Urlauber, die etwa über Neckermann-Reisen gebucht hatten.

Als die Pleite bekannt wurde, habe sie schon zu Hause ihre Kundenliste vorbereitet und am nächsten Tag sofort alle angerufen, sagt Anna Maria Scheitterer vom AS-Reisecenter in Bad Tölz. „Ich wollte nicht warten, bis die Kunden beunruhigt anrufen.“ Alle hätten verständnisvoll reagiert. „Das Problem ist aber: „Wir hängen etwas in der Luft. Denn nur die Reisen bis zum 31. Oktober wurden abgesagt. Wir wissen nicht, was mit den Urlauben ist, die danach gebucht wurden.“

Zumindest seien alle Kunden nach Hause gekommen. Scheitterer und ihre Mitarbeiter unterstützen alle Betroffenen jetzt dabei, Anträge an die entsprechende Versicherung zu richten. Auch wenn noch jede Menge Arbeit vor ihr liegt, sagt Scheitterer. „Man muss Ruhe bewahren, wir schaffen das schon.“ Des einen Leid ist des anderen Freud: der britische Billigflieger Easyjet profitiert von der Pleite von Thomas Cook.

Viel zu tun hat auch das DER-Reisebüro in Bad Tölz. „Wir hoffen, dass alles gut ausgeht“, sagt Büro-Leiterin Patrizia Ristau. Auch sie musste „Gott sei Dank“ keine Kunden zurückholen und hilft nun bei den entsprechenden Anträgen. Kompliziert sei es aber mit denen, die ihre Reise im Internet gebucht haben. Denen könne sie aus Datenschutzgründen nicht helfen, „da sind uns die Hände gebunden“.

Zu spüren bekommt auch Klaus Stößel die Auswirkungen der Insolvenz. „Wir haben gerade sehr viel Schreibarbeit, vor allem, was die Reiseversicherungen betrifft“, sagt der Geschäftsführer des Reisebüros Atlantik-Luft in Geretsried. Einige Kunden, die ihre gebuchten Reisen nicht antreten können, würden nun was anderes buchen „und sie hoffen einfach, dass sie über den Sicherungsschein eine Erstattung bekommen“. Dadurch, dass die Fluggesellschaft Condor die Urlauber nach Hause brachte, habe sich die Lage ein wenig entschärft, es mussten keine Rettungsaktionen gestartet werden. „Wenn die Regierung nicht den Überbrückungs-Kredit genehmigt hätte, wäre es eine Katastrophe geworden“, so Stößel.

Für ihn sei das Ungute an der Situation, dass er den Kunden nicht einfach raten dürfe umzubuchen. „Bei einer Insolvenz können wir rechtlich nicht eingreifen.“ Er habe nicht damit gerechnet, dass es so eine Pleite geben könne. Zumal es danach ausgesehen habe, dass ein neuer Investor Thomas Cook wieder stabilisieren würde. „Aber natürlich macht man sich jetzt Gedanken über die Zukunft, wie stabil wohl andere Reiseanbieter sind.“

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Betroffen waren auch zwei Kurier-Leser. Glück habe er gehabt, berichtet der Tölzer Johann Frauenrieder. Am 23. September sei er „mit Bauchschmerzen“ zum Flughafen gefahren. „In den Nachrichten überschlugen sich die Meldungen über die Insolvenz.“ Von Neckermann habe es keine Informationen gegeben. „Wir waren die letzten, die von Eurowings mit nach Mallorca genommen wurden.“ Auf den folgenden Flügen seien Neckermann-Kunden abgewiesen worden. Auch am Urlaubsort angekommen, blieb ein ungutes Gefühl. „Die Neckermann-Schilder im Hotel wurden über Nacht entfernt, und die Reiseleitung tauchte nicht mehr auf.“ Am Ende ging alles gut: Frauenrieder musste nicht nachzahlen und landete am Montag wohlbehalten wieder in der Heimat.

Etwas umständlicher verlief die Heimreise für Michael Greiter, der vergangene Woche in San Francisco war. „Nach einer fast schlaflosen Nacht und mit Hilfe von zu Hause wurden wir (nach viel Eigeninitiative) doch noch von Condor, bei denen wir ja eigentlich auch gebucht hatten, über einen Umweg nach Hause umgebucht“, berichtet Greiter. Ob der erste, bereits bezahlte Flug zurückerstattet werde, sei noch unklar. Auch fielen gebuchte höhere Leistungen weg, ein Umsteigen erhöhte den Stress und das Gepäck kam erst einen Tag später. Sein Fazit: „Hauptsache heimgekommen. Wenn man andere Schicksale von Reisenden mitbekommt, ist das alles ,fast’ noch harmlos gewesen.“

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