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Gut getarnt: Wildüberwachungskameras im „Tölzer Waffenstüberl“. Das rechte Gerät, eine Seissiger S128, überträgt das aufgezeichnete Bildmaterial sogar live an den Empfänger. Bei der linken Fotofalle handelt es sich um ein einfacheres Modell, eine Seissiger S108. 

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“

Vorsicht Fotofalle: Was Wildkameras enthüllen

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Eigentlich sind Wildkameras dazu da, damit Jäger nicht stundenlang im Wald sitzen müssen, um Tiere zu beobachten. Manchmal geraten aber auch ganz andere Dinge als Rehe, Wildschweine und Co. ins Visier der gut getarnten Fotofallen.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Wolfgang Morlang, neuer Vorsitzender des Kreisjagdverbands. Der junge Wolf, der vor kurzem im Landkreis Starnberg von einer Wildkamera abgelichtet wurde und bayernweit für Aufregung sorgte, sei im Landkreis zwar noch nicht gesichtet worden. Doch auch hier traut so mancher Jäger bisweilen seinen Augen nicht, wenn er sieht, was die Geräte so alles aufzeichnen.

Motorradfahrer brettern durch Wildfütterung

So kommt es laut Morlang immer wieder vor, dass Rad- oder sogar Motorradfahrer mitten durch eine der Wildtierfütterungen brettern. Für die Jäger ein großes Ärgernis: „Dann wissen wir genau, dass die Stelle in den nächsten 14 Tagen verwaist ist.“ Falls möglich, versuchen die Jäger in so einem Fall, mit den Störenfrieden zu sprechen und sie zur Vernunft zu bringen. Aus Gründen des Datenschutzes sind die Jäger aber inzwischen verpflichtet, Aufnahmen, auf denen Menschen zu sehen sind, umgehend wieder zu löschen.

Der Datenschutz ist auch der Grund dafür, dass alle Jäger, bei denen der Tölzer Kurier angefragt hat, öffentlich nichts zu dem Thema sagen wollten. Und weshalb sie von vornherein versuchen, die Mini-Linsen da aufzuhängen, wo sich normalerweise ohnehin keine Spaziergänger oder Zweiradfahrer hinverirren.

Wie viele solcher Wildkameras es in Landkreis gibt, ist ungewiss. „Ihren Einsatz entscheidet jeder Revierpächter eigenständig“, erklärt Morlang. Außerdem sind die Geräte nicht genehmigungspflichtig, weshalb ihre Anzahl auch nicht zentral beim Bayerischen Jagdverband erfasst ist. Das heißt, dass jeder eine solche Überwachungskamera erwerben und aufstellen kann – von der Billig-Variante aus dem Supermarkt bis hin zu regelrechten Mini-Computern aus dem Fachgeschäft. Ausgelöst werden die Geräte meist durch einen Bewegungssensor.

Kamera lichtet vermeintlichen Hanf-Gärtner ab

So auch im Herbst 2011, als eine Wildkamera den bislang wohl aufsehenerregendsten Fall im Landkreis dokumentierte. Wie berichtet hatte damals ein Jäger im Ellbacher Moor eine Fotofalle installiert, um einen Hobby-Gärtner zu überführen, der dort in zwei 50-Liter-Pflanzenkübeln Cannabis anbaute. Zu einer Verurteilung vor Gericht reichten die Aufnahmen nicht. Denn statt desjenigen, der die Hanfpflanzen dort kultivierte, geriet der Biologe Achim Rücker vor die Linse der Wildkamera. Der Tölzer Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz wurde damals freigesprochen. Dennoch versicherte er zusätzlich noch öffentlich im Tölzer Kurier, dass er an besagter Stelle nur zum Mähen der Streuwiesen vorbeigekommen sei und die merkwürdigen Blumentöpfe aus rein botanischem Interesse betrachtet habe.

Auch Wolfgang Morlang kennt diese Geschichte – und natürlich auch Schlagzeilen aus anderen Teilen Deutschlands, wo Wildkameras Menschen angeblich dabei fotografiert oder sogar gefilmt haben sollen, wie sie im Wald ihre Notdurft verrichteten oder Sex hatten. Im Landkreis hat der Kreisjagdvorsitzende aber noch nie von so einem Fall gehört. „Und selbst wenn“, sagt der 45-Jährige, „würde ich mich darüber ausschweigen und mir lediglich meinen Teil denken.“

Unheimlicher Vorfall im Kreis Weilheim

Ein unheimlicher Vorfall in diesem Zusammenhang ereignete sich 2014 in Bernried im Kreis Weilheim. Die Wildkamera eines Jagdpächters zeichnete in einem Waldgebiet zwei Menschen auf, die Schusswaffen mit sich führten.

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