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500 Jahre Reinheitsgebot – ein Grund zum Feiern: So sehen es die Bierbrauer (v. li.) Christoph Laschka, sein Sohn Max und Andreas Grigoleit vom Tölzer Stegbräu.  

Reinheitsgebot

Jubiläumsfeiern – alles andere als bierernst

Bad Tölz-Wolfratshausen – 500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot: Zur Feier dieses Geburtstags planen die Brauereien im Landkreis  vieles rund ums Bier.

Malz, Hopfen, Wasser – und sonst gar nichts gehört ins Bier. So ist es seit dem Georgitag 1516 im bayerischen Reinheitsgebot festgeschrieben. Das Jubiläum ist auch für die Brauereien im südlichen Landkreis ein Grund zum Feiern. Sie haben sich für heuer einiges vorgenommen.

„Dass sich das Reinheitsgebot 500 Jahre gehalten hat, das ist aller Ehren wert“, sagt Stephan Hoepfl, Geschäftsführer der Klosterbrauerei Reutberg. Die althergebrachte Vorschrift garantiere die Reinheit des Biers und helfe beim Verkauf der bayerischen Brauereiprodukte im Ausland – auch wenn das für Reutberg eher eine untergeordnete Rolle spielt. Nur etwa zwei bis drei Prozent der Erzeugnisse der Klosterbrauerei verlassen nach Hoepfls Angaben das Land.

Die Klosterbrauerei beteiligt sich laut Hoepfl an besonderen Aktionen. Schon in den kommenden Wochen liefere Reutberg Wasser ins niederbayerische Aldersbach. „Dort wird ein besonderes Bier gebraut, für das zwölf Klosterbrauereien das Wasser beisteuern“, erklärt Hoepfl. Die Reutberger Brauerei wird zudem beim Jubiläumsfestival vom 22. bis 24. Juli am Münchner Odeonsplatz vertreten sein.

Ein ganz besonderer Tag wird der „Geburtstag“ des Reinheitsgebots, also der 23. April, für den neuen Tölzer „Binderbräu“ an der Ludwigstraße. Denn dann wird in der neuen Gaststätte mit eigener Brauerei offiziell Eröffnung gefeiert – obwohl der Betrieb eigentlich schon seit 16. Dezember läuft. „Es wird sogar eine ganze Festwoche mit verschiedenen Veranstaltungen geben“, kündigt Inhaber Andreas Binder an. Erstmals zugänglich wird dann auch zumindest ein Teil des Museums im 1. Stockwerk sein, wo laut Binder „6000 Jahre Biergeschichte von den Sumerern bis heute“ dargestellt ist. Dazu plant Binder, ein „Festbier“ zu brauen.

Das Reinheitsgebot passe gut zu einer kleinen Gasthaus-Brauerei wie der seinen, meint Binder. „Wenn wir experimentieren, orientieren wir uns ja an dem, wie es früher war.“ Daher fühle er sich auch nicht durch die Beschränkung auf wenige Zutaten beschnitten. Binder räumt aber ein: „In Österreich habe ich jetzt ein Kürbiskernbier probiert, das war auch gut.“

Ein „dunkles Weißbier nach altem Rezept“: Das wird der Tölzer Stegbräu am 23. April brauen. So viel steht nach Auskunft von Christoph Laschka, der gemeinsam mit Andreas Grigoleit Besitzer der ältesten Tölzer Brauerei (gegründet 2003) ist. Nur wo und in welchem Rahmen das Bier hergestellt wird, das stehe noch nicht fest. Der Stegbräu verfügt schließlich über eine mobile Brauerei, die sogar schon in der fahrenden Achensee-Dampfzahnradbahn im Einsatz war. 500 Jahre Reinheitsgebot: Für Laschka ist das auf alle Fälle ein Grund zum Feiern: „Es ist das älteste Lebensmittelgesetz und hat schon viele Modeerscheinungen überlebt – weil es so klar und eindeutig ist.“ Der Wackersberger räumt aber auch mit einem Schmunzeln ein: „Seit es erlaubt ist, Radler in Flaschen zu verkaufen, ist das Reinheitsgebot zweitrangig geworden.“

Auch beim Tölzer Mühlfeldbräu gären gerade die Überlegungen zum Festjahr. „Wir würdigen das Jubiläum, indem wir ein besonderes Bier brauen“, erklärt Geschäftsführer Achim Bürklin. Dass eine Vorschrift 500 Jahre Bestand hat, hält Bürklin für „bemerkenswert“. Er verweist aber auch darauf, dass sich die Bedeutung des Reinheitsgebots gewandelt habe. „Vor 500 Jahren war es eine schlichte Notwendigkeit, um die Bürger vor giftigen Zutaten zu schützen.“

Mädchen-Schule braut eigenes Bier

Über solche Zusammenhänge werden demnächst auch Schülerinnen des Hohenburger Gymnasiums mehr erfahren. Dort werde zum Jubiläum nämlich ein Praxis-Seminar Bierbrauen angeboten, sagt Schulleiter Christoph Beck. „Beim Brauen spielen die Fachbereiche Biologie, Chemie, Physik, Marketing und Hygiene mit hinein“, erklärt er. Zudem werde man die historischen Hintergründe des Reinheitsgebots behandeln und den Sinn in der heutigen Zeit hinterfragen. „Es begrenzt die Brauereien in ihren Möglichkeiten“, stellt Beck fest. „Als Hobbybrauer darf man mehr ausprobieren.“ Dieses Hobby betreibt Beck privat seit Jahren. „Angefangen habe ich in der Küche, aber das hat meine Frau schon bald unterbunden.“ Seither habe er in der Garage oder auf der Terrasse weitergemacht. Und seit dem vergangenen Jahr gebe es – erstmals seit dem Abriss der alten Hohenburger Brauerei 1908 – nun offiziell wieder eine Brauerei im Schloss.

Im Praxis-Seminar werde er mit den Schülerinnen Weißbier und Stout herstellen, kündigt Beck an. Dass die Schülerinnen die Ergebnisse verkosten dürfen, dazu will Beck bei den Eltern ausdrücklich die Genehmigung einholen. „Ich vermute aber, dass vor allem die Väter Nutznießer sein werden.“

Andreas Steppan

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