+
Das Kraftwerk am Isarstausee produziert Ökostrom. Der städtische Energieversorger steht aber zunehmend stärker in der Konkurrenz. 

Beteiligungsbericht

Jod AG, Bergbahn und Ökostrom

Viel los in Tölz? Kann man nicht sagen. Schon die dritte Stadtratssitzung hintereinander, in der so gut wie nichts auf der Tagesordnung stand. Da werde das Wenige umso wichtiger, scherzte Kämmerer Hermann Forster eingangs der Sitzung. Nur wenige Zuhörer hatten sich ins Rathaus verirrt.

Bad Tölz – Dabei ist der sogenannte Beteiligungsbericht, der alle städtischen „Joint Ventures“, also Beteiligungen an privaten Unternehmen, auflistet, durchaus interessant. Zum Beispiel die 27,8 Prozent Aktienanteil der Stadt an der Jod AG, die entgegen der Ansicht vieler Tölzer keinerlei Stimmrecht und damit Einfluss auf das operative Geschäft des Unternehmens beinhalten. Der Tölzer Bürgermeister saß vier Jahrzehnte im Aufsichtsrat und wurde 1953 hinausgewählt. Auch damals schon waren sich Rathaus und Jod-AG-Führung in vielen Dingen uneins. Heutzutage ist die von der Jod AG geplante Umwandlung von touristischen Kernflächen im Badeteil zu Wohnungen der große Streitpunkt, der vermutlich vor Gericht landen wird.

Im Beteiligungsbericht war von der Auseinandersetzung nicht die Rede, sondern nur von nüchternen Fakten. Trotz Schließung von Alpamare und Jodquellenhof hat die Jod AG demnach 2016 ein Plus von rund 214 000 Euro gemacht und die Verbindlichkeiten auf 523 000 Euro zurückgeführt. Das lag laut Forster an einem Grundstücksverkauf sowie den Einkünften durch die Verpachtung des Jodquellenhofs als Asylbewerberunterkunft. Im Aufsichtsrat sitzen derzeit übrigens Klaus Fohlmeister aus Berg, Regina Hoefter aus München und Max Hoefter aus Wollerau.

Mit 20,8 Prozent ist die Stadt an der Seba-Seilbahn GmbH beteiligt, die vor 50 Jahren gegründet wurde, um die Blombergbahn zu errichten. Weitere Gesellschafter sind Hannes Zintel jun. (64,1 Prozent), die GmbH selbst (11,1) sowie die Gemeinden Wackersberg (2,7) und Heilbrunn (1,3). Das Unternehmen habe 2016 den schlechten Winter zu spüren bekommen, sagte Forster, und bei einem Umsatz von 1,2 Millionen Euro ein Betriebsergebnis von rund 46 000 Euro minus erzielt. Verbindlichkeiten existieren keine.

Die größte Beteiligung der Stadt, nämlich 100 Prozent, sind die Stadtwerke. Umsatz und Ertrag gingen gegenüber 2015 auf rund 25 Millionen beziehungsweise 543 000 Euro zurück. Man merke, sagte Forster, dass der regionale Energieversorger „stärker in Konkurrenz steht“. Das Unternehmen sei mit 58,4 Prozent Eigenkapitalquote aber „sehr gesund“ und beschäftige immerhin 69 Arbeitnehmer. Im 2016er-Bericht sind erstmals auch die mittelbaren Beteiligungen der Stadt aufgelistet: Die Stadtwerke sind Teilhaber an sechs Windparks und in mehreren Gemeinschaftsprojekten zur Energiebeschaffung, -erzeugung sowie -vertrieb engagiert. Beispiel ist die Wasserkraft Farchet GmbH, die am Loisachkanal mit anderen Gesellschaftern gerne ein kleines Kraftwerk errichten würde. Die Stadtwerke Tölz haben die Federführung bei dem Projekt.

Genannt werden im Beteiligungsbericht auch immer die 0,7 Millionen Euro, die die Stadt einst in den Bau und Betrieb der „Schnecke“ zugeschossen hat. Die GTZ GmbH mit dem Hauptgesellschafter Landkreis hat den stets defizitären Bau 2014 verkauft. Vom städtischen Geld, so Forster, „werden wir nichts mehr sehen. Das war unser finanzieller Beitrag zur Entwicklung da oben“.

Der Tölzer Kurhausverein (100 Prozent Stadt) unterhält und vermietet das Kurhaus. Das Minus von rund 35 000 Euro ist laut Forster „sehr gering“ im Vergleich zu dem, was andere Kommunen für ihre Stadthallen ausgeben. Die Kurhaus-Sanierung vor einigen Jahren schlägt heute mit Verbindlichkeiten in Höhe von rund 450.000 Euro zu Buche.

Christoph Schnitzer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Termine des Tages: Das wird wichtig am Dienstag
Termine des Tages: Das wird wichtig am Dienstag
Mehr Busse zwischen den drei Städten
Erfolg für die Grüne Jugend: Der Infrastrukturausschuss des Kreistags stimmte am Montag dafür, den Takt auf der Buslinie zwischen den drei Städten deutlich zu …
Mehr Busse zwischen den drei Städten
Gleitschirmflieger aus Penzberg stürzt am Blomberg ab - schwer verletzt
Der Penzberger (56) ist laut Polizei ein durchaus erfahrener Flieger. Trotzdem streifte sein Schirm den Windsack am Startplatz - mit fatalen Folgen.
Gleitschirmflieger aus Penzberg stürzt am Blomberg ab - schwer verletzt
Mann klaut Rucksack voll Zigaretten, läuft weg - und geht dann nochmal zurück
Der Mann ist mehrfach vorbestraft. Das hielt ihn aber nicht davon ab, einen ganzen Rucksack voll Zigaretten im Tölzer Kaufland zu stehlen. Und dann ging er nochmal …
Mann klaut Rucksack voll Zigaretten, läuft weg - und geht dann nochmal zurück

Kommentare