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Die Scheibe des Anstoßes: Die Spaßbeschriftung bescherte Michael Basel einen Strafzettel.

Amtsschimmel wiehert

Kein Pardon für kreative Parkscheibe

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Benediktbeuern/Geretsried - Der Benediktbeurer Michael Basel hört den Amtsschimmel wiehern. Denn die humorvoll gestaltete Parkscheibe, die er benutzte, brachte ihm einen Strafzettel ein. Die Parküberwachung verstand keinen Spaß.

Beim Parken achtet Michael Basel genau darauf, sich an die Vorschriften zu halten – so auch kürzlich, als er während eines Arztbesuchs in Geretsried seinen Wagen am Fasanenweg abstellte. Zwei Stunden darf man dort stehen bleiben. Der Benediktbeurer platzierte hinter der Windschutzscheibe eine Parkscheibe mit der korrekt eingestellten Ankunftszeit. Umso überraschter war er, als er nach seiner Rückkehr einen Strafzettel am Auto fand. Zehn Euro muss er nun bezahlen – so als hätte er keine Parkscheibe verwendet. Die Begründung: Es sei keine gültige Parkscheibe vorhanden.

Hintergrund: Basel hatte eine Parkscheibe mit der scherzhaften Aufschrift „Hier parkt ein echter Kerl“ und einigen gelben P-Symbolen mit schräg nach oben deutendem Pfeil verwendet. „Die hat mir meine Freundin geschenkt“, sagt er. Doch das kreative Plastikteil entspricht nicht der Straßenverkehrsordnung. Darauf verweist der zuständige Verwaltungsbeamte Peter Steinberger von der Stadt Wolfratshausen, die in einem Zweckverband die Parküberwachung in Geretsried und zehn weiteren Kommunen durchführt. „Es ist nun einmal vorgeschrieben, wie groß eine Parkscheibe sein muss und wie sie gestaltet ist“, stellt er nüchtern fest. „Ein gelbes P mit Pfeil ist eben kein weißes P auf blauem Grund.“ Die Straßenverkehrsordnung hält fest, dass es sich bei der Parkscheibe um ein offizielles Verkehrszeichen handelt – Gestaltungsspielräume in Form und Farbe sind da ebenso wenig vorgesehen wie etwa beim Halteverbotsschild. Werbebotschaften sind erlaubt, aber nur auf der Rückseite.

„Was da alles herumvagabundiert, mit Blümchen, Mäuschen oder auch teils selbst gemacht – irgendwann ist es nicht mehr nachvollziehbar“, so Steinberger. Auch ein handschriftlicher Zettel mit der Ankunftszeit sei übrigens ungültig. „Das ist halt leider so.“ Dass die Stadt deswegen Strafzettel ausstellt, sei auch „kein Einzelfall“.

Für „lächerlich“ hält dagegen Basel die Verwarnung. Das Vorgehen der Parküberwacher sei „unreflektiert und ohne jedes Fingerspitzengefühl“. Regeln und ihre Einhaltung seien wichtig, betont der Benediktbeurer, der als Konrektor der Tölzer Südschule selbst Staatsbeamter ist. „Die Verkehrsüberwachung ist sehr wichtig, bei Themen wie Geschwindigkeit, Alkohol, wenn man auf einem Behindertenparkplatz steht oder Ein- und Ausfahrten blockiert“, sagt er. Die falsch gestaltete Parkscheibe aber habe niemanden beeinträchtigt. Auch die Ankunftszeit war problemlos abzulesen. Die Vorschrift findet er überzogen, deren strenge Auslegung kleinlich. Doch alle Widersprüche Basels prallten an Steinberger ab. Die zehn Euro sind und bleiben fällig.

Tatsächlich hat die Gestaltung von Parkscheiben schon Gerichte beschäftigt. Vor vier Jahren klagte ein Mann gegen die Stadt Forst. Er hatte einen Strafzettel bekommen, weil seine Parkscheibe mit 40 x 60 statt 110 x 150 Millimetern zu klein war – und scheiterte.

Auch Michael Braun, Geschäftsführer des Tölzer Zweckverbands Kommunale Verkehrsüberwachung, bestätigt, dass die Wolfratshauser Kollegen rechtlich „alles richtig gemacht“ hätten. Sein Verband, der im Landkreis den ruhenden Verkehr in Königsdorf, Heilbrunn, Bichl, Kochel am See, Wackersberg und in der Jachenau überwacht, handhabe solche Fälle allerdings kulant. „Die Autofahrer bekommen von uns als kleine Hilfe eine korrekte Parkscheibe unter den Scheibenwischer geklemmt.“

Seine Parkscheibe könnte Basel übrigens weiterverwenden. Denn dreht man sie einmal um, findet man eine offizielle Vorderseite. Und die entspricht in allen Details sämtlichen Vorschriften.

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