Bad Tölz: Kneipen-Karussell im Schleudergang

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Bad Tölz - Eine neue Shisha-Bar im ehemaligen Subraum, der Traum vom ersten Irish Pub, das Aus für die Disko Nao nach nur wenigen Monaten: Im städtischen Kneipenleben verändert sich gerade vieles. „Mit Tölz geht es bergab“, mahnen die einen. Doch es gibt auch Gastronomen, die mit ausgefeilten Konzepten in die Zukunft starten.

Marché geschlossen

Ein Bistro in Tegernsee, eine Disko in Geretsried, mehrere Kneipen in Tölz, darunter der 1979 eröffnete „Michel’s Club“: 40 Jahre lang war Michel Savic Gastronom. „Das reicht, der Pachtvertrag ist ausgelaufen. Es war eine schöne Zeit“, antwortet er kurz, wenn man ihn fragt, warum das Marché an der Badstraße seit Kurzem Geschichte ist. 15 Jahre lang war das Lokal ein Ort für Fans von Thekengesprächen und der Fußball-Bundesliga, ein Plätzchen für Menschen, die nach der Arbeit noch einen Absacker wollten. „Sowas gibt es hier nicht mehr – nur noch Cafés“, sagt Savic.

Wer nachhakt, erfährt, dass der 64-Jährige nicht nur aus Altersgründen ausscheidet: „Mit Tölz geht es bergab. Immer weniger Urlauber gönnen sich einen ausgiebigen Besuch im Lokal, und die Einheimischen können bei den Mietpreisen nicht mehr zweimal die Woche in den Pub gehen.“ Die Stammgäste kommen statt dreimal nur noch einmal die Woche, und sie trinken statt drei nur noch zwei Bier: Das ist Savic’ Wahrnehmung. „Heute würde ich kein Lokal mehr eröffnen, das Risiko ist einfach zu groß“, sagt er und beruft sich dabei auf die hohen Pachtkosten und „Schikanen des Gesetzgebers“. Und auch die Nachbarn haben ein Auge auf das (manchmal laute) Kneipenleben in Bad Tölz.

Irish Pub, aber wo?

Sebastian Sixt verfolgt seit Längerem seinen Traum von einem Irish Pub in Bad Tölz. Ein Konzept hat der gelernte Koch, der vier Jahre am Blomberg arbeitete und aktuell das Thai-Box-Studio an der Bairawieser Straße betreibt, schon: „Eine gemütliche Kneipe mit handgemachter Musik, offener Bühne und qualitativ hochwertigem Essen.“ Er möchte Songwritern, Folk und Blues mehr Raum geben. „Ich wäre sofort bereit, aber Räumlichkeiten zu finden, ist brutal schwierig.“ Ein paar wenige mögliche Orte für das „Shelter – Irish & Music Pub“, wie Sixt das Lokal nennen will, gibt es aber. Der leerstehende Leonhardikeller, in dem zuletzt ein Italiener servierte, „wäre ideal“, sagt Sixt. Die Eigentümer hätten ihm aber ohne wirkliche Begründung abgesagt. Im Fall des gegenüberliegenden ehemaligen Marché hätten ihn die Vermieter auf eine Bewerberliste gesetzt. Er muss abwarten. Von der Münchner Erbengemeinschaft war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen.

Shisha-Bar statt Mäx

Nachgefragt hat Sixt auch im ehemaligen Subraum, die Idee aber wieder verworfen, weil die Küche zu klein sei. Bis vor Kurzem hieß die Kellerkneipe an der Salzstraße noch Mäx. Betreiber Max Brod, der den Rockladen mit Live-Bühne im September 2014 eröffnet hatte, hat sich „aus privaten Gründen“ zurückgezogen. Er möchte sich beruflich umorientieren. Brods Kommentar zum Aus: „Trotz anfänglichem Gegenwind von gewissen anderen Kneipenbesitzern hat mir das Mäx mit seinen Gästen sehr viel Spaß gemacht.“

