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Bizarre Klinik: „Silikon ist unser Werk, aus jedem Tal wird ein Berg“ singen Ärzte, Schwestern und Patienten der horriblen Klinik, inklusive einem Duell, in dem Spritzen als Waffen dienen.  

Komödie in Mull

Frankenstein-Ärzte, Damen im Jugendwahn, ein irres Schneewittchen, ein nicht ganz so heller Oberinspektor  und jede Menge Verbandsmaterial: Willkommen in der „Schönen Klinik“ und beim neuen Stück der Theatergruppe des Tölzer Kulturvereins „Lust“.

Bad Tölz–„M.U.L.L. – Mord und langes Leben“ trug auch dieses Mal die unverwechselbare Handschrift von Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller, die gemeinsam mit den „Lust“-Schauspielern inzwischen ein echtes Bühnen-Dreamteam geworden sind. Die Premiere fand am Freitag in der Alten Madlschule statt.

Der Start ist fulminant rasant: Quasi übergangslos wird das Publikum in Schunkellaune versetzt und hineingeworfen in den beliebten „Klinik-Tanztee“. Das irre Personal fegt über die Bühne, es gibt geschmettertes Liedgut und eine aerobicgleiche Choreographie. „Silikon ist unser Werk, aus jedem Tal wird ein Berg“ singen Ärzte, Schwestern und Patienten der horriblen Klinik frohgelaunt, inklusive einem forschen Duell mit Spritzen als Waffen.

Die Regisseure siedelten das Stück auf mehreren Ebenen an. Nicht nur auf der Bühne wird gespielt, sondern auch im Zuschauerraum, im Nebenzimmer und sogar im Hof. Nach einer halben Stunde passiert endlich etwas Schreckliches: „Mord! Da haben Sie jetzt schon die ganze Zeit drauf gewartet, stimmt’s?“, fragt Oberinspektor Hannibal alias Alexander Liegl.

Denn natürlich geht es nicht mit rechten Dingen zu. Der halbseidene Schönheitsdoc Dr. Jakob umschmeichelt seine Patienten, pardon „die Gäste“, und weil diese panisch ihrer entschwundenen Jugend hinterhereilen, nehmen sie auch das eine oder andere Experiment in Kauf. Sie schlucken bunte Pillen und freuen sich auf ihr „Scheißegal-Spritzerl“, verabreicht von der forschen Schwester Tilda.

Zu den abgehalfterten Herrschaften gesellen sich schnell zwei Leichen, deren Ableben es aufzuklären gilt. Denn natürlich: Hinter Dr. Jakob, seiner abgehobenen Kollegin Dr. Dorothea und der spitzzüngigen Pflegedienstleiterin verbirgt sich ein finsteres Geheimnis – Stichwort Drüsendiebstahl und Hormonraub.

Licht ins Dunkel bringt zum Schluss die alte, immer wieder durchs Schauspiel irrlichternde Schwester „Schneewittchen“ (gespielt von Ludwig Retzer), deren Nusspudding ein paar ganz besondere Zutaten birgt.

Dass man sich daraus keinen Reim machen kann, ist vermutlich der Plan der Regisseure. Plan ist, ein saukomisches und ziemlich verrücktes Stück auf die Bühne zu bringen, so, wie es die Gruppe seit Jahren mit großem Erfolg tut. Wer zur „Lust“ kommt, weiß, was ihn erwartet – und nach all der Zeit haben die Akteure Mimik, Gestik, Tanz und Gesang und aberwitzige Special-Effects zur Perfektion gebracht.

Der gewollt überspitzte Slapstick, die Ping-Pong-Dialoge, das Stilmittel des Running-Gags und die ausgesuchten Lieder zum Thema Schönheit machen das Ganze zu einem sehr speziellen Gesamtpaket. Die Schauspieler bestechen durch ihre Spiellaune, und das Tempo, das sie ihrem Publikum um die Ohren hauen, lässt keine Langeweile aufkommen. Diese „Komödie in Mull“ passte wieder mal perfekt ins Konzept der temperamentvollen, fast-nicht-mehr Laientheatergruppe. Wie immer hat das Autorenteam das Stück extra für die Tölzer geschrieben und jedem seine Rolle auf dem Leib geschneidert. Wenn Profis am Werk sind, dann wird daraus eben eine runde Sache.

Darsteller und Termine:

Adrian Graß, Ulrike Liegl-Kempter, Hagen Dessau, Nicole Fahrner, Petra Stadlmayer, Sebastian Stadlmayer, Dörthe Merz, Ludwig Retzer, Christine Hermann, Heike Kiesmüller, Alexander Liegl. Weitere Vorstellungen sind am 23. und 24. März, am 13., 14., 20., 21., 27. und 28. April sowie am 4. und 5. Mai in der Alten Madlschule. Beginn der Vorstellung ist jeweils um 20 Uhr. Karten bei Schreibwaren Zauner, Telefon 0 80 41/7 81 40 und an der Abendkasse.

Ines Gokus

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