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Mit vier Gegenstimmen beschloss der Stadtrat den Bebauungsplan für das Alpamare-Areal. Möglich ist dort ausschließlich eine touristische Nutzung.

„Klare Kante“ zeigen gegen die Jod AG

Eigentlich hatte schon der Tölzer Bauausschuss die Weichen für die Zukunft des Jodquellenhof- und Alpamare-Areals gestellt. Auf der rund 2,4 Hektar großen Fläche sollen nur Hotelnutzung und ergänzende Betriebe (Gastronomie, Wellness, Tagung) zulässig sein. Der Stadtrat bestätigte in seiner Sitzung am Dienstag diese Entscheidung und geht ganz bewusst das Risiko eines Rechtsstreits ein.

Bad Tölz – Christof Botzenhart (CSU) nahm zunächst einmal den Bericht im Tölzer Kurier über die juristische Schlappe der Stadt im Häringer-Fall (Bruckfeld) zum Anlass nachzufragen: „Können wir daraus etwas lernen?“ Bauamtsleiter Christian Fürstbergers Antwort: „Nein, das ist ein ganz anderer Fall.“ Der Bebauungsplan auf dem Bruckfeld-Areal sei unter anderem deshalb „durchgefallen“, weil drei private Grundeigentümer betroffen seien. In einem Fall, direkt neben der Bruckfeld-Ruine, stehe bereits seit langem ein Wohnhaus. Der Eigentümer müsste sich bei Abriss und Neubau der Bebauungsplan-Forderung nach touristischer Nutzung beugen. Das hatte das Gericht als unbillig zurückgewiesen und den Bebauungsplan gekippt. Die Stadt will aber in Berufung gehen.

Der Fall am Alpamare-Areal sei völlig anders gelagert, meint Fürstberger. Dort bestehe seit Jahrzehnten eine touristische Nutzung und keine Wohnbebauung. Das von der Jod AG ebenfalls angeführte Argument der mehreren Eigentümer (Jodquellenhof, Alpabob, Freizeitcenter Breitscheid) beurteilt die Stadt ebenfalls anders: „Das sind 100-prozentige Tochtergesellschaften des Mutterkonzerns Jod AG.“

Richard Hoch (Grüne) wollte dennoch nicht einfach hinnehmen, dass „das jetzt unvermeidbar vor Gericht endet“ und bat um einen Runden Tisch mit einem Mediator. Es müssten Gespräche mit Jod-AG-Chef Anton Hoefter geführt werden. Ins selbe Horn blies Peter Wiedemann (FWG), der den nicht gerade freundlichen Gesprächston beklagte und von einer „aufgebauten Konfrontation“ sprach. Da müsse die Luft raus. „Wir haben ja auch noch den ganzen anderen Hoefter-Besitz mit der Wandelhalle.“ Wiedemann fürchtete Heilbrunner Verhältnisse mit schwarzen Fensterkreuzen und bat dringend um weitere Gespräche. Peter von der Wippel (FWG) war seiner Meinung. Mit der Forderung nach 100 Prozent touristischer Nutzung am Alpamare-Areal werde die Stadt nämlich bestimmt keine Konsens-Lösung mit Hoefter erzielen.

Bürgermeister Josef Janker gab deutlich Kontra. Man treffe sich auch jetzt regelmäßig mit Anton Hoefter. Man sei also im Gespräch. Es gebe aber nun mal zwei Positionen und die müssten nun juristisch geklärt werden. „Dann kann man verhandeln.“ Außerdem sei man ja noch lange nicht im Gerichtsverfahren. Da könne noch viel passieren. Das unterstrich auch Fürstberger, der dringend davon abriet, die eigenen Positionen aufzuweichen und „gleich wieder alle Trümpfe auf den Tisch zu legen“.

Fürstberger ist sich gar nicht so sicher, ob die Jod AG eine touristische Nutzung auf dem Alpamare-Areal immer noch kategorisch ausschließt. Da höre man durchaus Unterschiedliches. Der Bebauungsplan müsse übrigens auch deshalb beschlossen werden, „weil die Veränderungssperre“ ausläuft“.

Willi Streicher (SPD) hielt eine „klare Kante“ für absolut notwendig. „Du brauchst Fakten, sonst kannst Du nicht verhandeln.“ Er erinnerte an die negativen Erfahrungen der Stadt in der Vergangenheit „mit diesem Verhandlungspartner“ und nannte das Stichwort Bebauung Wilhelmstraße. Streicher sprach sich dafür aus, das ganze Gelände zu kaufen. „Wir sollten dafür Interesse zeigen.“

Kämmerer Hermann Forster hatte eigentlich schweigen wollen, sah sich aber „als Heilbrunner“ doch genötigt, daran zu erinnern, dass es im Nachbarort nach 30 Jahren Streit mit der Hoefter-Familie „erst dann eine Lösung gegeben hat, als der Bebauungsplan durch war“. Eine „Good-will-Tour“ funktioniere nicht. An die Räte appellierte er: „Lasst Euch ja nicht ins Bockshorn jagen!“

Gegen die Stimmen von Hoch (Grüne), Harrer, von der Wippel und Peter Wiedemann (alle FWG) wurde der Bebauungsplan „Sondergebiet Bäderviertel“ als Satzung beschlossen.

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