Vier Covid-Patienten werden derzeit (Stand: Freitag, 16. April) auf der Intensivstation in der Asklepios-Stadtklinik versorgt. Zehn an Corona Erkrankte sind insgesamt in der Tölzer Klinik.
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Vier Covid-Patienten werden derzeit auf der Intensivstation in der Asklepios-Stadtklinik versorgt. Zehn an Corona Erkrankte sind insgesamt in der Tölzer Klinik.

Corona-Situation

Kapazität in Krankenhäusern im Landkreis „erheblich, aber nicht unendlich“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Covid-Situation in ihren Häusern sei aktuell zu bewältigen, erklären Vertreter der beiden Krankenhäuser in Wolfratshausen und Bad Tölz. Es fallen aber auch die Begriffe „große Sorge“ und „große Vorsicht ist geboten“.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Mit der Behandlung von Corona-Infizierten haben die Kliniken im Landkreis mittlerweile Erfahrung. 290 Covid-Patienten hat die Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz seit Beginn der Pandemie stationär behandelt, davon 50 intensivmedizinisch, wie Dr. Martin Schlott, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin, erklärt. Auch Ingo Kühn, Geschäftsführer der Kreisklinik Wolfratshausen stellt fest, dass sein Behandlungsteam „deutlich geübter und routinierter im Umgang mit Covid-19-Patienten sei als zu Beginn der Corona-Krise. Dennoch: Die Situation verändert sich immer wieder, neue Herausforderungen kommen hinzu.

„Wir sind fokussiert und auf einen weiteren Anstieg von stationären Covid-19-Fällen vorbereitet“, erklärt Dr. Schlott zur aktuellen Lage. In der Asklepios-Stadtklinik werden ihm zufolge derzeit zehn Covid-Patienten stationär versorgt, vier davon auf der Intensivstation (Stand: Freitga, 16. April). Insgesamt seien 90 Prozent der Intensivbetten der Asklepios-Klinik belegt.

Auf der Intensivstation der Kreisklinik liegt laut Kühn zurzeit nur ein Covid-Patient. Dieser werde beatmet. Kühn berichtet jedoch gleichzeitig von einem „deutlichen Anstieg schwerstkranker Nicht-Covid-Patienten, welche intensivmedizinisch behandelt werden müssen“. Aufgrund dieser Umstände sei die Belastung für das gesamte Behandlungsteam „enorm gestiegen“, sagt Ingo Kühn und dankt allen Mitarbeitern, „die sich täglich um unsere Patienten bemühen, insbesondere auf der Intensivstation, und vollen Einsatz zeigen“.

So ist die Situation im Oberland

Was die Auslastung der Intensivstationen angeht, sind regional nicht ausschließlich die beiden relativ kleinen Kliniken in Bad Tölz und Wolfratshausen in den Blick zu nehmen, sondern der ganze Bereich des Rettungdienst-Verbunds Oberland, zu dem auch die Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen gehören. Daher betont Dr. Schlott: Es könne zwar punktuell vorkommen, dass die Intensivbetten einer einzelnen Klinik voll belegt sind. Im Oberland mit seinen sieben Akutkliniken und insgesamt etwa 110 Intensivbetten stünden aber weiterhin ausreichende Kapazitäten zur Verfügung.

Die Intensivkapazitäten im Oberland seien zwar „erheblich, aber nicht unendlich“, sagt unterdessen Kühn. Auch aufs ganze Oberland betrachtet würden die Intensivbetten derzeit knapp. „Dies betrachten wir mit großer Sorge“, so der Kreisklinik-Chef. „Zustände wie in Italien im letzten Jahr wollen wir nicht erleben. Wie haben daher die große Hoffnung, dass das Impftempo beschleunigt werden kann und der Verlauf der Pandemie besser zu bewältigen ist.“ Auch Dr. Schlott mahnt, es sei „große Vorsicht geboten“: Es sei „von zentraler Bedeutung, dass die geltenden Kontaktbeschränkungen und die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden“.

Situation anders als in 2020

Übereinstimmend berichten die beiden Klinik-Vertreter, dass sich die aktuelle Situation von denen im Frühjahr 2020 oder während der zweiten Welle ab November unterscheide. „Wir erleben mehr Schwerkranke im Verhältnis zu allen Erkrankten“, so Dr. Schlott. Mussten in der ersten Welle rund 25 Prozent der Patienten, die wegen Corona ins Tölzer Krankenhaus kamen, intensivmedizinisch behandelt werden, sei es jetzt jeder zweite. Die Covid-Patienten mit schweren Verläufen seien jetzt im Schnitt Mitte 60 und jünger. „In der ersten und zweiten Welle lag der Altersdurchschnitt noch etwa zehn Jahre höher“, erklärt Schlott.

Ihre Behandlungsdauer auf der Intensivstation habe sich von durchschnittlich drei auf fünf Wochen erhöht. Bei den stationär aufgenommenen Patienten liege meist zusätzlich zur Corona-Infektion eine Grunderkrankung wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, eine chronische Lungenerkrankung oder Adipositas vor.

„Zur Aufnahme auf die Intensivstation führt im Regelfall Atemnot mit erhöhter Atemfrequenz“, sagt der Chefarzt. „Dabei steht ein Sauerstoffmangel im Blut im Vordergrund. Oft zeigen sich zu diesem Zeitpunkt im Röntgen/CT bereits Entzündungsquellen im Lungengewebe.“ Kühn bestätigt die Tendenz, dass die Covid-Patienten jünger und länger auf eine intensivmedizinische Therapie angewiesen seien. „Haben wird früher im gleichen Zeitraum zwei Patienten versorgt, ist es heute einer.“

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Fahren die Kliniken bereits andere Behandlungen zurück, um Kapazitäten für Covid-Patienten freizuhalten? „Nein“, antwortet Dr. Schlott von der Tölzer Klinik. „Wir bieten weiterhin unser komplettes Behandlungsspektrum an.“ In Wolfratshausen hingegen werden laut Kühn „nur noch planbare Eingriffe vorgenommen, die im Regelfall keinen Aufenthalt auf einer Intensivstation nach sich ziehen“. Weitere Verschiebungen von „elektiven Eingriffen“ seien nicht nötig – auch weil sich die allgemeine Krankenhausbelegung seit Beginn der Covid-Krise ohnehin bereits um zirka 20 Prozent verringert habe.

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