Baggern für den Hochwasserschutz: Anfang der Woche haben die Arbeiten an der Isar begonnen. Der Abtransport von rund 30 000 Kubikmetern Kies soll bis Ende Februar über die Bühne gehen. FOTO: ARNDT PRÖHL

Großaktion

Stadtwerke transportieren Kies ab: Das große Baggern in der Isar

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Bei dem, was der Fluss allein nicht schafft, muss der Mensch nachhelfen: In Bad Tölz wird wieder Isarkies auf Lkw verladen und abtransportiert . aus gutem Grund.

Bad Tölz – Seit Anfang der Woche ist es in der Tölzer Stadtmitte nicht zu übersehen: In der Isar wird eifrig gebaggert, der Kies wird zu Bergen am Rand des Flusses aufgetürmt. Aus den vergangenen Jahren ist den Tölzern dieses Bild schon vertraut. Nun ist es wieder soweit: Kies muss aus Tölz mit dem Lastwagen flussabwärts transportiert werden – aus Hochwasserschutzgründen.

„Drei Jahre hatten wir Ruhe, jetzt müssen wir den Kies wieder per Lkw verfrachten“, erklärt Stadtwerke-Chef Walter Huber. Tatsächlich war die Maßnahme zuletzt Ende 2016 durchgeführt werden. Heuer ist geplant, dass der Isar in Bad Tölz rund 30 000 Kubikmeter Kies entnommen werden. Das Material wird zunächst zu Dämmen aufgeschüttet, dann auf Lastwagen verladen und schließlich jenseits des Stausees wieder in das Flussbett eingebracht. Die Arbeiten sollen bis Ende Februar dauern und kosten die Stadtwerke laut Huber rund 100.000 Euro.

Kiestransport per Lkw kostet 100.000 Euro

Im Idealfall erledigt die natürliche Kraft des Wassers den Abtransport des Kieses. Dazu ist aber ein Hochwasser nötig. In diesem Fall öffnen die Stadtwerke die Schleusen des Isarkraftwerks am Stausee, damit die Isar möglichst viel Kies mit sich reißen kann. Das geschah zuletzt im Mai 2019.

Im Normalfall allerdings läuft es anders. Die Isar bringt von Süden her kommend Kies mit sich. In Bad Tölz verlangsamt sich die Fließgeschwindigkeit, die Isar wird flacher. „Weil der Kalvarienberg eine Art Prallwand bildet“, so Huber. Ungefähr im Bereich bis zum Ernst-Thyssen-Steg bleibt einiges an Kies im Flussbett liegen und sammelt sich im Laufe der Monate an. Das aber ist problematisch, weil das Wasser dadurch nicht mehr ausreichend abfließen kann – und das wird im Hochwasserfall zum Problem.

Stadtwerke nehmen bei der Maßnahme Rücksicht auf Laichzeiten

„Bei einem Hochwasser muss eine Wassermenge von bis zu 650 Kubikmetern pro Sekunde durch Tölz durchfließen können“, erklärt Roland Kriegsch, Chef des Wasserwirtschaftsamts Weilheim. Wenn sich der „Normquerschnitt“ der Isar durch Verlandung zu stark verkleinere, dann sei dieser Abfluss nicht mehr schadlos möglich. „Wenn ein gewisser Wert überschritten und kein Hochwasser absehbar ist, müssen wir tätig werden und den Normquerschnitt künstlich wiederherstellen.“

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Die beste Zeit, das zu erledigen, sei jetzt im Winter, da es sich um eine Zeit handle, in der die Isar normalerweise einen niedrigen Wasserpegel hat, was die Arbeiten erleichtert. Die Maßnahme sei auch mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sowie mit den Fischern abgestimmt. Es werde auf die „relevanten Laichzeiten“ Rücksicht genommen. Die Bachforelle etwa laiche von Oktober bis Januar, die Äsche ab März, so Kriegsch. „Deswegen hat es jetzt ein bisschen pressiert“, erklärt Huber von den Stadtwerken.

„Wenig Schnee - viel Wasser“

Ein Eingriff in die Natur bleibt der Kiestransport freilich – verbunden mit Lärm und Abgasen. Das räumt Huber durchaus ein. „Man muss eben immer abwägen“, sagt er. Grund genug, sich vorbeugend auf kommende Hochwasser vorzubereiten, gibt es nämlich ebenfalls. „Man sagt: wenig Schnee – viel Wasser“, zitiert Huber einen Erfahrungswert. Der mangelnde Schnee in diesem Winter könnte eventuell im Frühjahr als „Hochwasser-Puffer“ fehlen. „Der Schnee hat eine Art Saugfunktion – ohne Schnee in den Bergen würde ein Hochwasser noch schneller und ungebremster durch Tölz durchrauschen.“

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Den Isarkies zu entnehmen und dann zum Bauen zu verkaufen, ist laut Huber übrigens nicht möglich. „Dann würde er weiter unten im Fluss fehlen. Die Isar würde sich immer tiefer eingraben.“

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