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„Schade, dass er weg ist“: Der Neonschriftzug „Bedingungslose Liebe“ über der Tür der Mühlfeldkirche wurde abgenommen. Er soll künftig an einem anderen Tölzer Gebäude zum Nachdenken anregen. 

Kunstwerk an der Mühlfeldkirche abgenommen 

„Schade, dass es weg ist“

Er hat für viele Diskussionen gesorgt: der Schriftzug „Bedingungslose Liebe“ in gelbem Neonlicht an der Mühlfeldkirche. Das Kunstwerk wurde vor kurzem abgenommen. „Sie hat ihren Zweck erreicht“, ist Pfarrer Peter Demmelmair überzeugt.

Bad Tölz – Zwei Jahre lang hing der Neonschriftzug nun über der Eingangstür der 280 Jahren alten Mühlfeldkirche. Da da Gotteshaus denkmalgeschützt ist, war klar, dass die vom Baugeschäft Schneider gesponserte Kunstinstallation nur zeitweise hängen darf. Nach einer Verlängerung der Frist, erläutert Stadtpfarrer Peter Demmelmair, wurde sie im November abgenommen.

Anfangs gab es viel Wirbel um das seltsame Kunstwerk mit der „Gelati-Schrift“, wie ein Kritiker meinte. „Ein super Spruch und eine ganz starke Aussage“ sei die „Bedingungslose Liebe“ gewesen, sagt der Tölzer Pfarrherr und ist fest überzeugt, dass der Schriftzug nach anfänglichen Irritationen zum Nachdenken anregte und „unterm Strich viel erreicht hat, was übers Kopfschütteln hinausgeht“. Auf ein Marien-Monogramm oder die bekannten IHS-Jesus-Buchstaben hätte man nämlich wohl gar nicht mehr hingeschaut, sagt Demmelmair.

Auf den Neonschriftzug hätten ihn sogar ausgesprochen kirchenfremde Tölzer angesprochen und sich darüber gefreut, dass die Pfarrei zu so einer Kunstaktion den Mut aufgebracht habe.

Demmelmair ist für so ungewöhnliche Initiativen schon früher zu haben gewesen. 2013 verhüllten Künstler in der Fastenzeit für sechs Wochen alle Figuren der Stiftskirche Berchtesgaden. „Mei, da is aufganga“, erinnert sich der 56-Jährige an die darauf folgenden hitzigen Diskussionen. Aber, sagt und zitiert den Dichter Christian Morgenstern, „man sieht etwas oft 100, ja 1000 Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.“ So sei das damals auch mit den Heiligenfiguren in der Kirche gewesen.

Was geschieht nun mit dem Neonschriftzug „Bedingungslose Liebe“? Es gibt schon eine Idee, verrät Peter Demmelmair, die aber noch nicht ganz spruchreif ist. Auch Thomas Schneider vom gleichnamigen Baugeschäft weiß schon davon, dass das Kunstwerk vielleicht an einem Tölzer Gebäude angebracht wird. Das werde gerade ausgelotet. Schneider freut sich über die Wirkung und Strahlkraft des Schriftzugs. Ihn an der Mühlfeldkirche so prominent aufzuhängen, sei so mutig gewesen wie es die bedingungslose Liebe selbst ja auch sei. „Schade, dass er weg ist.“

Christoph Schnitzer

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