ICE aus Deutschland in Basel entgleist

ICE aus Deutschland in Basel entgleist
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Schwört auf Globuli und Co.: Der Apotheker Josef Blickenberger hat in der Alten und Neuen Hof-Apotheke in Bad Tölz eigene Homöopathie-Räume eingerichtet. Sein Credo: „Wer heilt, hat recht.“ 

Diskussion über Alternativmedizin

Kein Homöopathie-Bann: Darum schwören Apotheker in der Region auf Globuli und Co.

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Eine Weilheimer Pharmazeutin empfiehlt keine Homöopathie mehr, sondern nur noch Mittel, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Apotheker im hiesigen Landkreis können das nicht verstehen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Josef Blickenberger klingt beinahe traurig. „Das ist wirklich sehr schade.“ Dass in der Weilheimer Bahnhofsapotheke homöopathische Präparate nur noch auf gezielte Nachfrage und nicht mehr sichtbar im Laden verkauft werden, kann der 58-jährige Inhaber der Alten und Neuen Hof-Apotheke in Bad Tölz nicht nachvollziehen. Im Apotheken-Stammhaus an der Marktstraße sei Homöopathie schon immer ein „wichtiges Thema“. Mittlerweile gibt es in beiden Läden eigene Homöopathie-Räume, in denen individuelle Beratungsgespräche durchgeführt werden.

Blickenberger beruft sich auf einen Satz, den Homöopathie-Anhänger nicht nur in der aktuellen Diskussion um die Wirksamkeit von Globuli und Co. oft verwenden: „Wer heilt, hat recht.“ Er sagt: „Die Schulmedizin gibt es erst 50 bis 100 Jahre. Homöopathie dagegen verzeichnet seit Jahrhunderten Erfolge.“ Damit meint er die Erfahrungswerte. Natürlich seien nur „banale Beschwerden“ wie Schnupfen homöopathisch heilbar, niemals schwere Erkrankungen wie Krebs. Der Pharmazeut betont: „Es ist wichtig, eine sehr deutliche Grenze zu ziehen.“ Die verdünnten Mittel helfen laut Blickenberger oft unterstützend, bei einigen Beschwerden wie beispielsweise Mücken- oder Bienenstichen auch gänzlich.

Dass die angebliche Wirksamkeit der Präparate oft als Placebo-Effekt betitelt wird, stört den Apotheker. Dieses Schlagwort ist in seinen Augen „böses Gerede, das alle in einem Aufwasch niederschlägt“. Es gebe genügend Landwirte, die ihren Kühen erfolgreich die alternativen Mittel verabreichen. „Und die Tiere wissen ja nicht, was sie bekommen.“

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Diesen Aspekt führt Sabine Ritter ebenfalls an. Die pharmazeutisch-technische Assistentin in der Wolfratshauser Rosenapotheke ist überzeugt von der Wirksamkeit der verdünnten Mittel. Wissenschaftliche Beweise habe sie zwar nicht, dafür Erfahrungswerte – insbesondere auch bei Tieren und Kleinkindern. „Natürlich kann man Homöopathie nicht mit einem Antibiotikum vergleichen. Doch bei kleineren Beschwerden helfen die Präparate – zusätzlich, nicht anstatt.“

Eva Löhle, Inhaberin der Alten Apotheke in Lenggries gibt zu: „Dass es zur Homöopathie keine ausdrücklichen Studien wie in der Schulmedizin gibt, darüber lässt sich streiten.“ Löhle verweist auf die vielen positiven Rückmeldungen, die sie erhält. Ebenso wie ihre Kollegen stellt sie klar: „Homöopathie eignet sich nicht als Alleinmedikation bei schwerwiegenden Krankheiten, sondern eher bei Befindlichkeitsstörungen wie einer Erkältung oder einem Bienenstich. Ein Schritt wie ihn die Weilheimer Apothekerin gemacht hat, kommt für Löhle nicht infrage. „Denn wenn sich radikale Medikamente mit etlichen Nebenwirkungen durch Homöopathie ersetzen lassen, ist es doch gut.“

Elvine Engelhardt sieht das ähnlich. Neben der pharmazeutischen Ausbildung hat die Inhaberin der Isar-Apotheke in Wolfratshausen, der Paracelsus-Apotheke in Geretsried sowie der Ostufer-Apotheke in Münsing eine Zusatzausbildung in den Bereichen Homöopathie und Naturheilkunde gemacht. Sie schwört auf die alternativen Mittel. Erfahrungswerte sowie die hohe Nachfrage und positive Resonanz begründen ihre Einstellung.

Die Kritik der Homöopathie-Gegner, dass Apotheker wirkungslose Zuckerkügelchen für teures Geld verkaufen, kann Engelhardt nicht verstehen. Zum einen sei Homöopathie nicht teuer. Zum anderen enthielten die Mittel Wirkstoffe – eben in potenzierter Form. Die Pharmazeutin ist überzeugt: Wäre diese alternative Form der Medizin völlig nutzlos, „dann hätte sie sich nicht über lange Zeit gehalten“. mh

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