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Mangel an Bewerbern

Kampf um die besten Fachkräfte

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Die Industrie- und Handelskammer schlägt Alarm: Bis zum Jahr 2030 werden allein im Oberland 12 000 Fachkräfte fehlen, prophezeit der Verband. Die Betriebe spüren diesen Trend schon jetzt – und lassen sich einiges einfallen, um ihm entgegenzuwirken.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Hannes Schwarz, Personalleiter bei der Tyczka Totalgaz GmbH in Geretsried, kann sich nicht über einen Mangel an Bewerbern beklagen: „Wenn wir Stellen ausschreiben, erhalten wir mehr als genug Bewerbungen“, sagt der Personalleiter. „80 bis 100 sind Standard – so wie man es von früher kennt.“ Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Richtig zäh ist die Suche vor allem in Bereichen, in denen Tyczka Totalgaz keine Ausbildung anbieten kann: „Wir sind da angewiesen auf Leute, die zum Beispiel eine Ausbildung zum Heizungsbauer absolviert haben. Wenn aber ein Heizungsbauer jemanden gefunden hat, gibt er ihn nur ungern wieder her.“

Ganz ähnlich ist die Situation bei der Dorst Technologies GmbH in Kochel. In den Bereichen, in denen die Firma selbst ausbilden kann, sieht es mit Bewerbern blendend aus. Dorst hat beispielsweise noch nie Schwierigkeiten gehabt, ausreichend Elektroniker und Mechatroniker zu finden. Problematisch sind auch bei Dorst die Bereiche, in denen die Firma nicht selbst ausbildet: „Bei den Software-Entwicklern kann man von einem dramatischen Fachkräfte-Mangel sprechen“, sagt Personalleiterin Veronika Jocher. „Leute, die Programme schreiben können, sucht ganz Deutschland.“ Ebenso sucht Dorst nach Organisations-Spezialisten: „Da brauchen wir nicht nur Berufseinsteiger, sondern erfahrene Leute.“

Für die Lenggrieser Metzgerei Weber lief die Personalsuche erfolgreich, drei Lehrlinge stellte der Betrieb zuletzt ein. „Es hapert aber beim Verkauf“, sagt Inhaber Karl Weber. Warum ist es für die Metzgerei so schwer, geeignete Bewerber zu finden? Webers These: „Ich glaube, bei vielen jungen Leuten mangelt es an Kontaktfreudigkeit und Aufgeschlossenheit.“ Hinzu komme ein Image-Problem. Junge Leute müssten sich Fragen gefallen lassen wie: „Du hast doch die Realschule absolviert. Warum willst du nur ein paar Radeln Wurst verkaufen?“ Nach Ansicht von Weber ein krasses Missverständnis: „Wir machen Partyservice, legen Platten und kümmern uns um die Dekoration. Das ist der beste und schönste Beruf überhaupt.“

Welche Möglichkeiten gibt es, Fachkräfte und Azubis anzulocken? „Um sehr gutes Personal zu kriegen, muss man übertariflich zahlen“, sagt Weber. Damit ist es aber nicht getan: „Wir bieten Familienanschluss, gute und nette Führung.“ Nicht zuletzt präsentiert sich die Metzgerei bei Ferienpass-Aktionen und Berufs-Infotagen in Schulklassen. „Wenn wir da unser Fingerfood und unsere Feinkost zeigen, sind die Leute begeistert“, sagt Weber.

Auch die Wolfratshauser Firma Eagle Burgmann nutzt verschiedene Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen, etwa den Girls Day: „Der Mädchen-Zukunftstag ist eine hervorragende Möglichkeit, frühzeitig Kontakt mit jungen Frauen zu knüpfen und sie für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern“, sagt Martina Steuer, verantwortlich für Personal- und Organisationsentwicklung bei Eagle Burgmann.

Darüber hinaus hält die Firma Kontakt zu Hochschulen, beispielsweise zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Steuer: „Dort machen wir jährlich zwei Maschinenbaustudenten für den anschließenden Einsatz fit.“

„Das duale Studium ist ein geeignetes Mittel, um dem Fachkräfte-Mangel entgegenzuwirken“, bestätigt auch Walter Bittner, Personalleiter bei Rudolf Chemie in Geretsried. „Wir bilden in fünf bis sieben Berufen gleichzeitig junge Leute aus.“

Tyczka Totalgaz achtet auf die Pflege des Arbeitgeber-Images: „Wir haben wiederholt Auszeichnungen bekommen“, sagt Hannes Schwarz. „Das hilft uns in unserer Stellung als regional verwurzelter Arbeitgeber.“

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