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Auch im Landkreis kehrten zahlreiche Gläubige der katholischen und evangelischen Kirche den Rücken.

Steigende Zahlen

Kirchenaustritt: Frust hat viele Gründe

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Auch in Bad Tölz-Wolfratshausen kehren viele Menschen den beiden großen Kirchen den Rücken. Pfarrer aus dem Landkreis verfolgen unterschiedliche Gegenstrategien.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Der bundesweite Trend, dass immer Menschen sowohl aus der katholischen als auch aus der evangelischen Kirche austreten, zeigt sich auch in der Region. Laut Statistik der Erzdiözese München-Freising lebten im Landkreis im vergangenen Jahr 57 838 Katholiken, das sind 1532 weniger als noch 2015.Nicht ganz so stark ist der Rückgang bei den Protestanten: Waren es 2004 noch 4300, sind es jetzt 3998, berichtet der Tölzer Dekan Martin Steinbach über sein Einzugsgebiet (Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach). „Bei uns ist der Rückgang nicht so stark wie in Franken oder Norddeutschland“, sagt Steinbach. Der Grund: „Viele Menschen, die hier in den Süden ziehen, sind evangelisch.“

Ist jemand ausgetreten, bekommen sowohl Protestanten als auch Katholiken Post vom örtlichen Pfarrer. Die Seelsorger bieten Gespräche an und erkundigen sich nach den Gründen. Zwar beantworten durchaus einige diesen Brief, doch zur Umkehr bewege man in der Regel niemanden, berichten die Pfarrer übereinstimmend. Immerhin: So gut wie nie werde Unzufriedenheit mit der eigenen Ortskirche als Grund für den Austritt angegeben. „Meistens ist es eine schleichende Entfremdung, die über Jahre hinweg stattfindet“, sagt Steinbach.

Pfarrer suchen Gespräch mit Gläubigen, die mit der Kirche hadern

Wer aus emotionalen Gründen mit der Kirche hadere, mit dem komme man in der Regel vorher ins Gespräch, berichtet der Tölzer Stadtpfarrer Peter Demmelmair. „Diese Menschen wollen gehört werden.“ Auch Florian Gruber, evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen, konnte in Gesprächen schon Gläubige von ihrem Entschluss abbringen. „Über Beziehungsarbeit kann man viel erreichen.“

Menschen, die sich aktiv in der Kirchengemeinde engagieren, würden selten austreten, sagt Demmelmair. Häufig sei die Abkehr eine Mischung aus mangelndem Bezug, Unzufriedenheit mit der Amtskirche und der Kirchensteuer. „Und wenn dann noch ein konkretes Thema kommt, etwa Ärger über eine Aussage vom Bischof, ist der finale Punkt erreicht.“

Gründe für Kirchenaustritt: Kirchensteuer und Missbrauchsskandale

Die Kirchensteuer spiele dann eine Rolle, wenn Paare in der Familiengründungsphase seien und zum Beispiel eine teure Immobilie stemmen müssten, haben alle Pfarrer festgestellt. Der Missbrauchsskandal spiele mittlerweile eine untergeordnete Rolle, sagt Ludwig Scheiel vom Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern. „Ich beobachte momentan eher den Unmut über eine versteinerte katholische Kirche, die keine Reformen angehen will.“ Viele Menschen würden aber auch oberflächlicher werden „und den Glauben nicht mehr brauchen“, sagt Scheiel: „Das ist ein Problem unserer Wohlstandsgesellschaft.“

Ähnliche Erfahrungen machen auch die Protestanten. „Viele Menschen glauben an Gott, können aber mit der Institution Kirche nichts mehr anfangen“, sagt Georg Bücheler. Er ist seit 22 Jahren Pfarrer in Geretsried und unterrichtet an der Schule. Heutzutage sei Religionsunterricht „eine Pionierarbeit“, sagt Bücheler.

Was tun gegen Kirchenaustritte? Pfarrer plädiert dafür, Frauen fürs Priesteramt zuzulassen

„Wir müssen aktiv auf die Jüngeren zugehen“, sagt sein Amtskollege Florian Gruber von St. Michael in Wolfratshausen. Durchschnittlich besuchen dort zwischen 50 und 70 Jugendliche die Konfirmandenkurse. „Wenn die jungen Menschen in dieser Zeit gute Erfahrungen machen, dann entwickeln sie einen Bezug zur Kirche“, sagt Gruber.

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Diese Meinung teilen auch seine Kollegen. Man könne zwar vor Ort sehr gut arbeiten, sagt Pfarrer Scheiel aus Gaißach. „Das hilft aber alles nichts, wenn die Probleme, die die Leute vor Ort äußern, weiter oben nicht gehört und nicht bearbeitet werden.“ Er setzt sich seit Längerem dafür ein, Frauen fürs Priesteramt zuzulassen. „Das löst aber auch nicht alle Probleme“, meint sein Kollege Demmelmair aus Tölz.

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Die Pfarrer sind sich einig, dass breitere Wege beschritten werden müssen, um die Menschen in ihrem Alltag zu erreichen. Demmelmair bietet ab Oktober siebenmal ein „Glaubens-Update“ an, bei dem gemeinsam Fragen erörtert werden, wie „Greift Gott in die Geschichte ein?“ und „Wozu ist Kirche gut?“ Georg Bücheler möchte, dass „unsere Kirchengemeinde kommunal als eine starke, wertvolle und kreative Stimme für die gesellschaftliche Entwicklung in Geretsried gehört und wahrgenommen wird“. Kirche sei für alle da, nicht nur für die Mitglieder, sagt Florian Gruber.

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Angst vor der Zukunft haben die Seelsorger nicht. „Es wird weniger Christen und weniger Pfarrer geben“, sagt Martin Steinbach. „Aber es wird immer genügend Leute geben, die sich gerne und aus ganzem Herzen für den Glauben engagieren.“

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