Den Standort, an dem derzeit noch das Kioskhäuschen steht, möchte die Stadt Bad Tölz künftig anders gestalten.
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Den Standort, an dem derzeit noch das Kioskhäuschen steht, möchte die Stadt Bad Tölz künftig anders gestalten.

Abriss beschlossene Sache

Kiosk am Amortplatz geschlossen - Stadt hat andere Pläne mit dem Platz

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der Kiosk am Amortplatz in Bad Tölz steht seit einigen Tagen leer. Der bisherige Pächter hätte ihn gern an einen Nachfolger übergeben. Stattdessen soll das Häuschen abgerissen werden.

Bad Tölz – Über viele Jahrzehnte war es ein Treffpunkt, der zum Tölzer Ortsbild dazugehörte. Seit wenigen Tagen allerdings hat der Kiosk am Amortplatz geschlossen. Eine Nachfolgenutzung ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen. Vielmehr soll der Kiosk demnächst abgerissen werden - sehr zum Ärger des bisherigen Inhabers, der das Häuschen gerne verkauft hätte.

Siegfried Burger erklärt, er habe den Kiosk aus Alters- und Gesundheitsgründen aufgegeben und den Pachtvertrag bei der Stadt gekündigt. Ihm zufolge gab es mehrere Interessenten für eine Übernahme des Kiosks. Ein Weiterbetrieb des Kiosks sei aber am Willen der Stadt gescheitert.

„In der letzten Zeit haben sich fünf oder sechs Interessenten bei mir gemeldet“, erklärt Burger. Einige hätten das kleine Gebäude als Kiosk weiterbetreiben wollen, ein oder zwei hätten auch die Idee gehabt, dort einen Eisstand einzurichten.

Inhaber wollte Kiosk in Bad Tölz verkaufen - nun soll er abgerissen werden

Er habe vorgehabt, das Kioskgebäude zu verkaufen, so Burger. „Es war so gedacht, dass wir aus dem Erlös ein bisschen was fürs Alter haben“, sagt der 62-Jährige. Doch diesen Plan habe die Stadt vereitelt. „Jetzt stehen wir mit leeren Händen da.“

Tatsächlich ist es nach übereinstimmender Darstellung von Burger sowie Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach so, dass der Grund, auf dem der Kiosk steht, der Stadt gehört und sie ihn an den Betreiber verpachtet hat. Für das Häuschen selbst aber hat Burger an seinen Vorgänger eine Ablöse bezahlt, als er den Kiosk vor 16 Jahren übernahm. Daher hatte Burger darauf spekuliert, seinerseits eine Ablöse von einem Nachfolger zu erhalten.

Finanzausschuss des Stadtrats Bad Tölz wünscht sich andere Nutzung des Platzes

Es kam anders. Als Burger der Stadt mitteilte, dass er sich zur Ruhe setzen wolle, beriet der Finanzausschuss des Tölzer Stadtrats nicht-öffentlich darüber, was die Stadt künftig mit der Fläche anfangen will. „Dabei hat die Mehrheit der Ausschuss-Mitglieder entschieden, dass es an dieser Stelle keinen Kiosk mehr geben, sondern der Platz anderweitig genutzt werden soll“, erklärt Otterbach auf Anfrage. Es gebe „Überlegungen, den Platz aufzuwerten“. Es sei dazu aber nichts Konkretes spruchreif.

Laut den Bestimmungen im Pachtvertrag müsste Burger nun sogar den Abriss des Kiosks bezahlen. Man habe sich aber darauf geeinigt, dass die Stadt die Kosten übernimmt: Auch in diesem Punkt stimmen die Darstellungen beider Seiten überein.

Ex-Kiosk-Pächter in Bad Tölz meint: Weiterbetrieb hätte sich gelohnt

Persönlich kann Burger nur „nicht ganz verstehen, warum die Stadt den Kiosk absolut weghaben wollte“. Nach seiner Einschätzung würde sich der Betrieb für einen möglichen Nachfolger durchaus rentieren. Ihm habe es jedenfalls nicht an Kundschaft gemangelt. Es sei gerade auch für ältere Leute ein sozialer Treffpunkt gewesen. „Allein etwa 50 Kunden haben sich bei mir jede Woche ihre Zeitung zum Abholen reservieren lassen“, sagt er. Ein Kunde sei extra immer aus Egling gekommen, um sich bei ihm eine Wochenzeitung sowie einen „Perry Rhodan“-Roman zu kaufen. Diese Heftchen habe der Kunde nirgendwo anders auftreiben können, erinnert sich Burger.

Jedenfalls endet mit dem Abriss des Kiosks eine lange Tradition. Über seine Neueröffnung berichtete der Tölzer Kurier am 3. Juli 1970 – doch offenbar hatte es schon zuvor einen Kiosk an diesem Standort gegeben.

Aus Kiosk am Isarkai in Bad Tölz wird ein Dönerstand

Eine Veränderung gibt es unterdessen auch beim Kiosk am ZOB am Isarkai, der ebenfalls von der Stadt verpachtet wird. Auch hier habe der bisherige Pächter aufgehört, erklärt Birte Otterbach. Für die Nachfolge habe es „viele Anfragen gegeben“, so die Rathaus-Sprecherin, allerdings nicht für eine Nutzung als Kiosk.

Prinzipiell sei vorgesehen, den Isarkai und speziell die dortige Toilettenanlage umzugestalten. Dieses Projekt habe der Stadtrat aber aufgrund der aktuellen finanziellen Unsicherheit durch die Corona-Lage vorerst hintangestellt. Für den Kiosk wurde derweil noch einmal ein neuer Pachtvertrag für vier Jahre geschlossen. Hier werden nun aber Döner verkauft.

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