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Ein touristisches Pfund, mit dem man wuchern muss, sagt Michael Ernst (SPD) an einem Sonnentag über die Tölzer Isarpromenade. 

Bürgermeister-Porträt

SPD-Bürgermeisterkandidat Ernst will den Bürger wirklich mitnehmen

Michael Ernst (SPD) kandidiert für den Platz des Rathauschefs in Bad Tölz. Bei einem Spaziergang zeigt er zwei erfolgreiche Projekte sowie Vorhaben, die er als Stadtoberhaupt anpacken will.

Bad Tölz – Drei Stunden im Regen durch Tölz marschieren. Kein Spaß. Michael Ernst bleibt gelassen und zieht sein Besichtigungsprogramm vom Maxlweiher bis zur Wandelhalle unbeirrt durch. Im Bürgermeisterkandidaten-Quartett ist der 39-Jährige der Jüngste. Außerdem ist er Politik-Neuling. Als Nachteil sieht er das nicht an. Er bringe den unvoreingenommenen Blick von draußen mit.

Zimmerer, Optiker und Bankkaufmann 

Draußen, das ist in seinem Fall eine längere Geschichte. Der gebürtige Brandenburger hat schon an vielen Orten in Deutschland gelebt, bis er im Jahr 2002 mit seiner Frau nach Bad Tölz zog. Und Michael Ernst hat auch schon in mehreren Berufen gearbeitet. Er ist gelernter Zimmerer, hat eine Optikerlehre begonnen und ist schließlich Bankkaufmann geworden. Heute arbeitet er bei der Raiffeisenbank im Oberland und ist stolz auf seine Vielseitigkeit. Ein Handwerker und Finanzer, so einen kann auch die Stadt Bad Tölz gebrauchen.

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Was will er anpacken? Klare Sache: Wohnraum schaffen, sagt Ernst und zeigt am Maxlweiher auf die unbebaute Wiese. Er will nicht auf die Initiativen der privaten Grundbesitzer in Tölz warten, sondern „proaktiv auf sie zugehen, um gemeinsame Ideen zu entwickeln“. Vom Einfamilienhaus bis zu Tiny-Houses, also auch in der Herstellung günstigen Mini-Häusern aus Holz, kann er sich vieles vorstellen. Dass eine 74-Jährige in einem Zimmer des ehemaligen „Jodquellenhofs“ hausen und ihren Lebensabend verbringen muss (wir berichteten), „das darf nicht sein“. Maxlweiher, Lettenholz, Griesfeld und Arzbacher Straße: Bauflächen in Bad Tölz fallen ihm viele ein.

Wohnraum schaffen 

Bei der Wanderung durch die Stadt sind wir inzwischen im Gries angekommen, wo der Zigarillo-Genussraucher erst einmal die Rathausspitze lobt. Wie man bei der geplanten Neugestaltung des vielleicht schönsten Tölzer Stadtteils die Bewohner miteinbezogen habe, das sei vorbildlich. Und doch nur ein Anfang. Michael Ernst würde als Stadtoberhaupt das Thema Bürgerbeteiligung in allen Bereichen groß schreiben. Dazu gehöre in der heutigen Zeit auch eine deutlich bessere Internetpräsenz der Stadt. „Die Homepage ist viel zu kompliziert aufgebaut.“ Zurück zum Gries: Den fast italienischen Charme will der SPD-Politiker erhalten, Kleingewerbe ansiedeln und Cafés. Und wohin mit den Autos? Die sollen weiter vor Ort parken, sagt Ernst. Er kann sich eine zweite Ebene am Isarkai-Parkplatz vorstellen.

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Den Bürger wirklich mitnehmen: Darunter versteht der SPD-Bürgermeister-Kandidat zum Beispiel auch, dass er auf die Heißstraßen-Anlieger zugehen und ihnen im Ausgleich für das Verkehrsplus durch die Zwickerwiesenbebauung eine Sanierung der Straße mit Geh- und Radweg vorschlagen würde.

Beim Stopp an der Isarpromenade macht der zweifache Vater deutlich, dass er die dortige touristische Aufenthaltsqualität für deutlich unterbewertet hält. Ihm geht ein Café ab. Auch für die Jugendlichen, die in den Sommernächten dort feiern, müsse man Plätze – vielleicht in Richtung „Biertempel“ – finden. Dass das Taubenloch umgestaltet wird, begrüßt Ernst. Nur sollten dort gleich Anschlüsse für eine mögliche spätere Gastronomie gelegt werden.

Anpacken: Thema Ortsgestaltung 

Wir sind beim Spaziergang im Badeteil angelangt, wo Michael Ernst ein Neubaubeispiel nach dem andern zeigt. Funktionelle Bauten, die aber nur wenig mit anspruchsvoller Architektur zu tun hätten. Sprossenfenster und Fensterläden nennt er als Stichwörter. Das Thema Ortsgestaltung will er jedenfalls anpacken. Am Vichyplatz gefällt ihm optisch der Kleine Kursaal ganz gut, aber die Nutzung nicht. Das solle wieder eine Gewerbehalle vielleicht mit einem Edeka-Ableger werden. Und die Jod-AG-Flächen? Im Gegensatz zur kompromisslosen Haltung der Tölzer SPD kann sich Ernst einen 50:50-Vergleich Tourismus und Wohnen mit Anton Hoefter schon vorstellen.

Bemerkenswert: Am Ende der Tour hat der Zweite Vorsitzende des Turnvereins ein Thema überhaupt nicht angesprochen: den langjährigen TV-Wunsch nach einer eigenen Bewegungshalle. „Das eine ist Politik, das andere Verein“, sagt er auf Nachfrage. „Das gehört nicht zusammen.“

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