Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen
Jeder bleibt auf seiner Spur: Die neuen Leitschwellen sorgen für eine klare Fahrbahntrennung. Foto: Pröhl

Kesselberg: Das sagen die Biker

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Leitschwellen am Kesselberg werden eine positive Wirkung zeigen: So denken einige Tölzer Motorradfahrer. Im Internet melden sich aber auch kritische Stimmen.

„Den durchgezogenen Mittelstreifen musst du dir wie eine Mauer vorstellen“: Fahranfänger kennen diese Worte – von ihrem Lehrer oder den Eltern. Viele Motorradfahrer (aber auch so mancher Autofahrer), die sich am Kesselberg austoben, scheinen noch nie etwas von jener imaginären Wand gehört zu haben. Das Kurvenschneiden gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen auf der Kochler Bergstrecke, die bayernweit die meisten Unfälle hervorbringt.

Gelbe Leitschwellen mit rot-weißen, kniehohen Warnbaken oben drauf sollen nun dafür sorgen, dass gerade an unübersichtlichen Stellen jeder auf seiner Spur bleibt (wir berichteten). Über 1,2 Kilometer werden die Elemente derzeit laut dem Straßenbauamt Weilheim auf dem Mittelstreifen angebracht.

„Normalerweise müsste man das komplett durchziehen. Aber das ist dann wieder eine Geldfrage“, sagt Klaus Riedmüller. Der Tölzer gehört zu denen, „die von A nach B fahren“ – und nicht zu „den Wahnsinnigen“. Mit seiner Honda CBR 600 ist Riedmüller eher gemächlich unterwegs. „Manche rauschen den Kesselberg an schönen Tagen zehnmal rauf und runter“, meint er kopfschüttelnd. Der 48-Jährige begrüßt den baulichen Eingriff: „Man muss denen einen Riegel vorschieben, damit sie nicht mehr überholen können.“

Dass die Maßnahme im Gegensatz zu den zuletzt installierten Rüttelstreifen eine echte sicherheitstechnische Wirkung hat, glaubt auch Matthias Wannek. „Alles, was der Sicherheit dient, ist gut. Durch die klare Fahrbahntrennung könnte es zu weniger Unfällen kommen“, sagt der 23-jährige Tölzer, der eine Suzuki GS 500 E für Wochenend-Ausfahrten nutzt. Wannek: „Mich erinnert das sofort an eine Baustelle.“ Als Motorradfahrer würde er instinktiv mit unsauberem Belag rechnen – und abbremsen. Ein Argument, aber wohl nur für die erste Fahrt. Denn die berüchtigten Kesselberg-Raser „kennen die Strecke in- und auswendig“, wie Riedmüller zu berichten weiß. Auf die Unvernunft mancher Raser hätten die Leitschwellen sowieso keinen Einfluss, denkt Wannek.

„Es gibt immer wieder Idioten, die den Kesselberg mit einer Rennstrecke verwechseln“, findet auch Franz Hartl, der im Tölzer Farchet eine Motorradwerkstatt betreibt. Der 54-Jährige tobt sich selbst gerne mit dem Zweirad aus. Dann aber auf dem Salzburg-, Nürburg- oder Hockenheimring. In Salzburg kann man sich zum Beispiel für einen Tagespreis von 150 Euro zum „freien Fahren“ anmelden. Hartl glaubt, dass die Leitschwellen ihren Zweck erfüllen: „Man wird langsamer fahren müssen, und das Kurvenschneiden wird verhindert.“

„Ich halte nichts davon“, entgegnet Lorenz Bauer bestimmt. Seine einfache Begründung: „Ich bin gerne Motorrad gefahren.“ Der Reichersbeurer hat vor fünf Jahren mit dem sportlichen Fahren aufgehört, weil er sich auf den hiesigen Bergstrecken Kesselberg und Sudelfeld „ausgesperrt“ gefühlt hat. Nach Italien oder Österreich auszuweichen, sei für ihn keine Option gewesen. In den Leitschwellen sieht er nach Sperrungen, Schallmessungen und Radarkontrollen einen nächsten Schritt der „Abriegelung. Irgendwann kann man sich als Motorradfahrer gar nicht mehr bewegen“, meint der 50-Jährige. „Es ist schade, dass alle für die Ausraster von wenigen büßen müssen. “

Ein Motorradfahrer, der namentlich nicht genannt werden möchte, meint: "Die Rüttelplatten und die Leitschwellen sind an sich eine gute Sache, nur sind sie an der falschen Stelle platziert worden." Er fahre die Strecke täglich aus beruflichen Gründen. Seiner Meinung nach behindern die Rüttelplatten eher die Autofahrer als die Motorradfahrer. "Intern wird darüber sehr gelacht, viele ärgern sich aber auch, dass so viel Geld dafür rausgeschleudert wird." Nur höhere Polizeipräsenz oder eine andere Anordnung der Pylonen hätten seiner Meinung nach den gewünschten Effekt.

Ein weiterer Biker, der sich an unsere Zeitung wendet, findet die Maßnahme sinnvoll. "Dann lernen die ganzen Möchtegern-Rennfahrer, auf ihrer Spur zu bleiben - egal ob im Auto oder auf dem Motorrad." Es komme oft vor, dass Autos Radfahrer in den Kurven überholen und dabei die komplette Gegenfahrbahn einnehmen. "Nicht sehr angenehm, wenn man dann mit dem Motorrad entgegenkommt. Dieses Problem wäre damit ebenfalls beseitigt."

"Endlich mal was Vernünftiges, für das Bayern Geld ausgibt", befürwortet ein weiterer Fahrer die Maßnahme. Es hindere die Verkehrsteilnehmer daran, an diesen Stellen zu überholen. Außerdem könnten Motorradfahrer nicht mehr mit ihrem Kopf in den Gegenverkehr geraten. "Außerdem würden Autofahrer, die vom Walchensee kommen, dadurch nicht mehr "gefährlich abbiegen, um in der Showkurve anzuhalten".

Jemand, der das Motorradfahren beherrsche, werde durch die neuen Baken nicht beeinträchtigt, meint ein weiterer Biker. "In der Fahrschule wird gelehrt, wie man Kurven zu fahren hat", sagt er. "Da aber immer mehr Motorradfahrer dieses nicht mehr können und ständig mindestens mit dem Kopf im Gegenverkehr hängen, finde ich diese Fahrbahntrennung ganz gut."

Die Baumaßnahme wird auch auf den Facebook-Seiten „Kesselberg-Showkurve“ und „Kesselbergs Finest“ diskutiert – nicht ohne den einen oder anderen Kraftausdruck. „Mit den Teilen ist es gefährlicher als ohne“, liest man da zum Beispiel. Aber auch: „Endlich kommt da niemand mehr entgegen oder fährt oben in die Kurve rein.“

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