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Missbrauchsskandal: Pfarrer nutzt Predigt für sehr deutliche Worte: „....dann war es das mit unserer Kirche“

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Der Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair hat in einer Predigt deutliche Worte zum Missbrauchsskandal im Erzbistum München-Freising gefunden (Fotomontage).
Der Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair hat in einer Predigt deutliche Worte zum Missbrauchsskandal im Erzbistum München-Freising gefunden (Fotomontage). © Pröhl

Der Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair findet klare Worte zu Missbrauchsskandal. In seiner Predigt am Sonntag spricht er in der Tölzer Stadtpfarrkirche über seine Haltung zu dem düsteren Kapitel der Kirche.

Bad Tölz – Offiziell dürfen sich Geistliche den Medien gegenüber nicht zum aktuellen Missbrauchsgutachten im Erzbistum München-Freising äußern. Dafür sei allein die Münchner Pressestelle zuständig, lautet eine Anweisung aus dem Ordinariat (wir berichteten). In seiner Predigt in der Stadtpfarrkirche aber nahm der Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair am Sonntag schonungslos Stellung zu der Thematik. Dem Kirchenvolk sei in der vergangenen Woche viel zugemutet worden, begann der Pfarrverbandsleiter. Die Gläubigen könnten gerade nicht froh und unverzagt in die Kirche gehen. Die Vorwürfe zeigten unter anderem Beschämendes, Ekelerregendes, ja Hilflosigkeit, die mehr als traurig machten.

Pfarrer Demmelmair aus Bad Tölz: „Scherbenhaufen“ innerhalb der Kirche

Demmelmair sprach von einem „Scherbenhaufen“ innerhalb der katholischen Kirche. Er löste ein in bestimmten klerikalen Kreisen weit verbreitetes Missverständnis auf: Nicht die Institution Kirche sei „das Licht der Welt“, sondern allein Jesus Christus, so der Geistliche. Der Seelsorger wiederholte aus dem vorgetragenen Lukasevangelium: Er, der Messias, sei gekommen, die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und den Blinden das Augenlicht zu bringen. Mit Letzterem sei keine Sehschwäche gemeint, betonte der Stadtpfarrer, sondern dass man der Wahrheit ins Auge blicken und Tatsachen beim Namen nennen sollte. Kirche müsse noch sozialer werden, wieder „jesuanisch“.

Demmelmair: Vorwürfe zeigen Beschämendes und Ekelerregendes

„Vielleicht bewirkt der ganze Skandal jetzt auch etwas Gutes“, meinte der Stadtpfarrer. Schon die ersten Kirchenväter hätten immer davon gesprochen, dass die Kirche sich stets erneuern, sich wandeln müsse. „Wenn das Haus einstürzt, ist der Neuaufbau schon im Gange“, zitierte Demmelmair ein Sprichwort und fügte hinzu: „Wenn aber der Neuaufbau nicht kommt, dann war es das mit unserer Kirche.“ (Birgit Botzenhart)

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