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Bleibt vorerst, wie es ist: Das „Kaufland“ in der Lenggrieser Straße. Die Neubaupläne wurden wegen einer langen Mängelliste von der Stadt abgelehnt.

Bauausschuss

Kaufland-Baupläne fallen durch

Der Neubau des „Kauflands“ an der Lenggrieser Straße (wir berichteten) wird sich wohl erheblich verzögern. Die Pläne wurden im Tölzer Bauausschuss wegen massiver Bedenken einstimmig abgelehnt.

Bad Tölz– „Jetzt wird’s ein bisschen großflächiger“, kündigte Stadtbaumeister Hannes Strunz den Bauantrag der „Kaufland“-Planer an. Auf dem fast 1,4 Hektar großen Areal an der Lenggrieser Straße steht der Supermarkt, der 1972 als „Krone Center“ eröffnet wurde. Mangelhafter Brandschutz und Gebäudetechnik machen Sanierung oder Neubau nötig, so Bauamtsleiter Christian Fürstberger.

Das Unternehmen aus Neckarsulm legte nun Pläne vor, nach denen auf einer Grundfläche von rund 6100 Quadratmetern ein neues Gebäude mit Flachdach entstehen soll. Die Gesamtverkaufsfläche würde sich mit rund 4000 Quadratmetern gegenüber dem Ist-Zustand sogar geringfügig verringern. Es gäbe im neuen „Kaufland“ aber keine zusätzlichen Geschäfte mehr. Nachzuweisen wären für den Neubau 274 Stellplätze, eine Forderung, die beim Bau des Supermarktes 1972 noch keine Rolle spielte. Die Parkplätze weist „Kaufland“ gerade so nach, indem faktisch das ganze Areal zwei Meter abgesenkt würde. Ein Teil der Stellflächen wären also im Freien, ein Teil unter dem Supermarkt, beide jeweils über Rampen anfahrbar.

Hintergrund: Eine Erhöhung des Gebäudes lehnt die Stadt ab, damit die Nachbarn „nicht auf eine Wand schauen müssen“. Auch sieht der Bebauungsplan keine Erhöhung vor. „Kaufland“ könnte zwar eine Änderung beantragen, müsste dann aber damit rechnen, dass die Gesamtverkaufsfläche des Supermarkts aus landesplanerischen Zielen deutlich heruntergeschraubt würde. Das will „Kaufland“ vermeiden und geht mit seinem Neubau in die Tiefe.

Dabei ergeben sich gleich mehrere massive Probleme, wie Strunz erläuterte: So nahe an der Isar müssen sowohl Supermarkt als auch Parkplätze in eine grundwassersichere Betonwanne gestellt werden. Das sei enorm kostenaufwändig, erklärte der Stadtbaumeister. Damit diese „Riesenbadewanne“, wie sie Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) spöttisch nannte, nicht vom Wasser nach oben gedrückt wird, muss die Bodenplatte mit 366 Bohrpfählen – jeder acht Meter lang – „angehängt“ und so gesichert werden. Strunz: „Das ist sicher nicht billig.“

Es ergebe sich dadurch zudem die Problematik, dass die Häuser der Nachbarschaft durch geänderte Grundwasserströme betroffen sein könnten. Strunz: „Das haben wir im Badeteil ja auch.“ Außerdem: „Was passiert bei einem Platzregen?“, fragte Strunz. Margot Kirste (FWG) gab die Antwort: Da laufe die Wanne dann voll und müsse mit vielen Pumpen entwässert werden. Das viele Geld solle doch bitteschön statt in „Klein-Venedig“ besser in die Gestaltung des Baukörpers gesteckt werden.

Es gibt viele weitere Schwierigkeiten bei dem Bauvorhaben. Das Maß der baulichen Nutzung, die sogenannte GRZ, würde mit 0,86 deutlich überschritten. Erlaubt ist laut Baunutzungsverordnung, dass 80 Prozent der Grundfläche (also eine GRZ von 0,8) mit Gebäude und Nebenanlagen wie Parkplätzen und Anlieferflächen bebaut sein dürfen.

Ein Knackpunkt wäre auch die Verkehrserschließung. Die Stadt würde sich einen Kreisverkehr vorstellen, um auch die Fußgängerströme besser zu regeln. Das wiederum würde aber wieder dringend benötigte Stellplätze kosten.

Der Bauausschuss lehnte den Bauantrag schließlich wegen der „langen Mängelliste“ (Josef Steigenberger, CSU) einstimmig ab. Und Fürstberger mutmaßte, dass man für so ein „Riesenbauvorhaben vielleicht doch noch abwarten muss“. Der Bauamtsleiter gab auch noch eine Antwort auf die im Raum stehende Frage, warum sich „Kaufland“ nicht auf die benachbarten Flächen ausweitet. Da gebe es Erbrechtsprobleme, deren Klärung möglicherweise noch viele Jahre dauere.

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