Die Arrestzelle der Tölzer Polizeidienstelle ist sehr spartanisch eingerichtet.
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Die Arrestzelle der Tölzer Polizeidienstelle ist sehr spartanisch eingerichtet.

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Blick hinter besondere Türen: So sieht die Arrestzelle der Tölzer Polizei aus

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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In der Adventszeit wirft der Tölzer Kurier in jeder Ausgabe einen Blick hinter eine Tür im Landkreis, die normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen bleibt. Zum Auftakt: Die Arrestzelle der Tölzer Polizei.

Bad Tölz – Es ist eine Tür, durch die niemand gerne geht. Sie führt in einen spartanisch eingerichteten Raum, den die meisten Menschen nie von innen sehen werden. Und das ist gut so, denn: Der Raum ist die Arrestzelle in der Tölzer Polizeidienststelle auf der Flinthöhe.

In der Arrestzelle befindet sich nichts außer einem weiß gefliesten Bett, einer Matratze mit Gummibezug, einer braunen Wolldecke und einem Wand-WC aus Metall. Sogar auf die Klobrille wurde verzichtet. Der stellvertretende Dienststellenleiter Andreas Rohrhofer hat selbst schon erlebt, was seine „Kunden“ alles unternehmen, um nicht in die Zelle zu müssen. Sie fassen sich auf der Treppe an die Brust, sinken theatralisch zu Boden und simulieren einen Herzinfarkt. Um ganz sicherzugehen, ruft Rohrhofer trotzdem den Notarzt, der seinem Patienten erwartungsgemäß beste Gesundheit bescheinigt. Und dann geht’s eben mit ein paar Minuten Verspätung in die Arrestzelle. „Wir haben es natürlich oft mit Wiederholungstätern zu tun, die dann nicht nur einmal in der Arrestzelle landen“, sagt Rohrhofer.

Durch diese Tür geht niemand gern. 

Die Zahl der Menschen, die in die Arrestzelle müssen, ist laut Rohrhofer sehr konstant: 2018 waren es 40 Personen, im vergangenen Jahr 41 und heuer bislang wieder 40. Viele der Gäste sind stark alkoholisiert. „Wir passen auf, dass ihnen beim Ausnüchtern nichts passiert“, sagt Rohrhofer. Ist die Alkoholisierung zu stark, wird ein Arzt herbeigerufen, der die Haftfähigkeit bescheinigt. Fürchtet der Arzt, dass der Betrunkene am Erbrochenen ersticken könnte, kommt derjenige umgehend ins Krankenhaus.

Neben dem Betrunkenen kommen immer wieder auch Menschen in die Zelle, bei denen zu befürchten ist, dass sie eine Straftat begehen. Der klassische Fall: Ein Mann prügelt und beleidigt vor einer Gastwirtschaft. Er lässt sich aber vom Erscheinen der Polizei und der Anzeigenerstellung nicht beeindrucken. Er sagt, dass die Beamten verschwinden sollen und kündigt an, dass er dann weiterprügeln will. „Solche Leute nehmen wir in Gewahrsam“, sagt Rohrhofer. „Meistens hilft das, dass die Leute wieder runterkommen.“

Hin und wieder komme es auch vor, dass ein Beschuldigter nicht zu seiner Gerichtsverhandlung erscheint und der Richter einen Sicherungs-Haftbefehl erlässt: „Wir nehmen denjenigen dann um 6 Uhr morgens in Haft, um ihn später dann zur Gerichtsverhandlung pünktlich beim Amtsgericht abliefern zu können“, sagt Rohrhofer. Auch ein Grund, in der Arrestzelle zu landen, sei, dass jemand vorläufig festgenommen wurde, weil er eine Straftat begangen und keinen Wohnsitz in Deutschland hat. Hier kann es sein, dass der Staatsanwalt einen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr beantragt. Derjenige muss dann auch in der Zelle bleiben, bis er beim Ermittlungsrichter in München vorgeführt werden kann.

Hat Rohrhofer Mitleid mit den Menschen, die in der Zelle landen? „Eher nicht“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter. „Wer es schafft, dass er dort landet, muss sich schon einiges geleistet haben.“ Betrunkene benehmen sich wiederum oft so, dass Mitleid nicht der erste Gedanke ist. „Die Herrschaften beleidigen und beschimpfen uns und brüllen so laut rum, dass man es im ganzen Haus hört.“ Andere hätten sich seit Wochen nicht gewaschen, wenn sie in die Zelle kommen. Manche urinieren auch auf die Fliesen. „Daher haben wir auch keinen Plüsch-Teppichboden drin“, sagt Rohrhofer. Alles müsse sich schnell desinfizieren lassen. Gegenstände könnten als Waffe verwendet werden oder bei einem Suizidversuch helfen. Ein Kissen würde binnen kürzester Zeit zerrupft werden.

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