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Mit Kinder-Kraft gegen den Nachwuchsmangel: In Bad Steben (Oberfranken) zum Beispiel bindet die F euerwehr Heranwachsende schon früh ein.

Gesetzentwurf der Staatsregierung

Kinderfeuerwehr: Gute Idee, aber ...

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  • Patrick Staar
    Patrick Staar
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Einmal Feuerwehrler werden, davon träumen viele Kinder. Die Staatsregierung will den Wunsch wahr werden lassen, mit Kinderfeuerwehren in Bayern – um dem Nachwuchsmangel entgegenzusteuern. Im Landkreis sind die Verantwortlichen davon allerdings nicht überzeugt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als Johann Rumml vor 30 Jahren zur Feuerwehr gegangen ist, war das einfach so. „Das hat dazugehört, dass man fast in allen Vereinen dabei ist“, sagt er. Heute ist Rumml Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Reichersbeuern. Dass Jugendliche einfach so dazukommen, weil es sich so gehört, ist aber längst nicht mehr so. „Es wird schwieriger, Nachwuchs zu finden“, sagt Rumml.

Künftig sollen deswegen bereits Kinder mit sechs Jahren Mitglied bei der Feuerwehr werden können. Das schlägt die Staatsregierung in einem Gesetzentwurf vor. Kreis-Jugendwart Reinhold Iszovics hält das für richtig. In Österreich habe man gute Erfahrungen gemacht, Kinder und Jugendliche möglichst früh anzuwerben. „Dort sind schon Zehnjährige bei der Feuerwehr – und es gibt keine Nachwuchssorgen“, sagt er.

Jugendliche seien oft bereits in anderen Vereinen gebunden, beschreibt Kreisbrandrat Karl Murböck ein Problem. „Es ist gut, Feuerwehren den entsprechenden Versicherungsschutz zu geben, wenn sie eine Kinderfeuerwehr aufbauen wollen“, sagt er. Allerdings bezweifelt er, dass es bald Kinderfeuerwehren im Landkreis geben wird. Die Nachwuchssorgen seien auf dem Land nämlich längst nicht so brisant wie in den Städten.

In Bad Tölz gibt es immer wieder Nachwuchskräfte, sagt Kreisbrandinspektor Hermann John. Die Mitgliederzahl sei aber seit 25, 30 Jahren annähernd gleich. „Uns rennt auch niemand die Bude ein.“ Die Jugend habe einfach ein riesiges Freizeitangebot und brauche die Gemeinschaft nicht mehr so wie früher. Dass eine Kinderfeuerwehr das Geheimrezept dagegen sein soll, glaubt John aber nicht.

„Wie sollen wir die Zeit überbrücken, bis die Kinder in die Grundausbildung gehen und richtig üben können?“ John bezweifelt, dass man so lange das Interesse der Kinder aufrechterhalten könne. Bei der Feuerwehr Kochel ist das jüngste Mitglied 14 Jahre alt. „In diesem Alter können die Jugendlichen die Grundausbildung machen“, sagt Kommandant Hubert Resenberger. Ab 16 Jahren dürfen sie bei Einsätzen mitfahren, wenn sie außerhalb des Gefahrenbereichs bleiben.

Was er mit Kindern solange machen sollte, weiß Resenberger ebenfalls nicht. „Wenn uns der Ferienpass, Schulen oder Kindergärten besuchen, sagen wir, dass sie mit 14 anfangen können“, sagt Resenberger. Und bei dieser Regelung werde es erst mal auch bleiben.

Die Jugendlichen bei der Feuerwehr Bad Heilbrunn sind von Anfang an bei den Aktiven dabei. „Für Kinder müssten wir extra Gruppen bilden. Das ist zeitlich schwierig“, sagt Kommandant Dominik Haustein. Daher hat eine Kinderfeuerwehr in seinen Augen wenig Sinn. „So große Nachwuchssorgen haben wir noch nicht.“

Allerdings: „Bei solchen Sachen sollten wir nicht nur reagieren, sondern früher handeln“, sagt Murböck. Also doch eine Kinderfeuerwehr? Der Kreisbrandrat will sich dem nicht verwehren. Es sei gut, wenn sie mit einem Gesetz auf saubere Füße gestellt wird. „Aber es gehört noch mehr dazu: Von der Aufsichtspflicht bis zu kleinen Stühlen, damit die Kinder richtig sitzen können.“

Johann Rumml aus Reichersbeuern hofft, dass sich das Ehrenamt und die Hilfsbereitschaft auch ohne Kinderfeuerwehr wieder mehr herumsprechen, um den Brandschutz im Dorf sicherzustellen. Im Januar schreibt die Gemeinde wieder alle 16-Jährigen an. Wie viele sich dann melden, „liegt nicht in unserer Hand“.

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