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In vielen Funktionen für die Stadt gearbeitet: Klaus Pelikan (li.) erhielt zum Abschied eine Winzerer-Figur von den Bürgermeistern Josef Janker (re.) und Andreas Wiedemann.

Klaus Pelikan verabschiedet

Mit Vollgas in den Ruhestand

Bad Tölz – Am Ende eines 44-jährigen Berufslebens durfte sich Klaus Pelikan darüber freuen, dass die Tölzer Stadträte geschlossen aufstanden und ihm applaudierten. 27 Jahre lang hatte der gebürtige Münchner in verschiedenen Funktionen für die Stadt gearbeitet.

Der 64-Jährige war nicht unumstritten gewesen und hatte etwa als Geschäftsleitender Beamter einen Führungstypus verkörpert, der mitunter anachronistisch anmutete. Das passte so gar nicht zu dem Visionär, der ohne Zweifel auch in Pelikan steckte. Über die Jahre hatte er viele gute Ideen, gab Anregungen und schätzte Zukunftsentwicklungen richtig ein.

Aufgewachsen im Dachauer Land, absolvierte der FOS’ler der ersten Stunde bei der Stadt München seine Ausbildung für den gehobenen Dienst. In den Gemeinden Ottobrunn und Oberhaching holte er sich über die Jahre in Führungspositionen das Rüstzeug für die Verwaltungsarbeit einer Kommune, bevor er 1989 als Geschäftsleitender Beamter nach Tölz geholt wurde. Das war übrigens kurz vor Leonhardi, wie er sich erinnert. Das Thema „Lehards“ sollte ihn nie mehr loslassen.

Mit vier Tölzer Bürgermeistern hat Pelikan zusammengearbeitet. Im Frage- und Antwortspiel charakterisiert er sie. Eckart Fadinger: „durchsetzungsfreudig, fachkundig“. Albert Schäffenacker: „menschlich“. Josef Niedermaier: „bodenständig, politisch denkend“. Josef Janker: „gradraus, praktisch, nicht politisch denkend“.

Im Januar 2007 bestellte Niedermaier Pelikan zum Nachfolger des scheidenden Kurdirektors Georg Overs. Sechs Jahre später berief ihn Janker als persönlichen Referenten zurück ins Rathaus. Pelikan habe alle Herausforderungen angenommen, sagte Janker in der Verabschiedung in der Weihnachtssitzung.

Es gab viele Themenbereiche, bei denen Pelikan von Anfang an mitmischte. Er selbst erinnert sich an die Radiomeldung, als die Amerikaner ihren Abzug aus Tölz verkündeten. Noch am selben Tag habe Albert Schäffenacker ein Schreiben an den Bund verschickt und im Ringen um die Immobilie für die Stadt den Hut in den Ring geworfen. Dass die Stadt in der Folge Zwischennutzungen in der Kaserne zuließ, hat Pelikan damals kritisiert. „Das hat den Preis kaputt gemacht.“

Was er der Stadt für die Zukunft rät? Bei den Tölzer Stärken nicht nur auf die Themen Gesundheit, sondern auch auf Tradition und Kultur zu setzen. Letztere Themen lagen ihm immer besonders am Herzen. In Marionettentheater, Stadtmuseum und Stadtbibliothek stieß er die dringend nötigen Reformprozesse und Umbauten entscheidend mit an. Die Werbewirksamkeit des „Bullen von Tölz“ hat Pelikan deutlich früher als der Rest der Stadtverwaltung erkannt und der Serie mit der Schaffung des Bullen-Brunnens und der Förderung des Bullen-Museums bis zuletzt die Treue gehalten. Für die Stadt moderierte er den Arbeitskreis Hindenburgweg.

Im touristischen Bereich ist Pelikan heute noch stolz darauf, dass er zusammen mit Anneliese Sailer und Harald Roßberger das erfolgreiche Konzept der „Stadt mit der besonderen Note“ kreierte. Der Kreis schloss sich für Klaus Pelikan mit der Aufnahme der Tölzer Leonhardifahrt in die deutsche Liste für das immaterielle Unesco-Kulturerbe. Der Stadtrat stimmte nach hartem Ringen um die Argumente erst im zweiten Anlauf zu. Inzwischen ist die Initiative unbestritten.

Wie geht’s nun weiter für Klaus Pelikan? Am Freitag, 30. Dezember, hat der Weyarner den letzten Arbeitstag. Seine Frau geht im Februar in den Ruhestand. Dann stehen die Enkelkinder im Mittelpunkt und das Reisen. Pelikan ist begeisterter Camper und hat auch den Tölzer Stellplatz für Wohnmobilisten initiiert. Der 64-Jährige reist gerne, hat ein Boot und seit Kurzem auch einen Motorrad-Führerschein. Eine 1150er-BMW wartet. Außerdem ist er Gemeinderat in Weyarn und geht auf die Jagd. Langweilig, sagt er, „wird mir so schnell nicht“.

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