Brods Nachfolger heißen Erhan Aksu und Sami Polat. Am 7. Mai eröffnen sie offiziell die erste Shisha-Bar der Stadt – mit dem Beinamen „Kanki“. Perserteppiche an den Wänden, verschnörkelte Polster, bunt blinkende Wasserpfeifen, angenehme Beleuchtung: Ein erster Blick in die renovierte Location ist vielversprechend. Aksu, der zuletzt eine Shisha-Bar in Rottach hatte, bringt jedem, der hereinkommt, einen türkischen Tee „als Willkommensgetränk“. Der Tee ist kostenlos, genau wie das W-Lan. Mal ein Fifa-Turnier, mal eine traditionelle türkische Band, eine Bauchtänzerin oder eine Shisha-Show – Aksu verspricht ein abwechslungsreiches Programm. „Gerade für die Jungen um die 18 soll was geboten sein. Jetzt, wo das Nao geschlossen hat.“

Schnelles Aus für Nao 

Nao hieß der Nachfolger von Blu, Pride Club und Part III. 100 000 Euro hatte das Betreiberteam in den Umbau investiert. Nach nicht einmal vier Monaten musste die Großraum-Diskothek kürzlich wieder schließen. „Der Pachtvertrag der Gesellschaft, die das Nao betreibt, besteht nicht mehr. Auch für uns, die Clubmanager, die wir nur für die Betreibergesellschaft gearbeitet, das Nao ins Leben gerufen, umgebaut, geführt und viel Herzblut gegeben haben, kam das sehr überraschend“, liest man auf der Facebook-Seite der Disco. Man habe keine Einigung mit dem Eigentümer der Immobilie erzielen können. „Das stimmt so nicht“, klärt Peter Frech auf. Der Jailhouse-Wirt hat die Blu Gastro GmbH, die das Nao geführt hat, 2015 an den neuen Betreiber verkauft. Der Mietvertrag lief formal aber noch auf Frech. Der stellt klar: „Die Miete wurde nicht mehr bezahlt, deshalb kam die fristlose Kündigung.“ Der Geschäftsführer der Blu Gastro GmbH war für eine Auskunft nicht zu erreichen. Frech, der das Blu über zehn Jahre geführt hat, findet es „wahnsinnig schade, dass sowas in Tölz stirbt“.

Kneipen im Moraltpark

Direkt neben der nun leeren Großraum-Disko betreiben Kristin und Florian Haupt das für seine Burger und Fußball-Events bekannte Bistro Inkognito. Dessen Pachtvertrag wurde nun um weitere fünf Jahre verlängert. Auch mit dem Pistolero, das ebenfalls den Haupts gehört, geht es weiter. „Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass Schluss ist“ sagt Kristin Haupt. Als Untermieter von Frechs Jailhouse sei man abhängig gewesen von dessen zähen Verhandlungen mit dem Verpächter (wir berichteten). Nun wolle man weiter deutschlandweit bekannte DJs nach Tölz holen und ein-, zweimal im Monat U18-Veranstaltungen anbieten.

Nockhergasse 19

Noch relativ frisch im Kneipenleben ist das „Nockhergasse 19“, die kleine Bar, die der heutige Gasthaus-Wirt Tino Kellner einst bekannt machte. Der Laden wechselte immer wieder den Besitzer. Nachdem der letzte Pächter nicht mehr gezahlt hatte, übernahm Gabriella Hüsken aus der Eigentümer-Familie im Oktober 2015 selbst. Erst wollte sie mit zwei Freundinnen nur den Winter überbrücken. „Aber es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir jetzt dranbleiben“, sagt Hüsken. Die Bar sei ein guter Ort für den Start ins Nachtleben. Darüber hinaus könne man das 50 Menschen fassende Lokal für Geburtstagsfeiern mieten.

Tobias Gmach

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