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Keuchhusten ist im Landkreis auf dem Vormarsch. 

Infektionskrankheit

Keuchhusten auf dem Vormarsch

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Keuchhusten ist auf dem Vormarsch. 30 Fälle gab es allein seit Anfang dieses Jahres im Landkreis. Zum Vergleich: 2016 waren es insgesamt nur 105.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Keuchhusten ist auf dem Vormarsch. 30 Fälle gab es allein seit Anfang dieses Jahres im Landkreis. Zum Vergleich: 2016 waren es insgesamt nur 105.

„Es gibt eine deutliche Zunahme“, sagt Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid auf Anfrage. Auch in anderen Bundesländern sei dies so. Die Krankheit verlaufe zyklisch, Höhepunkte gab es in den Jahren 2007 und 2012. „Untersuchungen haben gezeigt, dass ein großer Teil der Keuchhusten-Fälle bei altersgerechter Impfung vermieden werden könnte“, sagt Schmid. Wichtig sei, dass auch die Auffrischungsimpfungen erfolgen.

Das bestätigt Kinderarzt Dr. Martin Grundhuber. „Nach einer Keuchhusten-Erkrankung oder -Impfung ist man fünf bis zehn Jahre immun.“ Danach müsste eine Auffrischung erfolgen. Die werde oft vergessen, sagt Kinderärztin Dr. Jorun Fritz. „Das Problem ist vor allem, wenn ganz kleine Babys, die noch nicht geimpft werden können, von Erwachsenen angesteckt werden“, sagt Grundhuber. Das bestätigt auch Fritz. „Es hat sich herausgestellt, dass häufig die Großeltern die Krankheit an die Babys übertragen, wenn sie viel Kontakt haben“, so die Kinderärztin. Deshalb sei es wichtig, dass alle, die im Umkreis des Säuglings sind, den Impfschutz überprüfen. „Auch Mütter, die stillen, können geimpft werden“, sagt Fritz.

Denn bei Säuglingen könne der schwere Husten zu Schädigungen des Bronchialsystems führen – bis hin zum Atemstillstand und daraus resultiertend Schädigungen im Gehirn, so Grundhuber. „Das sind Einzelfälle. Wer allerdings betroffen ist, interessiert sich nicht für Statistik.“

Zumal sich mit der Impfung sehr gut vorbeugen lasse. Doch gerade im Landkreis ist eine gewisse Impfmüdigkeit festzustellen – gerade auch was eine andere Kinderkrankheit betrifft: Nur etwa 83 Prozent der Kinder im Landkreis sind mit zwei Impfungen gegen Masern gewappnet. Um auch schwächere Personen, die nicht geimpft werden können, vor einer Ansteckung zu schützen, wäre eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent nötig.

Das Landratsamt informierte daher kürzlich in einer Pressemitteilung über die Kampagne „Masern – keine harmlose Kinderkrankheit“. Der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Stephan Gebrande, empfiehlt Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, ihren Masernimpfschutz zu überprüfen. Gleiches gilt für Menschen, deren Impfschutz unklar ist.

„Das Erschreckende ist, wie schnell sich die Masern verbreiten, wenn ein Fall im Landkreis aufgetreten ist“, sagt Fritz. „Unser System funktioniert nur gut, weil sich viele impfen lassen.“ Grundhuber erfährt oft, dass Eltern sich gar nicht im Klaren darüber sind, welche Gefahren und Risiken die Krankheit in sich birgt. „Da es Masern nicht mehr so häufig gibt, ist es nicht so bekannt.“ Laut Gebrande führen Masern außer zu grippeähnlichen Symptomen und dem typischen Ausschlag zu einer vorübergehenden Immunschwäche. „Andere Infekte wie Lungen- oder Mittelohrentzündungen sind die Folge.“ In seltenen Fällen könne eine Gehirnentzündung auftreten, die zu dauerhaften Schädigungen, schlimmstenfalls zum Tod führen könne.

Die Impfung, sagt Grundhuber, schütze den Menschen ein Leben lang. „Ich versuche den Eltern immer zu sagen, dass es auch um die Allgemeinheit geht, etwa um kleine Kinder oder Schwangere.“

Über die Gründe für die geringe Impfquote im Landkreis könne man laut Behörden-Sprecherin Schmid nur mutmaßen. Sie zitiert aus dem medizinischen „Versorgungsatlas“: Darin wird die Vermutung geäußert, dass viele Eltern nicht ausreichend aufgeklärt sind oder Mythen glauben, die im Internet über Impfungen kursieren.

An der Basis müssen Dr. Jorun Fritz und Dr. Martin Grundhuber häufig Eltern überzeugen. Die Impfung sei gut verträglich, sagt Fritz. „Am meisten kann ich die Eltern beruhigen, wenn ich ihnen sage, dass meine Kollegen und wir schon auf so eine lange Zeit als Kinderärzte zurückblicken können und uns noch kein einziger Fall einer Komplikation untergekommen ist. Die meisten Eltern sind aufgeschlossen gegenüber vernünftigen Argumenten.“ Denn eines sei klar: „Wir wollen das Bestmögliche für das Kind.“

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