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Sinn durch Rhythmus: Die Percussion-Gruppe „Jant Bi“ trommelte zum Tag der offenen Tür des Vereins „Hilfe von Mensch zu Mensch“ im Tölzer Jodquellenhof.

Verein "Hilfe von Mensch zu Mensch"

Jodquellenhof: "Ein magischer Ort"

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Am Tag der offenen Tür im Tölzer Jodquellenhof trifft man Flüchtlinge, die anderen ein Vorbild sein möchten.

Trommelsound hallt aus dem Veranstaltungssaal des Jodquellenhofs. Der große Raum des altehrwürdigen ehemaligen Hotels lebt wieder auf. Denn „Jant Bi“ ist da, eine Tegernseer Percussion-Gruppe. Die Trommler stammen aus dem Senegal, die Musik gibt ihrem Leben seit Anfang des Jahres wieder Sinn. Die Asylbewerber selbst bilden den Rahmen für diesen Tag der offenen Tür des Vereins „Hilfe von Mensch zu Mensch“ (HvMzM).

Geladen hat der Verein, der im Landkreis nun seit drei Jahren maßgebliche Arbeit in der Asylsozialberatung leistet. Die Chefin ist persönlich erschienen, um das Netzwerk im Tölzer Land zu pflegen. Sadija Klepo flüchtete 1992 selbst aus dem zerbombten Sarajevo vor dem Bosnienkrieg. Die damalige Oppositionsabgeordnete packte ihre drei Kinder ein und landete in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn. Drei Monate danach dachte Klepo: „Ich will meinem Land helfen“ – und gründete „Hilfe von Mensch zu Mensch“.

Vereinsgründerin Sadija Klepo flüchtete 1992 aus Bosnien

Seit 2001 sitzt der Verein, der deutschlandweit rund 300 Menschen aus 50 Nationen beschäftigt, in München. Seine Ansprechpartner betreuen Flüchtlinge in sämtlichen Gemeinden des Landkreises. Neun Asylsozialberater und eine Praktikantin unterstützen Asylbewerber bei der Integration. Fremde Sprache, keine Wohnung, kein Job: Khaleda Amiri stand vor drei Jahren selbst vor diesen Großbaustellen. Nun gibt die Afghanin ihre Erfahrungen weiter: Seit acht Monaten ist sie als Vollzeit-Asylsozialberaterin für die Gemeinden Gaißach und Wackersberg zuständig, lebt in ihrer eigenen Tölzer Wohnung. „Die Arbeit ist schwierig, aber mir fällt sie leichter“, sagt Amiri in flüssigem Deutsch.

Wie ihre Kollegen geht sie nach dem Vereinsmotto „Hilfe zur Selbsthilfe“ vor. Abdul Waheed Yarzada, Betriebswirt aus Kabul, füllt mittlerweile in Geretsried Formulare für Asylbewerber aus oder hilft ihnen, Sprachkurse zu belegen. Der 30-Jährige ist überzeugt: „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Aber auch selbstverdientes Geld ist Yarzada sehr wichtig. „So fühle ich mich selbstständig“, sagt er.

Nicht jeder der Geflüchteten ist schon in der Lage, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, wie es sich Geschäftsführerin Klepo wünscht. „Täglicher Kontakt mit Einheimischen ist sehr wichtig“, sagt Landkreiskoordinatorin Elena Taurini. Gute Erfahrungen würden ihr vor allem aus der Arbeitswelt berichtet. Die Italienerin freut sich über den Tag der offenen Tür, „weil man endlich die Menschen trifft, die man nur vom Telefon kennt“. Dazugehören könnte Karsten Ludwig, seit 1. Oktober Asyl-Sachgebietsleiter im Landratsamt. Die Kooperation mit HvMzM funktioniere gut. „Bei aktuell rund 1850 Menschen, die betreut werden müssen, wäre etwas mehr Personal natürlich wünschenswert“, appelliert Ludwig an den Freistaat, der die Asylsozialberatungsstellen größtenteils finanziert.

Während „Jant Bi“ wieder auf die Trommeln haut, schwärmt Chefin Klepo vom Jodquellenhof als „magischem Ort“. Rund 120 Asylbewerber leben derzeit dort. Es sei schade, dass Bad Tölz das Haus als Hotel verloren hat. „Aber aus jedem Unglück erwächst ein neues Glück“, sagt Klepo. Hier könne eine Begegnungsstätte entstehen, „in der wir zeigen, wie es funktioniert“.

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