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Wohnungen statt Wiese: Am Kogelweg-Ende sollen drei Häuser mit Mietwohnungen entstehen. Im Hintergrund das Haus Mignon (Altbestand) und rechts die Dächer der vor einigen Jahren neu gebauten Wohnhäuser.

Diskussion im Bauausschuss

Kogel soll weiter bebaut werden

Der frühere Grundeigentümer durfte die Wiese nicht bebauen. Der neue Besitzer soll nun drei Häuser im bisherigen Außenbereich am Kogel errichten dürfen. Der Tölzer Bauausschuss ließ sich von dem Argument Personalwohnungen überzeugen. Nun soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Bad Tölz – Schon als 2009 vier kleine Häuser am südwestlichen Ende des Kogelwegs errichtet werden sollten, war dies im Tölzer Bauausschuss umstritten. Nun will der Lenggrieser Bauunternehmer Kilian Willibald am Abschluss des Weges drei weitere Häuser mit zehn Mietwohnungen sowie Tiefgarage für seine Mitarbeiter errichten.

Das etwa 2100 Quadratmeter große Areal ist zum kleineren Teil noch als Sondergebiet Fremdenverkehr gewidmet, der größere Teil ist Grünland. Als solches hat es Willibald seinerzeit vom Vorbesitzer erworben. Wichtig ist dies deshalb, weil der Voreigentümer (Waldherr) die Wiese auch schon zu Bauland machen wollte. Er war mit diesem Plan aber bei der Stadt durchgefallen.

Stadtrat Peter Priller (Grüne) erinnerte im Bauausschuss daran und fand diesen Sinneswandel des Rathauses ebenso bemerkenswert wie „ungerecht“. Dieser erste Vorstoß sei in den 1990er-Jahren vor seiner Zeit gewesen, gab Bauamtsleiter Christian Fürstberger zur Antwort. Damals habe man das Flinthöhen-Areal mit hunderten Wohnungen entwickelt und keinen solchen Wohnbaudruck gehabt wie heute. Willibald werde mit seinem Bauvorhaben in dieser topografisch schwierigen Hanglage auch kein großes Geschäft machen. Schließlich gehe es um bezahlbaren Wohnraum für Mitarbeiter des Unternehmens, befürwortete auch Bürgermeister Josef Janker das Vorhaben. Was ein Besucher beim Hinausgehen mit dem Satz kommentierte: „Warum baut er dann nicht in Arzbach oder Lenggries?“

Die Stadt schlägt einen Bebauungsplan Kogelweg II vor, mit dem Baurecht auf der Fläche geschaffen werden soll. Der Aufstellungsbeschluss wurde schließlich mit 10:2 Stimmen gefasst. Neben Priller votierte Andrea Grundhuber (Grüne) dagegen. Sie hatte schon vor acht Jahren gegen die vier neuen Häuser gestimmt. Sie sprach von einer „Salamitaktik“ am Kogel. Daneben missfiel ihr die Höhenentwicklung der drei geplanten Gebäude, die den Blick vom Kogel auf die Stadtsilhouette verdecken werde. Auch werde der früher gewünschte schnelle Zugang zur Natur – etwa vom Kurhaus her – immer mehr eingeschränkt.

Grundhuber lehnte das Bauvorhaben auch mit Hinweis auf die Nachbarn ab, die wegen der Entwässerung des Hanglagen-Grundstücks große Sorgen haben. Die Problematik der Hangwasserströme sei schon beim Bau der vier Wohnhäuser unterhalb nur ungenügend berücksichtigt worden, sagte Grundhuber.

Die Höhenentwicklung der Bebauung gefiel auch Stadtbaumeister Hannes Strunz nicht. Zumindest in dem Punkt wollte auch Fürstberger Grundhubers Worte als Ansporn verstehen, die Planung zu überarbeiten. Grundsätzlich stand er aber hinter dem Vorhaben.

Mehrere Räte ließen sich vor allem vom Argument günstigen Wohnraums überzeugen, den Kilian Willibald seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellen will. Jürgen Renner (SPD) hakte nach, inwieweit die Nutzung rechtlich auf Dauer sicherbar sei. Man werde einen städtebaulichen Vertrag machen und das hineinschreiben, erwiderte Fürstberger. Er zweifelte aber selbst, „dass uns dieser Anspruch viel hilft“. Die Stadt werde sich beim Gemeindetag diesbezüglich noch erkundigen.

Fürstberger machte abschließend klar, dass Tölz mit seinem angestrebten Bevölkerungswachstum von etwas unter einem Prozent nicht mehr viele Flächen zur Bebauung habe. Da müssten eben Baulücken gefüllt werden, „da gibt’s nicht nur 1a-Lagen“. „Nachverdichten statt Flächenfraß“ erklärte auch Bürgermeister Janker zum erklärten Ziel. Grundhuber wollte ihm genau das aber im Fall Kogelweg nicht abnehmen. Das sei Flächenfraß, weil es sich großteils um Außenbereich handle, der nun zu Bauland werde.

Christoph Schnitzer

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