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Es wird eisig: Ab Sonntag soll eine mindestens viertägige Kaltfront Temperaturen von gefühlt bis zu minus 20 Grad in die Region bringen.

Meteorologe mahnt zur Vorsicht

Kältewelle: Fluch und Segen zugleich

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    Silke Scheder
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Arktische Kaltluft soll ab Sonntag einen drastischen Temperatursturz mit sich bringen. Für die Land- und Forstwirtschaft kann der Frost ein Segen sein. Für Mensch und Tier jedoch birgt er eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Gefühlte Temperaturen bis zu minus 20 Grad erwartet der Tölzer Meteorologe Kai Zorn ab Sonntag für einige Alpentäler in der Region. Nachts und in den frühen Morgenstunden könne die Kälte wegen des scharfen Nordostwinds noch beißender werden – gefühlt bis minus 25 Grad. „Mit normalem Winterwetter hat das nichts zu tun“, betont Zorn. Dafür seien Ausmaß, Dauer und Zeitpunkt zu ungewöhnlich.

Der Experte bei „wetter.com“ warnt davor, die drohende Kaltfront zu unterschätzen, zumal der Sonnenschein schnell darüber hinwegtäuschen könne, wie eisig es wirklich sei. „Es drohen Erfrierungen“, warnt Zorn. Der Meteorologe rät dazu, sich extrem warm anzuziehen, Kinder und Tiere nicht zu lange im Freien zu lassen und Frostschutzmittel fürs Auto am besten unverdünnt zu verwenden. Besonders gefährlich sei der Dauerfrost für Obdachlose. Ihren Höhepunkt sollen die Eistage nämlich erst am Mittwoch erreichen – so lange könne niemand der Kälte trotzen.

Obdachlosen-Unterkunft schon jetzt überfüllt

Schon jetzt ist die Tölzer Obdachlosen-Unterkunft völlig überfüllt, wie Caritas-Mitarbeiterin Elisabeth Friedrich berichtet. Aktuell seien neun Menschen im Haus Sankt Jakobus untergebracht – „obwohl dort eigentlich nur fünf Platz haben. Aber man kann die Leute ja nicht auf der Straße lassen“. Andere Obdachlose betrinken sich laut Friedrich gezielt, um für eine Nacht in der Ausnüchterungszelle Wärme zu finden.

Die Waldbesitzer begrüßen die Kälte eher. „Quasi jeder, der eine Motorsäge tragen kann, ist im Einsatz“, sagt Alexander Mayr. Als Einsatzleiter der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen ist er auch im Tölzer Land unterwegs. Der gefrorene Boden ermögliche es, das Holz mit schweren Fahrzeugen aus dem Wald zu bringen. Bei milderen Temperaturen würden Traktoren und Rüttelzüge dagegen große Schäden am Boden anrichten. Weil es zuletzt länger wärmer war, „haben wir sechs Wochen verloren. Der Druck ist groß“, sagt Mayr. Extreme Kälte habe aber auch Nachteile: Mayr denkt an „die Leute, die draußen arbeiten müssen“. Aber auch die Maschinen würden leiden. „Metall kann brüchig werden oder der Diesel im Tank gefrieren.“

Solche Probleme kennt auch Peter Fichtner. „Gerade die Technik ist anfällig bei Frost“, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. So könnten schon wenige Tropfen Kondenswasser eine Melkanlage blockieren. Fichtner spielt auf Vakuumpumpen an, die nicht mehr funktionieren. Aber auch auf feine Ventile, die das Wasser nicht mehr in die Tränkebecken der Kühe lassen.

Ackerbau profitiert vom Frost

Der Ackerbau hingegen, sagt Fichtner, sei auf Temperaturen unter dem Gefrierpunkt angewiesen. Der Frost schaffe eine feinkörnige Krümelstruktur, die man sonst mechanisch herstellen müsste. Er sprenge den Boden auf, mache ihn wieder bereit für die Nährstoffaufnahme und repariere Strukturschäden. „Wenn es wieder wärmer wird, fällt der Humus wunderbar auseinander.“

Schäden richtet der Frost dagegen an, wenn Wasser in Straßenrisse sickert und anschließend gefriert. Damit rechnet Florian Schallhammer, Chef des Tölzer Betriebshofs, in den kommenden Tagen. Trotzdem haben er und seine Mitarbeiter aktuell einen relativ entspannten Job. „Wir müssen nur streuen. Wir brauchen viel Salz, aber es gibt keine Engpässe.“

Wie die Angestellten des Betriebshofs verbringen auch die 21 Kinder des Waldkindergartens in Wackersberg ganze Vormittage in der Kälte. Am Freitag besuchten sie zum Beispiel einen Hof, um Alpakas zu füttern. Eltern sollten ihren Nachwuchs mit mehreren Schichten anziehen und mit Fettcreme einreiben, sagt Erzieherin Stefanie Knott. Damit niemand friert, setzt sie auf Bewegungsspiele und Wärmequellen. Schlittenfahren und Lagerfeuermachen gehören zum Alltag wie der wärmende Tee in den Händen. Knott: „Und bei eisigem Wind mit Schnee haben wir ja auch unseren beheizten Zirkuswagen.“

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