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Bot gute Unterhaltung: Stephan Zinner war wieder zu Gast in Tölz.

„Alexa, sog: Wo is mei Hirn?“

Stephan Zinner präsentiert in Tölz seine „Raritäten 2019“ 

Man kennt ihn vor allem aus den Rita Falk-Verfilmungen und auch als Markus Söder auf dem Singspiel am Nockerberg. Doch Stephan Zinner hat auch ein eigenes Bühnenprogramm, das sich sehen lassen kann. 

Bad Tölz – Wie der Titel „Raritäten 2019“ nahelegt, ist das Programm nicht mehr ganz neu: Seit einem Jahr tourt Stephan Zinner damit durch die Lande. Am Freitagabend präsentierte der bekannte Schauspieler und Kabarettist sein fünftes Solo-Programm auch im Tölzer Kurhaus.

Seine umwerfende Bühnenpräsenz ist bestechend, daran besteht kein Zweifel. Ganz so brillant wie in den Rollen als Ministerpräsident Markus Söder auf dem Nockherberg oder Metzger Simmerl in den Krimi-Verfilmungen nach Rita Falk kommt er im selbst verfassten Programm jedoch nicht rüber. Was keineswegs heißen soll, dass er sich mit der Vielzahl an Kabarett-Kollegen, die die Bühnen geradezu überschwemmen, nicht messen kann. Ganz im Gegenteil: Zinner kann das Publikum mit seiner unbändigen Vitalität schwindlig reden, zwischendrin hervorragend Musik machen, vokal wie instrumental, und er kann wirklich witzig sein, und zwar auf eine eher bodenständige, direkte Art, ohne allzu große intellektuelle Umwege. Ein Abend mit ihm garantiert gute Unterhaltung, keine Frage.

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Den zweiten Mann auf der Bühne, den Münchner Musiker Peter Pichler, der an diversen Instrumenten die One-Man-Band gibt, bräuchte er eigentlich nicht. Das scheint Pichler selbst ähnlich zu sehen. Immerhin verschwindet er zwischendrin mal von der Bühne oder vertieft sich in seine Lektüre, während Zinner das Wort hat. Seine Themen sind, der Titel gibt’s vor, „Raritäten“: Also Dinge, die selten werden. Wie zum Beispiel „gute Bedienungen – jedenfalls in München. Wie das bei euch hier in Tölz ist, weiß ich nicht“, sagt Zinner.

Irrfahrt im Taxi durch München 

Selten seien zum Beispiel auch engagierte Bademeister und Taxifahrer. Und flugs schließt sich die herrliche Schilderung der Irrfahrt mit einem asiatischen Taxifahrer durch München an. „Zum Isartor“, ordert Zinner. „Oh, was eingeben in Gerät?“, sinniert der Taxifahrer. Und dann geht’s los. Und zwar, wie der ortskundige Fahrgast klar erkennt, in die falsche Richtung. „Nein! Gerät immer richtig“, beruhigt der Fahrer. Allerdings nicht, wenn man Isar-Bowling statt Isartor eingegeben hat. Zinner löst das Problem auf seine bekannt-bewährt pragmatische Art: „Do bin dann i g’fahr’n…“

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Die Bienen als aussterbende Rasse – „genau wie wir hier auf der Bühne“ – bleiben nicht unerwähnt, was erkennen lässt, dass das Programm im vorigen Jahr entstanden ist. Für den Lacher, sich Zinner als den fetten, faulen Willy vorzustellen, taugt der Schlenker aber immer noch.

Und was fällt ihm zu 2020 ein? Es werde zuviel gejammert, findet der Künstler. Zum Beispiel von den Pendlern: „Man muss den Tag auch mal positiv beginnen, mit der Überzeugung ‚Heit laaft’s!’“ – lautes Gelächter.

Auf den Knien durchs Zimmer gerutscht 

Er habe ja immer schon ein Rockstar werden wollen, räumt Zinner, der nach der Schauspielschule in München ein festes Theaterengagement bei den Münchner Kammerspielen hatte, schließlich ein. Und zwar „wegen der Frauen“. Als das Thema „spannend“ wurde, sei er nämlich „etwas oversized“ gewesen und habe verzweifelt überlegt, womit er die mangelnde körperliche Attraktivität wettmachen könne.

Auf dem gerade angesagten Fernsehkanal MTV habe er sich die Inspiration geholt. Auf Knien durch sein Zimmer zu rutschen, brachte ihm allerdings weniger emphatischen Beifall als vielmehr schmerzhafte Verletzungen ein.

Söder-Persiflage nur am Rande

Dass er die Nummer mittlerweile drauf hat, konnte er am Nockherberg eindrucksvoll beweisen. Den Söder gibt er übrigens nur dort. Auf der Tölzer Bühne wartet zwar die Markus-Perücke, aber zum Einsatz kommt sie nur am Rande. Damit erfüllt Zinner die Erwartungshaltung des Publikums, ohne sich auf die „Söderei“ festlegen zu lassen. Denn viel lieber lässt Zinner das Publikum an seinen eigenen Erlebnissen teilhaben. Zum Beispiel mit den Errungenschaften der Technik wie der „bleed’n Dos’n“: „Alexa, sog: Wo is mei Hirn?“, scherzt er. 

Sabine Näher 

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