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Keine Augenweide mehr: Das Haus Fruth von hinten. Den Rest des Grundstückes am Christian-Pabst-Weg hat Eigentümer Ernst Duttler in jüngster Zeit mit Wohnungen bebaut.

Tölzer Badeteil

Haus Fruth: „Kein Zweifel, ein Baudenkmal“

Bad Tölz - Was spricht dafür, dass Ernst Duttler das Haus Fruth in der Höckhstraße abreißen darf? Nicht viel. Das Landesamt für Denkmalpflege und das Landratsamt bewerten das 90 Jahre alte Gebäude als Baudenkmal. Ein Abrissantrag müsste dennoch behandelt werden.

 Das einstmalige Schmuckstück der Tölzer Bäderarchitektur ist wirklich keine Augenweide mehr. Viel Rost, abgeblätterter Putz und Mauerschäden. Das ehemalige Sanatorium Dr. Fruth ist heruntergekommen. Der Tölzer Bauausschuss hatte deshalb vor drei Wochen mit 8:5 Stimmen einen Abriss in Aussicht gestellt, wenn Eigentümer Ernst Duttler ein Neubaukonzept im historisierenden Stil vorlegt.

Genehmigen muss den Abriss dann freilich erst das Landratsamt, das sich mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LfD) in Verbindung setzen würde. Beide Behörden stellten einige Missverständnisse aus dem Tölzer Bauausschuss im Vorfeld klar.

„Es bestand nie ein Zweifel, dass das Haus Fruth ein Baudenkmal ist“, sagt Christoph Scholter, zuständiger Gebietsreferent beim LfD. Das sagt auch Sprecherin Marlis Peischer vom Landratsamt. Sie räumt aber einen Fehler ihres Hauses im Jahr 2006 ein. Damals sei tatsächlich, wie der Tölzer Bauamtsleiter Christian Fürstberger gesagt hatte, eine Baugenehmigung für einen Ersatzbau erteilt worden.

Auf dem Datenblatt für die Flurnummer habe fälschlicherweise der Hinweis auf ein Baudenkmal gefehlt. Der Grund sei aber nicht gewesen – wie Fürstberger angemerkt hatte – dass die Fachleute das Baudenkmal schon damals nicht mehr als solches erkannt hätten.

Wichtig: Die Baugenehmigung von 2006 ist nach vier Jahren abgelaufen. Der Eigentümer kann nach den Worten Peischers daraus keinerlei Rechte ableiten. „Das Verfahren läuft völlig neu.“ 2013 hat Ernst Duttler einen Abrissantrag gestellt, was damals auch noch im Tölzer Bauausschuss einmütig abgelehnt wurde. Grund: Der „barockisierende Mansard-Walmdachbau“, so die Beschreibung im Denkmalatlas, sei ja ein geschütztes Gebäude. 2016 hat Duttler dann erneut einen praktisch gleichlautenden Abrissantrag gestellt.

Bürgermeister Josef Janker hatte im Bauausschuss davon gesprochen, dass sich der Bauzustand des Hauses Fruth seit 2013 erheblich verschlechtert habe. Er machte dafür auch die Denkmalschützer verantwortlich, die in drei Jahren keinerlei Maßnahmen zum Erhalt veranlasst hätten.

Scholter erwidert trocken, dass es die Aufgabe des Eigentümers sei, Schaden von seinem Baudenkmal abzuhalten, nicht der Allgemeinheit. Würden Sicherungsmaßnahmen bewusst vermieden und sei das nachweisbar, könne der der Staat im Extremfall sogar in Vorleistung gehen. Das Landratsamt sei übrigens verpflichtet, auf entsprechende Hinweise zu reagieren. Gab es so eine Vorleistung je? Der Gasthof Maximilian in Gmund, antwortet Scholter.

Sollte das Landratsamt den Abriss eines Baudenkmals erwägen, muss es laut Scholter auch prüfen, ob eine Sanierung zumutbar ist. Ist etwa nach einer Renovierung überhaupt noch genügend Denkmalsubstanz vorhanden? Geklärt werden müssten aber auch Fragen, wie lange das Baudenkmal dem Besitzer gehörte, ob er es als Baudenkmal erworben habe, wie er damit umgegangen sei, ob er Schäden zu vertreten habe und ob er es je verkaufen wollte. Scholter: „Einfach zu sagen, eine Sanierung ist zu teuer, reicht nicht.“

Scholter sieht all diese Fragen im Fall Haus Fruth als noch ungeklärt an. „Das ist noch längst nicht zu Ende geprüft.“ Ihm scheine es, „als wenn hier der zweite Schritt vor dem ersten gemacht worden ist“.

Gab es zwischen Landratsamt und Eigentümer eigentlich je Verhandlungen oder Absprachen über das Schicksal des Hauses Fruth? „Nein“, sagt Marlis Peischer, „es gab keine persönlichen Gespräche“. Der Besitzer habe mehrfach darum angesucht.

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