Übungen zur Rechtschreibung
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Übungen zur Rechtschreibung

Pädagogik

Kinder immer schlechter in Rechtschreibung: So wird im Landkreis gelehrt 

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Warum machen unsre Kinda so fiele Fela beim schraiben? An der Methode, den Kindern erst einmal das Schreiben nach Gehör beizubringen, scheiden sich die Geister. Im Landkreis kommt sie allerdings nicht in Reinform zur Anwendung.

Bad Tölz-Wolfrathausen – Warum machen unsre Kinda so fiele Fela beim schraiben? Eine Studie der Universität Bonn will den zentralen Grund gefunden haben: In der ersten und zum Teil auch in der zweiten Klassen dürfen die Schüler nach Gehör schreiben. Korrekturen mit dem Rotstift sind nicht vorgesehen. Das reformpädagogische Konzept hat die klassische Fibel-Methode an vielen Schulen abgelöst, gehört auch in Bayern zur gängigen Praxis.

Nun fordert der Deutsche Lehrerverband ein bundesweites Verbot, da die Bonner Wissenschaftler dem „Schreiben nach Gehör“ ein verheerendes Zeugnis ausgestellt haben. In der Region sehen die Pädagogen dagegen keinen Grund zur Panik.

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Zwar habe die Rechtschreibleistung der Schüler in den vergangenen Jahren tatsächlich deutlich nachgelassen, sagt Michael Basel. Das liegt laut dem Konrektor der Tölzer Südschule aber nicht unbedingt am sogenannten phonetischen Schreiblehrgang. Der Grund- und Mittelschullehrer sieht eher die zunehmende Mediennutzung als Problem an. Die Groß- und Kleinschreibung etwa spiele bei Whats App und Co. keine Rolle. „Für die Kinder und Jugendlichen ist das Wichtigste der Inhalt, für den Rest gibt es ja die Rechtschreibprüfung.“

Auch Petra Burkhardt beobachtet, dass angesichts der Digitalisierung der Wert der Rechtschreibung in der Gesellschaft allgemein an Bedeutung verliert. Gerade deshalb sei es laut der Leiterin des Staatlichen Schulamts in Bad Tölz wichtig, den Kindern von Anfang an die Bedeutung der richtigen Schreibweise bewusst zu machen – „ohne dabei die Freude am eigenen Schreibprozess zu blockieren“.

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Der Lehrplan in Bayern setze deshalb auf verschiedene Methoden. Einerseits dürfen die Anfänger nach Gehör schreiben. Im Vordergrund steht die Freude an diesem kreativen Prozess. Um Frust zu vermeiden und die Leistung der Kinder zu würdigen, korrigieren die Lehrer nicht direkt in die Texte hinein. Stattdessen ergänzen sie die richtige Schreibweise eines Wortes beispielsweise am Ende des Textes.

Auf der anderen Seite kommen Burkhardt zufolge an allen Schulen Fibeln zum Einsatz. Von Anfang an bekämen die Schüler verschiedene Rechtschreibstrategien an die Hand. Als Beispiel nennt die Schulamtsleiterin das Grammatische Prinzip. Dazu gehört unter anderem die Erkenntnis, dass Buchstaben am Satzanfang immer groß geschrieben werden.

In Bayern also versuchen die Lehrer, die Vorteile der „Fibel-Methode“ mit den Vorzügen des „Schreibens nach Gehör“ zu kombinieren. Das werden Eltern von Erst- und Zweitklässlern, die sich mit der Studie der Universität Bonn auseinander gesetzt haben, gerne hören. Die Ergebnisse der Forscher nämlich klingen fatal: So sollen Schüler, die anfangs nach Gehör geschrieben haben, am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler machen als Buben und Mädchen, die mit der Fibel schrittweise und systematisch an die einzelnen Buchstaben und Wörter herangeführt worden sind. In einigen Bundesländern ist die umstrittene Methode vor diesem Hintergrund bereits wieder abgeschafft worden, darunter in Hamburg und in Baden-Württemberg.

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Für Bayern sieht Schulamtsleiterin Burkhardt keinen Handlungsbedarf, eben weil das „Schreiben nach Gehör“ nicht in Reinform angewandt wird. Außerdem sei die Methode nicht alles. Sie selbst weiß nicht mehr, nach welchem Konzept sie vor 41 Jahren das Schreiben gelernt hat. Sie könne sich nur noch daran erinnern, dass sie ihre Lehrerin toll fand. „Das ist, glaube ich, die Basis für alle Lernprozesse. Wenn die Beziehungsebene passt und Kinder gerne in die Schule gehen, dann ist die Methode nebensächlich.“

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