Brachten ein Stück Schweiz in die Stadtpfarrkirche: Organist Jörg Ulrich Busch (li.) und Sprecher Hans-Hinrich Dölle, der Texte von Robert Walser vortrug. Foto: epe

Jörg Ulrich Busch aus Zürich gastiert in der Stadtpfarrkirche

Orgelfesttage auf dem Gipfel

Bad Tölz - Mit einem Gastspiel von Jörg Ulrich Busch endeten nun die Tölzer Orgelfesttage 2016. Heuer standen Kompositionen aus Österreich und der Schweiz im Mittelpunkt.

Die Tölzer Orgelfesttage standen heuer unter dem Motto „Vom Prater zum Matterhorn“. Folgerichtig ist die Konzertreihe bei ihrer letzten Veranstaltung am Donnerstagabend in der Tölzer Stadtpfarrkirche in der Schweiz angekommen. Zu Gast aus Zürich waren Frauenmünster-Organist Jörg Ulrich Busch und Hans-Hinrich Dölle als Sprecher von Texten des Schweizer Autors Robert Walser.

Obwohl ein spannendes und selten zu hörendes Repertoire auf dem Programm stand, blieben leider viele Sitzplätze leer. Musikalisch eingerahmt wurde der Abend durch Werke des Schweizer Komponisten Guy Bovet (geboren 1942). Bereits das erste Stück, die „Toccata Planyavska“, entführte die Hörer mit teils sphärischen, teils perkussiven Klängen aus den harten Kirchenbänken in die Welt moderner Orgelklänge.

Busch gelang es während des gesamten Konzerts, durch gekonnte Registrierung der Tölzer Jann-Orgel überraschende, immer wieder neue Klänge zu entlocken. Werke von Fridolin Sicher und Gregor Meyer aus dem 16. Jahrhundert wurden der Moderne gegenübergestellt und wirkten trotz des großen zeitlichen Abstands eher unterstützend als kontrastierend. Der musikalische Höhepunkt, gewissermaßen das „Matterhorn“ des Abends, wie Jörg Ulrich Busch in seinen einleitenden Worten ausführte, war die „Passacaille“ von Frank Martin aus dem Jahr 1944. Ihr vielschichtiger orchestraler Klang macht verständlich, dass der Komponist den Drang hatte, das Werk später für Orchester umzuschreiben.

Durch die inzwischen gute Tradition einer Videoübertragung des Organisten auf eine Leinwand im Altarraum war es den Zuschauern möglich, dem Künstler während seines Spiels auf Finger und Füße zu sehen. Was grundsätzlich ein erfreulicher Mehrwert in einem Orgelkonzert ist, entpuppt sich jedoch auch als zusätzliche Herausforderung. Der Zuhörer wird dadurch unversehens zum Zuschauer, dem es zuweilen schwer fallen mag, den Blick vom Bild ab- und das Ohr der Musik ganz zuzuwenden.

Die Prosa Robert Walsers (1878-1956) ist gewürzt mit viel Humor und Sprachwitz, den Hans-Hinrich Dölle gekonnt herausarbeitete. Die Texte bildeten im Laufe des Abends eine verblüffende Ergänzung zur Musik. Bei den ausgewählten Werken handelte es sich fast ausschließlich um Stücke, die sich in immer schneller werdenden, teils enervierenden Rhythmen um sich selbst drehten. Sie bildeten einen Kontrapunkt zu den modernen Orgelwerken, die in ihrer kühnen Harmonik ebenfalls um sich selbst zu kreisen scheinen und den Hörer in diesen Strudel mit hineinzogen.

Die akustische Problematik der Kirche konnte leider auch durch das Mikrofon nicht ganz ausgeglichen werden. Und so war es ein Abend zum Ohren-Spitzen – sowohl bei den Texten, als auch bei der Musik.

Von Eva Pehl

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