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Der Schut springt in den Tod: Titelbild von Claus Bergen für einen der Orient-Bände. Der später in Lenggries lebende Künstler illustrierte ab 1907 zahlreiche Karl-May-Ausgaben.

Zum 175. Geburtstag

Karl May, seine Beziehung zu Bad Tölz und ein Betrug

Die Geschichte ist immer wieder gut zu erzählen: 1899 haute die „Frankfurter Zeitung“ Karl May in die Pfanne, weil er Urlaub in Tölz mache, anstatt im Orient zu weilen. Beleg: Ein gefälschter Fremdenbucheintrag. Karl May, der seine Abenteuer erfunden hat und dessen 175. Geburtstag an diesem Samstag gefeiert wird, war aber tatsächlich auf Reisen. In Tölz logierte ein Doppelgänger.

Bad Tölz – Es ist nie geklärt worden, wer der Mann war, der sich unter dem Datum 31. März 1899 im „Bürgerbräu“ (heutiges Stadtmuseum) einquartierte und ziemlich vollmundig ins Fremdenbuch schrieb: „Karl May, alias Old Shatterhand, Wohnort: Oberlößnitz b. Dresden, Stand: allbekannt.“ Karl May war es jedenfalls nicht. Der Volksschriftsteller befand sich damals tatsächlich in Lugano und schiffte sich von dort aus am 6. April nach Kairo ein.

Der Doppelgänger löste Monate später einen veritablen Skandal aus. Und das kam so: Die „Frankfurter Zeitung“ berichtete im April 1899, dass Karl May die fernen Länder, die er in seinen Abenteuerromanen beschrieb, nie gesehen habe. Andere Zeitungen übernahmen die – durchaus richtige – Behauptung. Eine Zeitungsleserin kam nach Bad Tölz und las hier den Tölzer Kurier, der ausgerechnet in dieser Ausgabe die Juni-Fremdenliste abdruckte und – deutlich verspätet – die Anwesenheit von Karl May vermeldete. Dies erfuhr auch die „Frankfurter Zeitung“. Sie ließ sich den Fremdenbucheintrag von den Tölzer Bürgerbräu-Besitzern telegrafisch bestätigen und legte dann erst richtig los: „Sollte der Araber-Stamm der Haddedihn, mit welchem Karl May befreundet ist, am Ende gar in Oberbayern hausen?“ fragte Redakteur Fedor Mamroth. Das schlug Wellen.

Blau unterstrichen: In der Fremdenliste des Tölzer Kurier vom Juni 1899 wird verspätet und irrtümlich die Anwesenheit des berühmten Schriftstellers vermerkt. May besuchte Tölz erst 1902 – inkognito.

Während May noch in Beirut war, fuhr seine Frau Emma Mitte Juli 1899 nach Tölz, um sich im „Bürgerbräu“ das Fremdenbuch zeigen zu lassen. Sie erbat sich die Seite mit der gefälschten Unterschrift Mays und schickte sie einem Dresdner Rechtsanwalt, der schließlich eine Richtigstellung in der „Frankfurter Zeitung“ erzwang.

Karl May: Der Volksschriftsteller, vor 175 Jahren geboren, besuchte 1902 Bad Tölz. 

Auffällig war an dem falschen Eintrag im Fremdenbuch nämlich auch, dass er zwischen zwei Juni-Ankünften eingefügt war. Das könnte auch den fehlerhaften Eintrag in der Juni-Fremdenliste des Tölzer Kurier zur Folge gehabt haben. Auch dieses Detail deutet auf ein abgekartetes Spiel hin, das trotz der Berichtigung Karl Mays Ruf schwer schadete.

Karl May besuchte Tölz auch einmal persönlich. 1902 war er mit seiner zweiten Frau Klara inkognito hier und ließ sich mit der Kutsche zum Achensee fahren. Dem Kutscher Josef Hölzl schärfte er ein: „Verraten Sie ja nirgends meinen Namen!“ Hölzl tat dies bis zum Tode Mays 1912 nicht. 1937 beschrieb er im Tölzer Kurier die legendäre Kutschfahrt an den Achensee und schwärmte von seinem äußerst spendablen Fahrgast: „Goldstückln hat der Mann ghabt, alle Taschen voll Goldstückln.“ Drei Jahre später, so erzählte Hölzl 1937, habe ihn die Gendarmerie verständigt, dass er in einem Prozess in Berlin zum Achensee-Aufenthalt Mays aussagen solle. Dazu sei es aber nie gekommen.

Es gibt eine weitere weitgehend vergessene Beziehung Mays in den Isarwinkel: den Maler Claus Bergen, der 1964 in Lenggries starb. Bergen ist vor allem als Marinemaler auch heute noch bekannt. Seine Karriere begann er aber noch zu Lebzeiten des Autors 1907 als Karl-May-Illustrator für die Fehsenfeld-Ausgaben. Christoph Schnitzer

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