Der Wunsch nach Normalität: Viele Kinder und Jugendliche leiden unter den Corona-Einschränkungen.
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Der Wunsch nach Normalität: Viele Kinder und Jugendliche leiden unter den Corona-Einschränkungen.

Kreis-Jugendausschuss bespricht schwierige Situation von Kindern

Jugendliche in der Corona-Krise: „Viele stehen kurz vorm Durchdrehen“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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„Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die leiden“, sagte Josef Birzele in der Kreis-Jugendausschusssitzung in Bad Tölz. Die Situation in der Corona-Krise sei gerade für Jugendliche schwierig. Eine Einschätzung, die seine Gremiumskollegen teilen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist ein Thema, das Josef Birzele hörbar auf der Seele lastet. „Ich sorge mich um das Wohl unserer Kinder und Jugendlichen“, sagte er am Ende der Sitzung des Kreis-Jugendausschusses mit Blick auf die Corona-Pandemie. Kinder und Jugendliche seien nicht nur Schüler. Dieses Themenfeld stehe mittlerweile ja bei vielen auf der Agenda.

Die Hoffnung ist, dass Jugendzentren bald wieder öffnen dürfen

„Aber was ist nach der Schule?“, fragte der Vertreter des Kreisjugendrings. „Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die leiden.“ Das höre er auch immer wieder in Gesprächen mit Eltern, die von Vereinsamung berichten, die aber auch Bildungssorgen quälen. Dabei könne man sich noch glücklich schätzen, dass der Landkreis „toll besetzte“ Unterstützungsangebote habe, beispielsweise die Koordinierende Kinderschutzstelle (Koki) oder auch Jugendsozialarbeiter an Schulen (JaS). Aber man müsse sich bewusst sein, dass „nicht alles wieder normal sein wird, wenn Deutschland geimpft ist“, sagte Birzele. Er sorge sich auch um die Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit. „Wer steht von ihnen noch zur Verfügung? Hier weiß man nicht viel.“ Einer seiner dringendsten Wünsche für die nahe Zukunft ist jedenfalls, dass Jugendzentren, Jugendbildungsstätten und Vereinsheime wieder öffnen dürfen.

Kreisrätin sorgt sich auch um die Eltern

Birzeles Sorgen teilt Kreisrätin Susanne Merk (FW). „Dazu mache ich mir aber auch Sorgen um die Eltern“, ergänzte sie. Berufstätigkeit, Kinderbetreuung inklusive Homeschooling und Haushalt unter einen Hut zu bringen – „das ist die Herausforderung dieser Zeit“. Nicht selten bleibe all das vor allem an den Müttern hängen, sagte Merk. Ob es denn Online-Beratungsangebote für besondere Notlagen gebe, wollte sie wissen. „Das wäre jetzt besonders wichtig.“ Die gibt es, antwortete Jugendamtsleiter Ulrich Reiner. Und das Angebot sei auch noch einmal ausgebaut worden. Zusammengefasst stehen alle Notfallnummern und Beratungsangebote auf www.familienkompass.net.

Jugendliche sehen sich mit „totaler Perspektivlosigkeit“ konfrontiert

Online-Beratung sei sicher wichtig, das allein werde das Problem aber nicht lösen, sagte Sabine Lorenz (CSU). „Viele Jugendliche stehen kurz vorm Durchdrehen“, seien konfrontiert mit einer totalen Perspektivlosigkeit. Lorenz geht davon aus, dass es einen „extremen Bedarf an Jugendsozialarbeit“ geben wird, wenn die Schulen wieder öffnen. Wie es eigentlich mit den JaS-Stellen an den Realschulen aussehe, wollte die CSU-Kreisrätin wissen.

Knackpunkt ist hier seit Jahren die Finanzierung. Denn während es für die JaS an Grund- und Mittelschulen ein staatliches Förderprogramm gibt, bleiben die Kosten für die Realschul-Stellen am Landkreis hängen. Rund 90 000 Euro sind das pro Jahr, es gibt seit 2016 jeweils eine halbe Stelle an den Realschulen in Tölz, Geretsried und Wolfratshausen. „Viel zu wenig“, sagt Lorenz.

Jugendsozialarbeit an Realschulen: Ministerium hat Förderung noch immer nicht geklärt

Bei den anderen JaS-Stellen teilen sich Freistaat, Landkreis, die jeweilige Gemeinde und ein Träger die Kosten. Auf eine ähnliche Regelung hofft der Landkreis seit Jahren auch für die Realschulen. Bislang ist es aber bei der Ankündigung des bayerischen Sozialministeriums geblieben, die Förderrichtlinien überarbeiten zu wollen. Bis hier nicht klar ist, wie es weitergeht, zögert der Landkreis, die Stellen aufzustocken. Denn die freiwillige Übernahme der Kosten könnte sich als förderschädlich erweisen. Sprich: Es ist durchaus möglich, dass eine eventuelle Förderung des Freistaats nur für neue Stellen gilt, nicht aber für bereits existierende. Und damit würde der Landkreis dann für immer auf den Kosten sitzen bleiben.

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