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Jerusalem Quartet: Ein berührendes Erlebnis

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Langanhaltenden Applaus spendierten die Zuschauer den Musikern, die im Tölzer Kurhaus zu Gast waren.
Langanhaltenden Applaus spendierten die Zuschauer den Musikern, die im Tölzer Kurhaus zu Gast waren. © Krinner

Das „Jerusalem Quartet“ gastiert im Tölzer Kurhaus. Aufgrund der Corona-Regeln spielen Musiker ihr Programm sogar zweimal.

Bad Tölz – 24 Stunden zuvor in Lissabon und im Februar zum Beispiel in der Elbphilharmonie: Das vor 25 Jahren gegründete und mit vielen Preisen ausgezeichnete „Jerusalem Quartet“, das gerade durch Europas Konzertsäle tourt und am Sonntag im Tölzer Kurhaus gastierte, gehört zu den weltweit besten Ensembles und wird für seinen warmen, vollen, beinahe menschlichen Klang gerühmt.

Für Musiker und Veranstalter bewegt sich der Konzertbetrieb seit zwei Jahren infolge der Corona-Pandemie im Ungewissen. Das gilt für die Gäste aus Israel ebenso wie für den Verein „Klangerlebnis e.V.“ unter der Leitung von Christoph Kessler, dem es immer wieder gelingt, solche Hochkaräter nach Bad Tölz zu holen. Die 2G-Regel und 25 Prozent Belegung verlangen Musikern, Veranstaltern und Musikfreunden aktuell einiges an Flexibilität und Entgegenkommen ab: Das Quartett spielte sein Programm deshalb gleich zweimal, und das Publikum musste je nach Platznummer zum früheren oder späteren Termin erscheinen. Sind Corona-Auflagen eine große Zumutung? Wohl kaum, wenn man sich zum Vergleich vergegenwärtigt, unter welch furchtbaren äußeren Bedingungen einst ein Dmitri Schostakowitsch komponierte, der während der Schreckensherrschaft Stalins über Jahre hinweg mit der schier unerträglichen Angst leben musste, wie viele andere Künstler und Intellektuelle auch jederzeit angefeindet, denunziert, verhaftet und ermordet zu werden. Das hat tiefe Spuren in seiner Seele und seinem Werk hinterlassen.

Konzert auf BR Klassik aufgezeichnet

Das „Jerusalem Quartet“ hat eine besondere Beziehung zur russischen Musik und zu den Streichquartetten von Schostakowitsch. Drei der Musiker sind in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Das aufgeführte achte Streichquartett opus 110 entstand erst 1960 während eines Aufenthalts in Dresden. Dessen ganz unterschiedliche Stimmungen zwischen Ironie und Schmerz, seine Mehrdeutigkeit und Rätselhaftigkeit brachte das Ensemble meisterhaft zum Ausdruck. Mit dem schlimmen persönlichen Schicksal völliger Taubheit und einer damit einhergehenden sozialen Isolation schrieb der schwerkranke Ludwig van Beethoven am Ende seines Lebens seine späten Streichquartette und brach dabei in eine neue Dimension von Musik auf. Mit Ernsthaftigkeit, variablem Spiel und fabelhafter Präzision durchdrang das „Jerusalem Quartet“ diesen komplizierten musikalischen Kosmos und bescherte dem Publikum ein berührendes Erlebnis.

Das vor 25 Jahren gegründete und mit Preisen ausgezeichnete „Jerusalem Quartet“ begeisterte die Zuhörer.
Das vor 25 Jahren gegründete und mit Preisen ausgezeichnete „Jerusalem Quartet“ begeisterte die Zuhörer. © Krinner

Nachdem sie der lange Applaus mehrfach auf die Bühne zurückgeholt hatte, bedankten sich die sympathischen Künstler mit einer entzückenden Zugabe aus einem Streichquartett von Josef Haydn, dem Begründer dieses Genres.Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler (Violine), Ori Kam (Viola) und Kyril Zlotnikov (Cello) bilden das „Jerusalem Quartet“, dessen Name für jene Stadt steht, in der die Gründungsmitglieder einst gemeinsam studiert haben. Weil man den Namen auch als ein politisches Statement zur geteilten Stadt deuten könnte, schlug ihnen bisweilen Kritik entgegen. Zu Unrecht, wie die überwältigende Mehrheit aller Musikfreunde überzeugt ist: gerade auch im Land der Täter, wo die Musiker aus Israel immer wieder gerne auftreten und mit Ovationen überschüttet werden. Das Konzert wurde von BR Klassik aufgezeichnet. Den Termin der Ausstrahlung will „Klangerlebnis e. V.“ auf seiner Webseite bekannt geben. Das nächste Konzert im Kurhaus mit dem „Rolston Quartet“ aus Toronto findet am 6. März statt. (R. Bannier).

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