+
Das Team vom Tölzer Traditionskino (v. li.): Betreiber Roland Wolf, die Theaterleiter Sabine und Oliver Sohnius (hinten), Marketingchefin Katharina Sohnius, Berater Michael Spiegel, Ausstatter Dirk Heckmann und Raumausstatter Peter Walherr im renovierten Saal des „Capitol“. 

Heute öffnet das renovierte „Capitol“

Kino-Ambiente wie anno dazumal

  • schließen

Nostalgie ist im Trend. Frisch renoviert im Stil der 1950er-Jahre nimmt heute das Kino am Amortplatz wieder den Betrieb auf.

Bad Tölz – 1956 lief der erste Film im Kino am Tölzer Amortplatz. Heute Abend beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des Traditionshauses – und dabei soll vieles so aussehen wie damals. Mit dem Oscar-prämierten Film „Moonlight“ (20 Uhr) wird Wiedereröffnung gefeiert, nachdem der größte Saal, das „Capitol“, der Eingangsbereich sowie die Treppe im nostalgischen Stil renoviert und umgestaltet wurden.

Das ganz besondere Ambiente erhalten beziehungsweise wiederherstellen: Das war der Wunsch der Kinobesucher, wie Marketingleiterin Katharina Sohnius in einer Umfrage herausgefunden hatte. Und das wurde auch zur Maxime bei der jetzt abgeschlossenen, rund 100 000 Euro teuren Renovierung. Dazu gehörten unter anderem neue Wandfarbe, neue Teppichböden und Wandbespannungen, ein Beleuchtungskonzept und viel Originalausstattung aus den 1950er- und 60er-Jahren.

„Mein Grundprinzip war: Ich möchte es authentisch gestalten“, erklärt Ausstatter Dirk Heckmann. „Die Objekte sollten nicht gekünstelt, ,im Stil von. . .‘ wirken, sondern wirklich aus der Zeit sein.“ So trug er etwa zehn Original-Lampen für Wände und Decken zusammen. „Das ist gar nicht so leicht, denn die Lampen bekommt man nur einzeln“, erklärt Michael Spiegel. Der Freiberufler hat im Auftrag von Kinobetreiber Roland Wolf das Konzept für die Renovierung erstellt – wie übrigens auch für Wolfs „Hochland-Kino“ in Garmisch-Partenkirchen.

Weitere Highlights im Haus am Amortplatz sind das Original-50er-Jahre-Schild über der Kinokasse sowie ein handgemaltes Filmtransparent von 1953. Das darauf beworbene B-Movie „Die Falle am Snake River“ ist längst in Vergessenheit geraten, macht aber die Filmfaszination vergangener Zeiten lebendig.

Spiegel ist überzeugt: So ein 50er-Jahre-Kino in Original-Optik ist eine echte Rarität. „Außerhalb von Großstädten werden Sie Schwierigkeiten haben, so etwas zu finden.“ Und überhaupt schreibt er dem „Capitol“ mit seiner zentralen Lage in der Altstadt und einem Einzugsgebiet von „etwa 100 000 Einwohnern“ großes Potenzial zu.

Bis zu 287 Besucher können im „Capitol“ Filme auf der neuen, in Frankreich maßangefertigten Leinwand genießen. Die kleineren Säle „Casino“ (140 Plätze) und die „Stubn“, die mit ihren 58 Plätzen Kult-Status genießt, blieben vorerst unangetastet.

Betreiber Wolf, der das „Capitol“ 1985 übernahm und dem auch das Isar-Kinocenter gehört, ist nun stolz, in Bad Tölz insgesamt acht Säle anzubieten und dabei das ganze Spektrum an Filmen abzudecken. Während das große Haus im Moraltpark Blockbuster fürs breite und junge Publikum zeigt, soll sich das Kleinod am Amortplatz noch stärker als bisher auf Programmkino und Filmkunst spezialisieren.

Auch für die Programmgestaltung wird Michael Spiegel zuständig sein. „Das ist noch zu entwickeln“, sagt er. Ab Herbst denkt er etwa an Sonntagsmatineen, „punktuell Originalfassungen“, „vielleicht einmal im Monat einen Klassiker“ oder auch Opernübertragungen aus der Metropolitan Opera in New York. Im Oktober zeigt das „Capitol“ die Literaturverfilmungen „Tod in Venedig“, „Der Zauberberg“ und die „Buddenbrooks“ – ein Beitrag zum Tölzer Thomas-Mann-Jahr.

Kinobetreiber Wolf hat in Tölz bekanntlich noch weitere Pläne: Gerne würde er in den Räumen der benachbarten ehemaligen Disco noch zwei oder drei zusätzliche Säle fürs Isar-Kinocenter einrichten. Nach wie vor wartet er jedoch auf eine Entscheidung des Immobilieneigentümers, der Berliner Gesellschaft Berlinovo.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kommentare