Jugendgericht

Ein Joint in der Handtasche

Wegen eines Joints und eines Döschens mit 0,4 Gramm Marihuana beschäftigte eine junge Mutter (21) ein paar Wochen lang das Jugendgericht am Amtsgericht Wolfratshausen.

Bad Tölz/Wolfratshausen Nun wurde die Tölzerin, die in der Sache gleich dreimal zu Verhandlungen geladen werden musste, zu 300 Euro Geldstrafe verurteilt.

In der Nacht auf den 1. April 2016 war eine Polizeistreife wegen Ruhestörung zum Aufgang am Kalvarienberg gerufen worden. Vor Ort trafen die Beamten zwei junge Burschen an und sahen, „wie sich eine weibliche Person zügig entfernte“. Auf einer Bank am Weg war eine Handtasche zurückgeblieben. „Da diese nicht den Jungs gehörte und die Besitzerin weg war, haben wir sie mitgenommen“, erklärte ein Polizeibeamter vor Gericht. Als sie die Handtasche auf der Dienststelle genauer anschauten, fanden sie darin die Drogen sowie ein Springmesser.

Die Besitzerin wurde vorgeladen und vernommen. „Sie hat zugegeben, dass die Sachen ihr gehören. Zur Herkunft wollte sie jedoch nichts sagen“, sagte der Drogenfachmann der Polizei. Mit diesem Ergebnis habe er die Sache an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. „Für mich war das sonnenklar.“ Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage.

Mitte Februar dieses Jahres sollte verhandelt werden. Die Angeklagte erschien jedoch nicht vor Gericht. Daraufhin wurde für Mitte März ein weiterer Termin angesetzt. Da sie bei der polizeilichen Vernehmung den Besitz der Drogen eingeräumt hatte, war auf weitere Zeugen verzichtet worden.

In der Verhandlung behauptete die Beschuldigte dann aber, im Vernehmungsprotokoll falsch wiedergegeben worden zu sein. Sie habe gesagt: „Die Handtasche gehört mir und das Springmesser – aber nicht die Drogen.“ Den Joint müsse ihr jemand in die Tasche gesteckt haben. Deshalb wurde eine weitere Verhandlung nötig, in der die mit dem Fall betrauten Polizeibeamten sowie die zwei jungen Männer angehört wurden. Die beiden, ein Azubi (19) und ein Bundeswehrsoldat (23) beteuerten jedoch: „Die Handtasche hat niemand angerührt.“

Der Geschichte von zwei „Unbekannten“, die sich laut der Zeugen kurzzeitig an der Bank aufgehalten haben sollen, schenkte das Gericht keinen Glauben. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass der Joint und das Marihuana nicht ihres waren“, sagte Jugendrichter Urs Wäckerlin. Er verurteilte die Tölzerin zu 20 Tagessätzen zu je 15 Euro. rst

Rubriklistenbild: © dpa

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