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20. November 2011: Der Wald am Schwarzberg/Falkenberg brennt. Die Löscharbeiten dauern sechs Tage.

Katastrophenschutz

Wenn es ernst wird: Landkreis auf K-Fall vorbereitet

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein Großbrand, ein Flugzeugabsturz, Hochwasser, wochenlanger Stromausfall oder ein Terrorakt. Wer übernimmt eigentlich im Ernstfall das Kommando? Wer koordiniert Helfer und Hilfe? Zu Besuch beim Katastrophenschutz im Landratsamt.

Vorneweg: Beim Amoklauf vor gut einer Woche in München funktionierte die überregionale Zusammenarbeit über die Integrierten Leitstellen München und Weilheim. Das Tölzer Landratsamt und das Sachgebiet Katastrophenschutz waren informiert, hatten aber keine aktive Rolle. Im Kriegsfall oder etwa bei einem Atomunfall würden überregionale Führungsstäbe die Koordinierung übernehmen.

Erinnerung an den Krieg: Im Landratsamt werden sogar noch Bezugskarten für Lebensmittel und Benzin vorgehalten. Ob sie je gebraucht werden, ist fraglich.

Das Landratsamt wäre trotzdem Teil des Systems: In den bestens gesicherten Räumen im Keller der früheren Kaserne stehen Regale voll mit vor Jahrzehnten gedruckten Benzin- und Lebensmittelkarten. „Jetzt ist das nur ein Haufen Papier, im Ernstfall wäre das ein Vermögen wert“, erklärt Alexander Bauer, der mit Sachgebietsleiter Toni Stowasser das Sachgebiet Katastrophenschutz führt. Die Vorsichtsmaßnahme stammt noch aus Zeiten des Kalten Krieges.

„Katastrophenschutz definiert sich heute aber ganz anders“, sagt Stowasser. „Es geht um Vorbereitung und Abwicklung eines großes Schadensereignisses oder des sogenannten „K-Falls“. Die Unterscheidung ist von zentraler Bedeutung. Sie entscheidet, wer die oft hohen Kosten eines Einsatzes trägt.

Teurer Einsatz: Wenn private Helikopter zum Einsatz kommen, kostet das viel Geld. Im K-Fall zahlen Landkreis und Katastrophenschutz-Fonds. 

Am Fall des Waldbrandes am Falkenberg – letzter K-Fall anno 2011 – erklären Stowasser und Bauer den Ablauf eines Schadensgroßereignisses. An einem Sonntag gegen 15 Uhr entdeckte ein Passant Rauch über der Waldfläche am Sylvensteinsee. Der Anruf bei der Leitstelle setzte einen exakt definierten Alarmierungsplan „B-Wald“ (Brand Wald) in Bewegung. Darin festgehalten: zum Beispiel Rettungsdienste, die Zahl der Männer, die Einsatzmittel und die erforderliche Menge Löschwasser. Die Führung am Einsatzort hatte wie immer zunächst der Kommandant der Ortsfeuerwehr, der die Koordinierung aller Maßnahmen aber an Kreisbrandrat Karl Murböck abgab. Dem war schon bei der Fahrt nach Fall klar gewesen, erzählt Stowasser, dass da Hubschrauber und überregionale Unterstützung nötig werden. Vor Ort machte er also von seinem Recht Gebrauch, die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) zu übernehmen. Damit ist er automatisch Chef aller beteiligten Rettungsorganisationen – außer der Polizei. Es ist aber noch kein K-Fall, sondern „nur“ eine Sicherheitsstörung. Der Großteil der Kosten muss in so einem Fall von der zuständigen Gemeinde übernommen werden. Teure Hubschraubereinsätze mit 5000-Liter-Tanks sind nicht jeden Bürgermeisters Freude, wissen Stowasser und Bauer zu berichten.

Der Örtliche Einsatzleiter – im Landkreis haben nur vier Personen die Qualifikation – arbeitet eng mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) im Landratsamt zusammen, die die Logistik im Hintergrund managt. Etwa einen Anruf im Wiener Innenministerium, ob österreichische Polizeihubschrauber Hilfe leisten könnten.

Der Waldbrand Falkenberg entwickelte sich so, dass die Kriterien eines K-Falls erfüllt waren: Gefährdung erheblicher Sachwerte, natürlicher Grundlagen (hier Schutzwald) oder Menschenleben. Die FüGK beschloss den Ernstfall. Um 18.06 Uhr, Bauer erinnert sich genau, rief Landrat Josef Niedermaier den K-Fall aus.

Das änderte die Rechtslage noch einmal fundamental. Nun hatte der ÖEL vor Ort auch Weisungsbefugnis gegenüber der Polizei und es konnten zu den kostenlosen Polizeihubschraubern auch schwere Bundeswehr-Helikopter mit Großtanks geordert werden. Letzteres war am Sonntag nicht ganz einfach. Aber so wie zu den Rettungsorganisationen (Rotes, Kreuz, Wasserwacht, Bergwacht THW) hat der Katastrophenschutz im Landratsamt auch hier einen Notfall-Ansprechpartner. Es gibt in jedem Landkreis ein Kreisverbindungskommando Bundeswehr, bestehend aus Reserveoffizieren. Das Wichtigste: Im K-Fall zahlt die Kreisbehörde zunächst alle Kosten. Beim Großbrand Falkenberg waren das etwa durch Hubschrauberflüge, Verpflegung und Lohnfortzahlung rund 130 000 Euro. Davon konnte sich das Landratsamt aber 70 Prozent vom Katastrophenschutz-Fonds zurückholen. Heute wären es sogar 80 Prozent.

Christoph Schnitzer

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