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Die Kalligrafin Birgit Haas-Heinrich stellt im Kunstsalon aus. 

Kalligrafie-Künstlerin Birgit Haas-Heinrich stellt aus 

Poetisch, politisch und persönlich

Im Tölzer Kunstsalon hat sich mit der aktuellen Ausstellung eine große Vielfalt ausgebreitet. Die Tölzer Kalligrafin Birgit Haas-Heinrich hat mit ihrer Werkschau „Zeichen setzen“ unterschiedliche Themen aufgenommen. Die Ausstellung ist poetisch, politisch und persönlich.

Bad Tölz An der Kunst der Kalligrafie, des Schönschreibens, erfreut sich das Auge. So begeistert jedes kleine und große Format auf den ersten Blick mit Ästhetik.

Beim Lesen der von Meisterhand gesetzten Buchstaben und Worte setzt aber unweigerlich der Denkprozess ein, denn Haas-Heinrich geht es stets um mehr als nur um schöne Buchstaben. Sie hat Zitate oder Gedichte von Persönlichkeiten künstlerisch gestaltet, etwa von Truman Capote oder Nelson Mandela. Ist bei einem Denkspruch kein Autor angegeben, steckt die Künstlerin selbst dahinter, etwa im kleinen Werk, das auf der Fensterbank steht: „Kunst zwingt den Kopf anders zu denken.“ Erst die Werkliste entschlüsselt den Titel, der nicht einfach so zu lesen ist. „Mir geht es um die Schrift als Instrument zur Verdeutlichung, um ein Statement“, erklärte Haas-Heinrich bei der Vernissage, zu der gut zwei Dutzend Gäste gekommen waren. Sie möchte bewusst „Zeichen setzen“ mit ihren knapp 40 Werken.

Politisch wird es beim Titel „Wahrheit“ oder „Fracking“. Das Statement der Industrie („ein technisches Verfahren“) und der Umweltverbände („stellt Risiko für Mensch und Natur dar“) stellte Haas-Heinrich einander in roter Schrift gegenüber, das Wort „Wahrheit“ platzt sozusagen mit weißen Buchstaben dazwischen. „Was ist die Wahrheit bei diesem Thema?“, fragte sie bei der Erklärung ihres Gedankengangs.

Auf Papier und Leinwand schreibt Haas-Heinrich ihre Zeichen, die Schreibwerkzeuge nennt sie aber „unerschöpflich“. Ihre Arbeitsweise lässt sie erkennen im Leporello „Hallo Afrika“. Übungs- und Schmierblätter mit schwarzen Fahrern und Schriftzeilen klebte sie aneinander. Dazwischen steht in roter Schrift: „Hallo Afrika, ich würde ja spenden, geh bestimmt gleich zur Bank, doch ich muss noch zuerst mein 2. Schnitzel essen und das Brot von gestern wegwerfen.“

Neben diesem Denkanstoß zum Konsum findet sich auch sehr Sanftmütiges. Poesie und Kalligrafie vereinte die Künstlerin eindrucksvoll filigran im Werk „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ von Rainer Maria Rilke. Schrift stellt eine Figur oder ein Kleid dar, und zu einem Kreis gezogen wird die Verszeile zu einer Blüte aus weißen Blättern. Anregende Gespräche mit der Künstlerin sind jederzeit möglich, denn Haas Heinrich ist zu den Öffnungszeiten anwesend.

Die Ausstellung „Zeichen setzen“ im Tölzer Kunstsalon, Marktstraße 6, ist bis Sonntag, 16. September 2018, zu sehen – jeweils Freitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr. (bib)

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