+
„Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen“: Trotzdem scheitern auch viele christliche Ehen. Wiederverheiratete durften bisher nicht zur Kommunion gehen. Das hat sich nun geändert.

Kommunion für Wiederverheiratete

Ein gutes Zeichen der Bischöfe

Die Deutsche Bischofskonferenz setzt ein Zeichen. Die Kommunion für Wiederverheiratete ist demnach grundsätzlich möglich. An der Kirchenbasis vernimmt man das mit Freude.

Bad Tölz – Als hätte sie es geahnt: Vergangenen Donnerstag hatte die Tölzer Pfarrgemeinderätin Barbara Rösch-Rupp einen Vortrag zum Papstschreiben „Amoris laetitia“ über die Familien organisiert. Der Referent war leider erkrankt. Für Rösch-Rupp ist die Kehrtwende der deutsche Bischöfe in der lange diskutierten Frage der Kommunion für Wiederverheiratete nun aber erst recht ein Anlass, das Vortragsthema nochmals anzusetzen. Ja, und natürlich freut sie sich, dass sich die Bischöfe durchgerungen haben. „Es war an der Zeit, dass wir da weiterkommen.“ Außerdem sei das Zugeständnis der Bischöfe ja kein Freifahrtschein und stelle das Ehe-Sakrament nicht in Frage.

Da kann ihr Stadtpfarrer Peter Demmelmair nur beipflichten. Die Verbindlichkeit der Ehe werde durch die Bischofserklärung nicht aufgeweicht. Die geistlichen Oberhirten sprechen von „begründeten Einzelfällen“ und setzen einen von einem geistlichen Seelsorger begleiteten Prozess voraus.

Es sei eine „noch sehr vorsichtige Öffnung“, sagt Herbert Konrad, theologischer Referent beim Kreisbildungswerk, freut sich aber dennoch, dass nun „der Mensch in seiner ganzen Lebensrealität gesehen wird“. Sakramente sollen ja schließlich als Zeichen der Stärkung und nicht als Instrument eines Dogmas verstanden werden. Kirche dürfe da übrigens ruhig noch mutiger sein.

Pfarrer Demmelmair, der in der Praxis bisher schon keine Unterschiede gemacht hat, erinnert sich an eine Dogmatik-Vorlesung vor 35 Jahren in Freiburg. Darin war von einem der Kirchenväter Johannes Chrysostomos die Rede, der schon im vierten Jahrhundert ein Scheitern der Ehe als möglich bezeichnete und für eine zweite Heirat eine „medizinale Phase der Enthaltsamkeit“ voraussetzte. Dann solle man aber durchaus wieder langsam zum Sakrament der Eucharistie geführt werden.

Auch Pfarrer Ludwig Scheiel von Gaißach hat sich gemerkt, was sein Dogmatikprofessor Johannes Gründel beim Theologiestudium sagte. Es sei nicht entscheidend, was das Kirchenrecht vorgebe, sondern „letzte Entscheidungsinstanz ist das Gewissen“. So habe er das immer gehandhabt. Er als Priester habe und werde auch niemandem diese persönliche Entscheidung abnehmen können.

Trotzdem hält Scheiel die Bischofserklärung für hilfreich und findet es großartig, „dass die Bischöfe den vom Papst gegebenen Ermessensspielraum nützen“. Die Ehe beschreibe schließlich nur einen Idealzustand. Es gebe Bruchstellen, wie überall im Leben. „und wenn wir eine seelsorgerliche Kirche sein wollen, müssen wir auf das Leben und diese Bruchstellen schauen.“

Christoph Schnitzer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trimini, Dorst, Herzogstandbahn: Geballte Neuigkeiten aus Kochel
Der Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde blieb Nebensache. Der Besuch von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner war viel mehr als ein Wahlkampftermin vor Ort. Beim …
Trimini, Dorst, Herzogstandbahn: Geballte Neuigkeiten aus Kochel
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Verdächtiges Paket
Es war nur ein Bigbag, ein Riesensack, der in der Isar trieb. Es hätte aber auch ein Toter sein können. Deshalb kam es am Donnerstag zu einem Großeinsatz an der Isar.
Verdächtiges Paket

Kommentare