Andreas Wüstefeld Tölzer Land Tourismus
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Andreas Wüstefeld Tölzer Land Tourismus

Im Kreisausschuss: Andreas Wüstefeld zeichnet düsteres Bild

Kein Tourismus im Tölzer Land: „Berufsverbot einer kompletten Branche“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Ein „böses“ Erwachen befürchtet Andreas Wüstefeld, Chef von Tölzer Land Tourismus, in den kommenden Monaten. Die Situation für den Tourismus sei „bedrohlich“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war eine durchaus alarmierende Ansprache, die Andreas Wüstefeld, Chef von Tölzer Land Tourismus, am Montag im zuständigen Ausschuss des Kreistags hielt. Mit Blick auf Gästeankünfte und Übernachtungszahlen sei der Landkreis im vergangenen Jahr „noch mit einem blauen Auge davongekommen“. Anders sehe es aktuell aus: „Was wir erleben, ist das Berufsverbot einer kompletten Branche. „Die Situation ist bedrohlich“, sagte Wüstefeld. Und er hat wenig Hoffnung auf Besserung.

Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis drei Tage hintereinander über 100, sind touristische Übernachtungen untersagt. So sehe es die Bundes-Notbremse vor. Das Gesetz gelte momentan bis 30. Juni. Jegliche Perspektive – beispielsweise die Öffnung der Außengastronomie –, die in Bayern mal angedacht war, fehle nun. Und dramatischer werde die Situation noch dadurch, dass Nachbarländer trotz ebenfalls hoher Inzidenzen touristische Öffnungen anpeilen. Dabei müsse man auch immer bedenken, dass die Branche einen gewissen Vorlauf brauche. „Restaurants und Hotels sind keine Garagen, die man nach Belieben auf- und zusperren kann“, zitierte Wüstefeld Guido Zöllick, den Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands.

Riesiges Interesse an Urlaub im Tölzer Land

Der TLT-Chef befürchtet auch, dass es in den kommenden Monaten „noch ein böses Erwachen geben wird“. Tagesausflügler bringen in normalen Jahren 51 Prozent des Bruttoumsatzes im Tourismus, nämlich rund 170 Millionen Euro. Und kommen werden die Tagesausflügler auch auf jeden Fall ins Tölzer Land. „Dann haben wir Tourismus ohne jegliche Wertschöpfung.“

Ihn würden jeden Tag zunehmend verzweifelte Menschen anrufen, sagte Wüstefeld und appellierte an alle Lokalpolitiker, ihre Netzwerke und Verbindungen in die große Politik zu nutzen. „Bitte sorgen sie dafür, dass unsere Branche eine Zukunft auch in diesem Landkreis hat.“

Die Ausgangslage wäre nämlich gut. „Es gibt ein riesiges Interesse an Urlaub im Tölzer Land“, sagte Wüstefeld. „Die Gästeanfragen sind deutlich gestiegen.“ Das zeigte sich auch schon im vergangenen Jahr. Zwar sanken durch den Lockdown im Frühjahr die Übernachtungszahlen in den gewerblichen Betrieben (zehn Betten und mehr) um gut 29 Prozent. In München lag der Rückgang aber bei knapp 61 Prozent, im oberbayerischen Schnitt bei 44,7 Prozent. Gestiegen ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer. Sie lag 2020 bei vier Tagen, im Jahr davor nur bei 3,3. „Die Lage war also bescheiden, aber nicht hoffnungslos“, so Wüstefeld. Nun aber sei sie „absolut bedrohlich. 2021 könnte katastrophal werden, wenn nicht bald eine Perspektive eröffnet wird“.

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