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Wird immer öfter ausgestellt: Der kleine Waffenschein.  

49 Berechtigungen ausgestellt

Kleiner Waffenschein, große Nachfrage

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Bad Tölz-Wolfratshausen –  Immer mehr Menschen beantragen den Kleinen Waffenschein. Auch im Landkreis ist die Zahl gestiegen. Über die Gründe können Waffenexperten nur spekulieren.

Der Kleine Waffenschein boomt in Bayern. Dieser Trend macht sich auch im Landkreis bemerkbar. 49 solcher Berechtigungen hat das Landratsamt heuer ausgestellt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es 28 und 2013 fragten nur neun Personen nach dem Kleinen Waffenschein.

„Die Zahl ist extrem gestiegen“, sagt Matthias Schmid, der im Landratsamt für das Thema Waffenrecht zuständig ist. Warum immer mehr Bürger im Landkreis einen Kleinen Waffenschein haben wollen, „das ist die Frage“, so Schmid. „Darüber kann ich nur mutmaßen.“

Der Schein berechtigt, sogenannte SRS-Waffen bei sich zu tragen, also Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. „Die Hürde ist relativ niedrig“, sagt Schmid. Der Antragsteller müsse volljährig, laut Führungszeugnis zuverlässig und persönlich geeignet sein. Das heißt, es dürfen keine körperlichen oder geistigen Mängel vorliegen. „Wir prüfen den Antrag. Wenn alles in Ordnung ist, stellen wir den Schein aus. Das kostet 100 Euro.“

Dem Tölzer Vize-Polizeichef Josef Mayr ist prinzipiell jede registrierte Waffe lieber als eine illegale. Allerdings sei jede Waffe – auch die mit dem Kleinen Waffenschein – potentiell gefährlich. „Ich persönlich halte Schreckschusswaffen für sehr gefährlich, weil ein anderer Waffenträger unter Umständen nicht erkennt, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelt“, sagt Mayr.

Es ist immer öfter zu hören, dass sich mehr Leute Waffen zulegen, weil sie um ihre Sicherheit fürchten – etwa nach den Terroranschlägen in Paris. Das kann Mayr nicht bestätigen. „Welche Motivation dahinter steckt, kann ich nicht beurteilen“, sagt er.

Würde ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung bestehen, müsste sich das auch bei den Selbstverteidigungskursen bemerkbar machen. Hans Kaiser, Leiter der Teakwondoschule in Tölz hat schon häufiger gehört, dass sich mehr Menschen für Schnellkurse anmelden. „Das hat mich sehr gewundert.“

Schaut Kaiser in seine Anmeldezahlen, stellt er nämlich genau das Gegenteil fest: Für den aktuellen Kurs hat sich nur eine Frau angemeldet, davor waren es fünf und davor acht. „Die Teakwondoschule ist schon voll, aber dort sind es im Winter immer mehr Teilnehmer als im Sommer.“

Notwehr mit der Schreckschusswaffe – Matthias Schmid hält das für fraglich. „Was viele nicht wissen: Der Kleine Waffenschein berechtigt nur dazu, eine Waffe in der Öffentlichkeit zu führen“, erklärt Schmid. „Schießen darf man damit nur auf dem eigenen Grundstück oder bei einem Freund, wenn er das erlaubt.“ Nur wenn jemand auf Leib und Leben bedroht ist, darf er sich mit seiner Waffe zur Wehr setzen. „Da reicht es nicht, wenn jemand am Gartenzaun steht und nicht gleich weggeht, wenn ich ihm das sage“, so Mayr.

Auch wenn die Zahl der Kleine Waffenscheine steigt, im Tölzer Waffen-Stüberl gehen nicht mehr Schreckschusswaffen als üblich über die Ladentheke. „Meiner Meinung nach ist das Augenwischerei“, sagt Inhaber Markus Lehner. Diejenigen, die sich derzeit für Schreckschusswaffen interessieren, wollten an Silvester ihr Feuerwerk damit zünden.

Entgegen einiger Nachrichten, dass Pfefferspray aufgrund der Nachfrage kaum noch zu bekommen sei, sagt Lehner: „Wir haben immer ausreichend Pfefferspray da.“ Hier verzeichnet er nur einen minimalen Anstieg. „Wenn ich sonst 20 pro Woche verkauft habe, sind es jetzt vielleicht 25.“ Das könne sich natürlich von heute auf morgen steigern, wenn die Leute sagen, sie haben Angst. „Ein Pfefferspray dabei zu haben, ist nie verkehrt“, sagt Lehner.

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